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Maybrit Illner Danke für die Kommunikation

Gregor Gysi will gemeinsam mit Volker Kauder gegen das Finanzsystem demonstrieren. Und eine Occupy-Aktivistin bedankt sich bei Illner: Eine Talkshow über die Brüsseler Beschlüsse zur Euro-Rettung.

"Sie unterbrechen mich": der meistgehörte Satz in Illners Runde. Foto: Getty

Es war nur ein kurzer Moment, aber er brachte den üblichen öffentlich-rechtlichen Talkshow-Trott kurz aus dem Takt: Maybrit Illner hatte sich in ihrer Sendung über die Euro-Rettung zwei Aktivisten der Occupy-Bewegung zugewandt, die nach der Wall Street nun auch deutsche Innenstädte besetzt. Routiniert setzte Illner zur Vorstellung von Jana Pallaske an: „Sie sind Schauspielerin“, doch Pallaske verneinte und sagte: „ich schauspielere nur manchmal“, in erster Linie aber sei sie Mensch. Und dann bedankte sie sich bei der verdutzten Moderatorin in wohltuend Fernseh-untauglichen, ein wenig esoterisch-verschrobenen Bandwurmsätzen dafür, dass sie mit ihr kommuniziere.

Illner nahm‘s als Kompliment – ihre Diskussionsrunde aber kommunizierte alsbald wieder gewohnt aneinander vorbei. „Sie unterbrechen mich“, beschwerte sich Unions-Fraktionschef Volker Kauder nach jedem zweiten Satz. „Nur drei kurze Sätze“, leitete Linken-Fraktionschef seine deutlich längeren Ansammlungen linker Schlagworte à la Hartz IV, Dumpinglohn und Vermögenssteuer ein und gab Antworten auf von Illner nicht gestellte Fragen.

Dabei ging es eigentlich in erster Linie um die in der Nacht zu Donnerstag verabschiedeten Beschlüsse des Eurogipfels: Griechenland werden 50 Prozent seiner Schulden erlassen, die Banken müssen ihr Eigenkapital auf neun Prozent erhöhen, der Rettungsschirm EFSF erhält seinen viel diskutierten Hebel, Italien und Spanien strengere Sparauflagen. Also eine politische Talkshow mit aktuellem Aufhänger par excellence. Jedoch mit wenig neuem Erkenntnisgewinn fürs Publikum. Trotz kurzem Erklärstück zur Rekapitalisierung hielt sich der Nutzwert der Sendung in engen Grenzen.

Journalist berichtet von Zocker-Experiment

Kauder und der liberale EU-Politiker Alexander Graf Lambsdorff stellten sich wenig überraschend vor die schwarz-gelbe Bundesregierung und sprachen von einem Schritt in die richtige Richtung. Gregor Gysi forderte noch weniger überraschend eine Banken-Verstaatlichung. Und Michael Kemmer vom Bundesverband deutscher Banken schließlich fand diese Vorstellung absurd und lobte die Banken lieber für ihr großzügiges Entgegenkommen beim Schuldenschnitt.

Interessanter waren da schon die Ausführungen des Wirtschaftsjournalisten Harald Schumann, der von einem Zocker-Experiment berichtete, in dessen Rahmen er griechische Staatsanleihen kaufte und nach wenigen Tagen wieder gewinnbringend verkaufte. Auf seinen Erfahrungen aufbauend fordert er mehr Transparenz auf dem internationalen Finanzmarkt. Es müsse klar erkennbar sein, wer die Leidtragenden solcher Transaktionen seien.

Auf die Einladung der Occupy-Bewegung, sich am öffentlichen Diskurs über neue Lösungsmodelle für die Finanz- und Wirtschaftskrise zu beteiligen, mochte indes niemand in der Runde so Recht eingehen. Obwohl: vielleicht mischen sich demnächst ja doch Politiker unter die Demonstranten vor dem Brandenburger Tor: „Wollen wir zusammen hingehen, Herr Kauder?“, fragte Gregor Gysi.

Wiederholung der Sendung: Freitag um 16.15 Uhr auf Phoenix oder in der ZDF-Mediathek.

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