Lade Inhalte...

„Maybrit Illner“, ZDF SPD gegen SPD

„Schulz und Merkel zittern" - so fasst Maybrit Illner den Zustand in SPD und Union zusammen. In der Sendung sind zwei Sozialdemokraten die eigentlichen Kontrahenten.

Maybrit Illner
Maybrit Illner : „Schulz und Merkel zittern". Foto: Imago

Wenn nicht die Fallhöhe wäre, man könnte der SPD bescheinigen, dass sie die Hauptrolle in  einer geradezu antik anmutenden Tragödie innehätte. Denn wie die Partei auch reagiert: Ihr droht der Absturz. Entweder sie entscheidet sich für eine Neuauflage der Großen Koalition, dann muss sie gewärtigen, dass ihr viele Genossen die Gefolgschaft verweigern. Oder sie bleibt in der Opposition: Dann wird die Union sie als verantwortungslos diffamieren. Doch anders als im griechischen Drama sind die handelnden Personen nicht unschuldig am Dilemma.

Zuvörderst Parteichef Martin Schulz hat sich gleich zwei gravierende Fehler zuschulden kommen lassen. Zunächst als er am Wahlabend die Partei auf die Opposition einschwor, und das nach dem Scheitern von Jamaika noch wiederholte, und dann in den vergangenen Tagen. Denn er hätte erstens das bescheidene Ergebnis der Sondierungen niemals als „hervorragend“ verkaufen und zweitens dann, als Widerspruch kam, die Verabredungen mit der CDU nicht als nur vorläufig darstellen dürfen. Das wird der so genannte Mann des Volkes, dessen Nähe sich der Ober-Sozi so gerne rühmt, nicht schlucken, sondern als Umfallen werten.

„Machtkampf um die GroKo – Schulz und Merkel zittern" hatte Maybrit Illner ihre Talkshow betitelt, und es war in mancher Hinsicht eine bemerkenswerte Sendung. Denn zum einen waren gleich zwei Sozialdemokraten geladen – weil sie bei diesem Thema die wirklichen Kontrahenten waren; zum anderen ergaben sich in der Debatte überraschende Koalitionen.

Das war vor allem dem engagierten Auftritt von  Juso-Chef Kevin Kühnert zu verdanken. Er betonte nochmal, die SPD werde nicht als Mehrheitsbeschafferin für CDU/CSU gebraucht, ihr Profil sei nach zwei Beteiligungen an einer Großen Koalition nicht mehr klar erkennbar; das Wahlprogramm sei „mutlos“ gewesen.

Ähnlich argumentierte Gabor Steingart, der Herausgeber des „Handelsblatts“ und sozialdemokratischer Neigungen unverdächtig. Er fand, die Sondierer von SPD und Union ließen eine „Behandlung von Zukunftsfragen“ vermissen und hätten bloß die Verhältnisse festgeschrieben. Dagegen habe Kühnert einen Punkt gemacht. Dieses Lob von einem Wirtschaftsliberalen für seinen Genossen nannte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil eine „vergiftete Praline“.

Denn Weil („Das Wahlergebnis ist uns in die Knochen gefahren“) sah durchaus  einige „echte Fortschritte“ im Ergebnis der Sondierungen. Und hielt seinem Parteifreund Kühnert entgegen, dass es nicht den Gang in die Opposition brauche, um die Partei zu erneuern.  Wenn die SPD-Mitglieder das Papier ablehnten, werde die Sozialdemokratie vor einem Berg von Problemen stehen.  Weil warnte vor Neuwahlen mit dem Bild der Arbeitsteilung: Die Politiker bäten die Bürger zur Wahl, und die erwarteten, dass die Gewählten dann ihre Arbeit täten. Im Übrigen gab er zu bedenken, dass Deutschland in der Vergangenheit nicht schlecht gefahren sei mit seiner ausgeprägten politischen Stabilität.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum