Lade Inhalte...

Maischberger Ein Kampf um das Innenministerium

Die ewige Frage, ob Deutschland eine Leitkultur benötige, scheint unmöglich zu beantworten. Daran scheitert auch die Runde bei Maischberger. Doch der eigentliche Sinn der Diskussion ist ein ganz anderer.

Maischberger
Deutsche Leitkultur war das Thema der Sendung von Sandra Maischberger. Foto: © WDR/Melanie Grande

Da ist sie wieder, die ewige Debatte: Moderatorin Sandra Maischberger beginnt mit einem Nietzsche-Zitat, gemünzt auf den Begriff, der seit kurzem wieder in aller Munde ist. Ob Deutschland eine Leitkultur brauche, möchte die Moderatorin von ihren Gästen wissen. Nicht verwunderlich, dass auch diese Runde, wie so viele davor, darauf keine richtige Antwort findet.

Streng genommen ist die Leitkultur aber nur vordergründig das Thema. Im Kern kämpfen hier zwei Männer um den Posten des zukünftigen Innenministers: Einer von ihnen muss dafür nicht einmal an der Diskussion teilnehmen. Denn der aktuelle Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hat mit seinen zehn Thesen zur Leitkultur in der „Bild“ das Thema überhaupt erst wieder gesetzt. Das erkennt „Stern“-Journalist Hans-Ulrich Jörges zurecht, der dahinter schon den heranrauschenden Wahlkampf vermutet. Eine Debatte möchte der Innenminister laut Jörges nicht anstoßen: De Maizière wolle sich in Stellung bringen, um auch nach der Wahl Bundesinnenminister zu bleiben. Mit seinen Thesen versuche er, Rechte und Konservative zurück zur CDU zu holen. Die Berliner Staatsekretärin Sawsan Chabli (SPD) spricht passenderweise von einem „Machtkampf zwischen zwei älteren Herren“.

Der andere „ältere Herr“ ist Joachim Herrmann (CSU), bayerischer Innenminister, Spitzenkandidat der Partei für die Bundestagswahl und ebenfalls am Innenministerposten interessiert. Recht habe sein Amtskollege aus Berlin: Ein Nebeneinander der Kulturen funktioniere in Deutschland nicht. Und dann driftet auch schon die Debatte in das ab, was offenbar unausweichlich ist.

Wo über den Begriff „Leitkultur“ diskutiert wird, sind die „Parallelgesellschaften“ und die „No-Go-Areas“ in deutschen Städten nicht weit. Es sind Begriffe, die vor allem die Publizistin Birgit Kelle in die Diskussion einbringt. Wie Herrmann scheitert sie aber auch immer wieder daran zu erklären, was genau eine deutsche Leitkultur überhaupt sein soll.

SPD-Politikerin Chebli bezeichnet

die Diskussion dementsprechend als „Scheindebatte“. Denn sie schließe Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland aus. Chebli, die selbst erst mit 15 den deutschen Pass erhielt, werde immer noch nach ihrer „wirklichen Herkunft“ gefragt. Dabei ist sie in Deutschland geboren, ihre Eltern stammen aus Palästina. Es gebe in Deutschland die „Urdeutschen“ und den Rest. Zustimmung erhält sie von Tänzerin Motsi Mabuse, die aus Südafrika stammt, aber ebenfalls einen deutschen Pass besitzt. Viel mehr als ihre Geschichte kann sie allerdings nicht einbringen, denn gegen das allgemeine Stimmengewirr der restlichen Diskussionsteilnehmer kommt sie nicht an.

So haben sich die Lager schnell geklärt: Herrman und Kelle befürworten die Leitkulturdebatte, die stille Mabuse und Chebli lehnen sie ab. Einzig Journalist Jörges kann hin und wieder zwischen beiden Standpunkten vermitteln. Es sei legitim darüber zu sprechen, was das Land zusammen halte, räumt er schon zu Beginn der Sendung ein. Allerdings sei der Ansatz von Herrmann und de Maizière der falsche. Deutschland sei inzwischen von vielen Kulturen geprägt, die sich durch Herrmanns Ansichten ausgegrenzt fühlen: „Die Zeiten des reinen Christentums ist vorbei.“

Aber genau an diesem Punkt dreht sich die Diskussion immer wieder um sich selbst: Über was genau diskutiert werden müsse, kann auch Jörges  nicht hinreichend beantworten. Sitten und Bräuche seien es allerdings nicht, es müsse über Werte diskutiert werden. Die Antwort darauf, was deutsch ist und was genau zu Deutschland gehört, beantwortet jeder Diskussionsteilnehmer unterschiedlich. Das zeigt sich am deutlichsten an einem Beispiel von Chebli: Stolz sei sie bei dem Gedanken an die schonunglose Aufarbeitung der eigenen Geschichte Deutschlands. Für Kelle ist das hingegen kein Beispiel für die deutsche Identität.

So kommt die Gesprächsrunde zu keinem überraschendem Ende: Vordergründig bleibt die Diskussion über die deutsche Leitkultur genau das, was sie schon immer war, nämlich unlösbar.  Hintergründig schafft es Joachim Herrmann nicht, die platten Thesen von de Maizière zu unterbieten. Der Kampf der „älteren Herren“ geht wohl weiter.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum