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Maischberger, ARD Fröhliche Weihnachten für Muslime

Wo endet die Toleranz? Sandra Maischberger und ihre Runde suchen in der Debatte über den Umgang mit dem Islam eher hilflos nach Antworten.

Sandra Maischberger
Moderatorin Sandra Maischberger in der ARD Talkshow Maischberger Foto: imago

Es soll ja Talkshows geben, die den Zuschauern zu einem Erkenntnisgewinn verhelfen. Jene von Sandra Maischberger am Mittwochabend zum Thema: Islamdebatte: Wo endet die Toleranz? gehörte nicht dazu.

Wenn man die radikale Islamkritikerin Necla Kelek einlädt, weiß man, dass sie den Islam eigentlich nicht mehr für eine Religion hält, sondern für ein politisches Männerprojekt zur Unterdrückung von Demokratie und Frauen. Und es ließen sich auf der anderen Seite doch gewiss überzeugendere Verteidiger islamischer Glaubensregeln finden als den Vorsitzenden einer dubiosen Migrantenpartei namens BIG mit 3000 Mitgliedern.

Was sollte dabei herauskommen? Zumal wie so oft in solchen Diskussionen vollkommen ungeklärt, was genau denn mit „dem Islam“ gemeint war. Die Sendung sollte die zuvor gezeigte Verfilmung des Buches „Unterwerfung“ von Houellebecq flankieren und zu einem Themenabend erheben, blieb aber doch ein hilfloses Rätseln über das Thema.

Julia Klöckner, stellvertretende CDU-Vorsitzende und mittlerweile Bundeslandwirtschaftsministerin, ließ immerhin wissen, dass sie keine Angst vor einer Islamisierung Deutschlands habe, wie dies Michel Houellebecq in seinem Roman am Beispiel Frankreichs reichlich sarkastisch darstellt. Darin stimmten ihr auch die Publizistin Bettina Gaus und der Journalist Jan Fleischhauer zu, beide mit viel Vertrauen in das Grundgesetz und die daraus folgenden Rechte und Werte.

So blieb es bei den schon häufig angestellten Betrachtungen, ob der Klöckner verweigerte Handschlag eines Imam nun Ausdruck einer verfassungswidrigen, weil gegen die Gleichberechtigung gerichteten Grundhaltung sei oder Teil einer überzogenen Symboldebatte (Gaus). Ähnlich verhielt es sich mit der Frage, ob Schweinefleisch in Kitas angeboten werden soll oder aus Rücksicht auf Muslime (und Juden) besser nicht. „Wir sind ein freies Land, jeder isst, was er will“, stellte Klöckner dazu fest. Ja, wenn das so ist, warum dann die Aufregung?

Fleischhauer fiel mit der klugen Bemerkung auf, dass das Unbehagen vieler gegenüber „dem Islam“ darin begründet sein könnte, dass die Muslime ihre Religion noch ernst nähmen, viele deutsche Christen die ihre hingegen nicht und den Glauben eher als „Greenpeace plus Kreuz“ betrachteten. Die vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder verordnete Kreuz-Pflicht in jeder bayerischen Behörde fand dann aber auch die CDU-Kollegin Klöckner nicht wirklich gut, („kann Bayern machen, ich würde es nicht tun“), auch wenn sie eine klare Antwort gern vermieden hätte.

Einig war sich die Runde bis auf den BIG-Vorsitzenden Haluk Yildiz immerhin in der Beobachtung, dass es oft eine Art vorauseilende Vorsicht gebe, indem Rücksichten genommen würden, die von den Muslimen gar nicht erwartet würden. „Ich habe noch nie einen Muslim getroffen, der sich beschwert hat, wenn ihm jemand fröhliche Weihnachten gewünscht hat“, stellte Fleischhauer fest.       

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