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Mata Hari, ARD Verratene Verräterin

Natalia Wörner gibt die berühmte Spionin Mata Hari als schwerblütige Lebedame.

Mata Hari - Tanz mit dem Tod
Wladimir „Vadim“ de Masloff (Vladimir Burlakov) und Mata Hari (Natalia Wörner). Foto: NDR/Beate Wätzel/vincent tv

Das Erscheinen der Nonne bringt Gewissheit: Das Ende naht. Es empfiehlt sich allerdings, beim Vorspann den Ton wegzudrehen. Dann wird Mata Haris letzter Gang beklemmender. Denn der innere Monolog der Todgeweihten ist eine etwas pathetisch geratene Apologie: „Ich bin keine Bestie, wie die Franzosen sagen.“ Überhaupt scheint auch hier wieder das Problem eines für das große Publikum gedrehten Films auf, mit der Exposition möglichst viele Informationen zu transportieren – weil man den Zuschauern die Geduld sich einzulassen nicht zutraut.

Die oft verfilmte Geschichte der Margaretha Geertruida Zelle, um die Wende zum 20. Jahrhundert bekannt geworden als Tänzerin Mata Hari und im Ersten Weltkrieg noch bekannter geworden als Spionin, erzählt Kai Christiansen (Buch und Regie) als ein Duell zweier Frauen: der nicht mehr jungen Berühmtheit, deren Karriere der Krieg zerstört hat, und einer ehrgeizigen jungen Akademikerin, deren Karriere der Krieg befördern soll. Elsbeth Schragmüller, „das Fräulein Doktor“, ist in Antwerpen für die deutsche Spionage tätig, und ihr fällt die Aufgabe zu, die Holländerin als Agentin zu führen.

Nora Waldstätten spielt die junge Frau als Domina, die Uniformjacke blank wie eine Rüstung mit vatermördermäßigem Kragen, die Haare streng geflochten, die Brauen wie zwei Säbel über kalt blitzenden Augen. Ihr gegenüber gibt Natalia Wörner Mata Hari als schwerblütige Frau von Welt, die schon bessere Tage gesehen hat, aber glaubt, von vergangenem Ruhm zehren zu können – auch als sie sich aus finanzieller Not als Agentin für die Deutschen verdingt.

Preußischer Offiziersgeist gegen frankophiles Laissez-faire: Der Antagonismus beider Frauen wirkt arg forciert, zumal die (historisch belegte) Figur der Elsbeth Schragmüller en passant auch noch für die Emanzipation in Dienst genommen wird. Doch desavouiert Autor Christiansen sie zugleich als Blaustrumpf (auch wenn sie einen Verlobten hat).

Gelungener ist der Versuch der Regie, das Bild von Mata Hari zu entzaubern, das etwa die historischen Fotos beschwören, die die Tänzerin in orientalisch anmutenden Gewändern zeigen. Natalia Wörner vermag die Facetten einer Lebedame zu spiegeln, die vom Schicksal gezeichnet ist: Sie hat den Sohn verloren, ihr Ex-Ehemann hat den Kontakt zu ihrer Tochter verhindert.

Paris wird ihr Fluchtpunkt. Die üppige Ausstattung der Salons, die an Sepiatöne erinnernde Farbigkeit schaffen ein Bild trügerischen Fortbestehens vergangener Zeiten. Hier werde sie „immer geliebt“, redet sie sich und anderen ein und wirft sich einem russischen Offizier an den Hals. Er sei der „Held der verblühenden Damen“. Und obwohl sie weiß, dass er sie ausnutzen wird, macht sie ihm einen Heiratsantrag – den er später leugnen wird.

So wird sie nicht nur von ihm verraten, sondern auch von ihren Auftraggebern. Weil sie kein Geld mehr hat, dient sie sich auch den Franzosen an – ein Opportunismus, den sie mit dem Leben bezahlen wird, denn Schragmüller hat ihr eine Falle stellen können: Die Verräterin wurde verraten. Die Sonne (so die Übersetzung des indonesisch-malayischen Wortes „Mata Hari“, Auge des Tages) muss untergehen.

Es wird immer ein wenig zuviel ausgesprochen in diesem Film, aber ein Satz im Abspann macht noch einmal die tragische Dimension der Mata Hari deutlich: „Die bekannteste Spionin der Welt“ war eigentlich keine, denn „sie hat kein einziges militärisches Geheimnis in Erfahrung bringen können“.

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