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Maischberger, ARD Niederlage im Kampf gegen Drogen?

Bei Sandra Maischberger diskutieren die Gäste um Drogenkonsum und Kriminalität. Ist der Kampf gegen die berauschenden illegalen Substanzen gescheitert?

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Sandra Maischberger. Foto: dpa

Fast 250 Millionen Menschen nehmen nach Schätzungen der Vereinten Nationen heute illegale Substanzen. Gescheitert sei der „Krieg gegen die Drogen“, erklärte deshalb unlängst Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan und forderte im Februar dieses Jahres die Entkriminalisierung. „Cannabis und Kokain: Sollen Drogen freigegeben werden?“ fragte sich die Runde in der ARD-Talkshow Maischberger.

„Mit der Freigabe vermitteln wir, Drogen seien harmlos“, sagt Melanie Huml. Die bayrische Gesundheitsministerin plädiert für mehr Aufklärung an den Schulen und Hilfsangebote für Süchtige. Dass die Zahl der Drogentoten in Bayern gestiegen sei, hänge damit zusammen, dass immer neue Drogen auf den Markt kommen, die noch legal wären. Gerade die Legalisierung von Cannabis sieht die Politikerin kritisch: „Das ist immer noch die Einstiegsdroge.“

Wie gefährlich sind die Substanzen? Davon erzählt RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorf, der für eine Doku-Reihe den Selbstversuch startete. „Bis auf Heroin und Kokain habe ich alles genommen.“ Wie verführerisch der Konsum sein kann, hat er dabei selbst erlebt. „Alle haben einen gewissen Spaßfaktor.“ Auch Sabrina Kästner, Ex-Chrystal Meth-Konsumentin, berichtet vom anfänglichen Erheiterungsgefühl, welches in quälenden Lethargie ende.

Wie die Drogen Glückshormone in unserem Kopf ausschütten, erklärt der Wissenschaftsjournalist Werner Bartens. Trotzdem: „Drogen machen nicht glücklich.“ Nach dem Up kommt der Down. Die langfristigen Schäden von den Suchtmachern seien immens, das gelte aber auch für die legalen Drogen wie Nikotin, Alkohol und Viagra.

Aus der Praxis erzählt der Kriminalhauptkommissar André Schulz. Auch er sagt, die ressourcenaufwändige Verfolgungsarbeit der Polizei von Drogendelikten führe kaum zum erwünschten Ergebnis. In Portugal werden Kleinmengen für den Privatkonsum seit 16 Jahren nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Zahlen belegen, dass die Zahl der Süchtigen und Toten dort sinken.

Ähnlich sieht es der Journalist und Ex-Heroinabhängige Jörg Böckem. Während seiner Karriere beim „Spiegel“ setzte er in den Mittagspausen die Spritze an. Seit 16 Jahren ist er clean, schrieb mehrere Bücher über seine Sucht. „Man kann niemanden von irgendetwas abhalten.“ Nur eine intelligente Entkriminalisierung könne das Drogenproblem lösen. Dass der Konsum von Cannabis automatisch zu Heroin führe, sei eine These aus dem vergangenen Jahrtausend.

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