Lade Inhalte...

Maischberger, ARD „Eine große Koalition ist so beliebt wie Fußpilz“

Sandra Maischberger will in ihrer Sendung wissen, ob man die Parteien überhaupt noch voneinander unterscheiden könne.

Jan Fleischhauer
Jan Fleischhauer sorgte für Diskussionsstoff. Foto: WDR/Max Kohr

Gerade einmal 56 Prozent der Wahlberechtigten wissen dieser Tage, welcher Partei sie ihre Stimme geben werden. Noch nie waren in Deutschland so wenige Tage vor der Bundestagswahl so viele Menschen unentschlossen. Hat der Wähler den Durchblick verloren, welche Partei noch für welche Inhalte steht? „Der verwirrte Wähler: Welche Partei steht noch wofür?“, fragte sich die Talkrunde bei Maischberger und kam in den 75 Minuten nicht so richtig in eine Diskussion.

Dass der Wahlkampf keine Fahrt aufnimmt, erklärt sich TV-Moderator Johannes B. Kerner mit einem Mangel an Ideen. Er würde gern wissen, wie sich die Politik das Land in zehn Jahren vorstelle. „Ich vermisse den Wettstreit um die beste Idee.“ Die ARD-Moderatorin Anja Reschke argumentierte, es gebe einen Teil der Bevölkerung, der sich von der Demokratie abgekehrt habe. So weit bekannt, so eher ermüdend am Mittwochabend.

Jan Fleischhauer sorgt für Diskussionsstoff

Für ein bisschen Diskussionsstoff sorgte „Spiegel“-Kolumnist Jan Fleischhauer: Die CDU habe unlängst rüber gemacht, sei unter Merkel sozialdemokratisiert. Unter demokratischen Gesichtspunkten sei es „nicht schlecht“, dass künftig eine Partei im Bundestag vertreten sei, die sich gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung stelle, die AfD. Eine Koalition mit CDU und AfD will der Ex-Linke, einst machte er selbst von links zu konservativ rüber, dann aber auch nicht.

Dabei hat die CDU schon mit Parteien rechts von ihr regiert: Hamburgs früherer Bürgermeister Ole von Beust koalierte von 2001 bis 2004 mit der rechten Schill-Partei. In der Talkshow sagt der CDU-Politiker, die AfD habe Rassisten und Nazis in der Partei, was bei der Schill-Partei nicht der Fall war.  „Rechts ist zulässig“, die AfD sei aber eine andere Nummer.

SPD-Politiker Ralf Stegner bemühte sich in der Sendung, die These zu kontern, es gebe keine Unterschiede zwischen SPD und CDU. Bei Fragen der Renten-, Rüstungs- und Sozialpolitik vertreten die Parteien verschiedene Positionen: „Es ist nicht alles gleich.“ Auch er gibt zu: Es braucht weniger Technokraten und mehr Leidenschaft in der Politik. Einig war sich die Runde, man müsse die potentiellen AfD-Wähler unbedingt ernst nehmen, um sie nicht an die Rechtsradikalen der AfD zu verlieren. 

Spannender wurde die Sendung an dem Punkt, als es um die Frage der Koalitionsoptionen ging. Die Grünen halten sich die Optionen von Jamaika bis Rot-rot-grün offen. Wie Fleischhauer berichtet, liebäugelt die FDP derzeit eher mit der Opposition. In der neuen Fraktion werden kaum Abgeordnete mit Parlaments-, geschweige denn Regierungserfahrung sitzen. Eine große Koalition sei bei der SPD „so beliebt wie Fußpilz“, sagt Stegner.

Es bleibt Schwarz-grün, doch da könnte es Ärger mit den Parteibasen geben. Als die SPD 2013 über ihren Koalitionsvertrag abstimmen ließ, prognostizierten die Sozialdemokraten: „Das wird Schule machen.“ Man stelle sich vor, die Parteimitglieder von Union und Grünen müssten über eine mögliche Koalition abstimmen. Und so verbleibt der Eindruck am Ende der Sendung: So richtig spannend wird es erst nach dem 24. September. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum