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„Maybrit Illner“, ZDF „Alle fragen sich: Wohin mit Martin?“

Parallel zum Treffen beim Bundespräsidenten sollten bei Maybrit Illners Talkshow die Chancen einer neuen Großen Koalition ausgelotet werden.

Bettina Schausten
Bettina Schausten vertrat Maybrit Illner. Foto: Klaus Weddig/ZDF

Maybrit Illner war erkrankt, deshalb moderierte Bettina Schausten vom Hauptstadt-Studio des ZDF ihre Talkshow zum Thema "Kurs auf Schwarz-Rot – Merkels letzte Hoffnung?" Und die Vertretung führte sich gleich mit einer schönen Spitze ein: Ob die Gespräche der Parteivorsitzenden von CDU, CSU und SPD beim Bundespräsidenten so etwas wie „betreutes Sondieren“ seien? Olaf Scholz (SPD), stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender, wich aus: man habe doch viel Zeit.

Wie neulich schon bei Markus Lanz gab der Hamburger Bürgermeister sich betont ruhig und grenzte sich immer mal wieder ab von seinem möglichen künftigen Koalitionspartner, vertreten von Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU). So formulierte er: Der Alleingang von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der Glyphosat-Abstimmung sei „ein Dummer-Jungen-Streich“ gewesen.  Der Beifall war ihm sicher, obgleich  Altmaier darauf hinweisen konnte, auch Sigmar Gabriel habe einst derart gegen die Geschäftsordnung der Koalition verstoßen.

Die Verantwortung liegt bei Merkel

Aber Altmaier war ansonsten auf das Gegenteil von Konfrontation aus. Die CDU sucht ihr Heil derzeit eben in einer Großen Koalition. Merkels Hausmeier behauptete zunächst, eine Minderheitsregierung sei ungeeignet, langfristige Entscheidungen zu treffen, und Neuwahlen wären ein Eingeständnis der Schwäche aller politischen Parteien. Ähnlich versuchte er die Genossen bei ihrer staatsbürgerlichen Ehre zu packen: Die SPD müsse sich fragen, ob sie nicht „konstruktiv mitwirken“ wolle. Denn es ginge doch darum, das Markenzeichen: „Stabilität made in Germany“ zu bewahren.

Doch Scholz schob die Verantwortung erstmal der Kanzlerin zu. Das Scheitern von Jamaika sei auch mangelnder Führung geschuldet. Autor Hajo Schumacher hieb in die gleiche Kerbe: Es habe bei den zurückliegenden Sondierungen an einem Regelwerk gefehlt, und das sei eine Führungsaufgabe. Der in dieser Sendung wiederholte Ruf nach Führung müsste verdächtig erscheinen, wenn er nicht so durchsichtig als Spitze gegen den politischen Gegner diente. Denn  Scholz goss seine Kritik an Merkel auch in die Frage, ob deren Kraft noch reiche – übrigens ohne dass Altmaier seine Chefin wortreich gegen diese Unterstellung in Schutz nahm.

Die beiden nicht aus der Politik kommenden  Frauen in der Runde machten sich derweil für eine Minderheitsregierung stark.  Die sei gar nicht so schlecht, fand Dorothea Siems, Chefkorrespondentin für Wirtschaftspolitik der „Welt“, und Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele sah den „Charme“ von wechselnden Mehrheiten auch darin, dass die Regierung Farbe bekennen müsse. Nach der Großen Koalition brauche es  eine Stärkung des Parlaments.

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