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"Maybrit Illner", ZDF Maybrit Illner: Es gibt keine Sicherheit

Auch Maybrit Illner beschäftigt sich mit dem Germanwings-Absturz. Zunächst sollte die Sendung unter dem Titel "Flug in den Tod" laufen. Doch davon hat die Redaktion abgesehen.

Auch bei Maybrit Illner ist am Donnerstag der Flugzeugabsturz das Thema. Foto: imago/Metodi Popow

Der „Bildblog“ zitiert am Donnerstag den Dialog zwischen einem „Timo“ und zwei Journalisten von focus online und der Huffington Post, die herausbekommen hatten, dass „Timo“ vielleicht etwas wissen könnte über den Co-Piloten des Airbus 320 und ihn um Kontaktaufnahme baten. Sie bekamen zur Antwort: Bitte schreibt an „essindmenschengestorben@ihrsensationsgeilenaffen.de“.

Die „Katastrophen der Katastrophenberichterstattung“, so Christian Bartels im „Altpapier“ vom Donnerstag, fanden an diesem Tag dank frischer Nahrung ihre Fortsetzung, unter anderem mit der dritten Talkshow in Folge. Nach Sandra Mischberger und Anne Will im Ersten meinte auch Maybrit Illners Redaktion offenbar, es gehe nicht  ohne weiteres Gerede über ein Ereignis, das einem die Sprache verschlagen müsste – weshalb der Sturzbach der Mitteilungen, Meinungen und Vermutungen nur umso heftiger durch die Medien wütet.

"Absturz in den Alpen – die Katastrophe und die Folgen": Zur werbewirksamen Alliteration hat es dann ja noch gereicht beim Motto der jüngsten Talkshow Maybrit Illners. Doch immerhin hat die Redaktion es geschafft, sich vom zunächst vorgesehenen unsäglichen Titel zu trennen: Als „Flug in den Tod“ war die Sendung zuerst angekündigt und ließ Schlimmstes befürchten. Aber das geplante Vorgehen wurde von den Ereignissen überholt, denn die ärgsten spekulativen Ausschweifungen wurden ja eingedämmt durch die Nachrichten aus Frankreich, die den Neu-Gierigen ein Ziel boten: Ein junger Mann aus Montabaur hat, so die Staatsanwaltschaft von Marseille, das Flugzeug mit seinen 150 Passagieren allein und absichtlich in den Bergen hat zerschellen lassen. 

Im heute-journal vor Illners Talkshow hatte Christian Sievers den Kriminalpsychologen Rudolf Egg nach dem Typus des Selbstmörders gefragt, der andere mit in den Tod reißt, und zur Antwort erhalten, dass dies etwa bei Geisterfahrern der Fall sein kann. Und bei Illner zählte der zurzeit viel gefragte Journalist Andreas Spaeth einige Fälle auf, bei denen Piloten ohne Rücksicht auf ihre Passagiere ihrem Leben ein Ende setzen wollten.

Ohne mediales Echo in der Sendung und anderswo blieb allerdings Eggs Bemerkung, der Co-Pilot der Germanwings-Maschine habe „einen Abschiedsbrief geschrieben“. Aber das war vielleicht auch gut so, denn zu Recht wiesen alle Gäste Illners darauf hin, dass man immer noch nichts genaues wisse. Und der in dieser Talkshow obligatorische Politiker wusste seine Anwesenheit dadurch zu rechtfertigen, dass er als erster die Darlegungen des französischen Staatsanwalts in Frage stellte. Die Juristen so Peter Ramsauer, hätten schon vieles behauptet, das hinterher nicht den Tatsachen standhielt. In Situationen wie diesen könne „kaum ein Wort richtig und fast jedes Wort falsch“ sein. Ihn störe, dass „Millionen Richter da sind, kaum ist was passiert“. So ähnlich komme es ihm hier auch schon wieder vor. Man habe nun aber seit heute die Informationen aus Frankreich, beeilte sich Illner zu sagen, „sonst würden wir in dieser Form nicht darüber reden“. Da sind nun Zweifel angebracht, schließlich war der Absturz doch offenbar ein Muss-Thema für die Redaktion.

Die Hilflosigkeit der Moderatorin äußerte sich auch in  wiederholten Fragen danach, was denn nun schlimmer sei, also etwa das Wissen oder das Nicht-Wissen, ob es ein „Mitnahme-Suizid“ sei, so die Formulierung der Konstanzer Psychologin Maggie Schauer. Nun ja, für alle Nicht-Betroffenen mag die Angst vor unbeherrschbarer Technik wieder geschrumpft sein, und Andreas Spaeth wollte gar in den Bekundungen der offiziellen Stellen so etwas wie „Freude über die Klarheit“ erkannt haben – wiewohl auch er die Mitteilungen der Staatsanwaltschaft relativierte: Es sei „voreilig, jetzt von Suizid zu sprechen“.

Also durfte Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Piloten-Vereinigung Cockpit, von seinen Erfahrungen berichten, wie die Piloten während ihrer Dienstjahre überprüft werden. Doch er mochte ebenso wenig das eigene Nest beschmutzen wie Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Beide formulierten keine Kritik daran, dass die Flugzeugführer nach ihrer Einstellung keine explizit psychologische Begutachtung mehr erfahren – eine doch erstaunliche Tatsache, die allerdings zur allgemeinen öffentlichen Verdrängung der psychischen Probleme der Bundesbürger passt.

Bei diesem Thema kam Maggie Schauer doch noch dazu, ihre Erfahrungen beizutragen. Jetzt  brauchten die Angehörigen erst einmal viel Zeit und Respekt, erklärte sie. Im übrigen ließ die erfahrene  Psychologin keinen Zweifel: „Es gibt keine Sicherheit.“

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