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Louise Bonì: „Jäger in der Nacht“ Wenn die Schatten auftauchen

Auch im zweiten Fall der kettenrauchenden Kommissarin Louise Bonì wird konsequent auf Thriller-Atmosphäre gesetzt.

Die Kommissarin mit den Kajal-Augen und der Zigarette: Melika Foroutan als Louise Bonì. Foto: WDR/Christoph Assmann

Dunkle, miteinander ringende Schemen, gefilmt vom Grund des Wassers aus, wirbelnde Algenfragmente, dann eine Fahne von Blut – bestimmt kommt gleich auch noch der Weiße Hai vorbei. Der wiederholte Mord im Wasser wirft gruselige Bilder ab, kein Zweifel, aber es bleibt die Frage: Warum bloß macht sich der Mörder die Mühe, seine Opfer in den See zu zerren? Der überraschenderweise (laut Dialog) ein Fluss ist. Aber ein schicker Look aus eng gefassten, damit ominös raunenden Bild-Ausschnitten ist hier alles – oder doch fast. 

Zum zweiten Mal ermittelt die von dem Autor Oliver Bottini erdachte Kommissarin Louise Bonì im Fernsehen: „Jäger in der Nacht“ heißt diese Folge. Wieder wird konsequent auf eine gleichsam dickflüssige Thriller-Atmosphäre gesetzt: Auf viel Dunkelheit, seltsame Begegnungen in düsteren Scheunen und feuchten Kellern, auf Dialoge wie Zusammenfassungen, wie Kampfansagen. Bonìs Kollege Rainer Lederle (Frank Seppeler) möchte „keine Zeit zum Nachdenken“. „Weil dann die Schatten auftauchen“, stellt sie fest. „Die Fragen“, sagt er. „Wer gewinnt, der Krebs oder du“, schließt sie das Gespräch auch schon ab. Man kann dem Buch von Hannah Hollinger wirklich nicht vorwerfen, dass es zu viele Worte macht.

Melika Foroutan gibt Louise Bonì einerseits als kettenrauchende Melancholikerin mit kajalumkränzten Augen, andererseits als nicht lange fackelnde Pragmatikerin. Sie lässt sich nichts gefallen, sie schlägt zurück und das schnell. Sie macht, was sie will, notfalls gegen die Vorschriften (das tun andererseits fast alle ihre „Tatort“-Kollegen auch). Ihrem Freund macht sie die knappe Ansage: „Ich bin kein Beziehungstyp, schon klar, oder“. Auch mit der Taxifahrer-Liebschaft hält sich dieser Krimi also nicht ungebührlich auf. 

Ein Vater meldet seine Tochter, eine Studentin, als vermisst, außerdem eine Mutter ihren Sohn. „Die zweite Vermisstenmeldung an einem Tag, Zufall?“ lautet die rhetorische Frage der Kommissarin. Die Tochter ist erwachsen und „kann tun und lassen, was sie will“; aber schon recherchiert Louise Bonì trotzdem. Die Mutter des verschwundenen Jungen, stellen die Beamten beim Hausbesuch fest, wird von ihrem Mann misshandelt. Sie möchte von der Polizei bitte in Sicherheit gebracht werden.

Im Folgenden spielt die Frage der häuslichen Gewalt freilich keinerlei Rolle mehr. Regisseurin Brigitte Maria Bertele, Drehbuchautorin Hollinger fühlen sich nicht verpflichtet, alles sauber abzuwickeln. Das müssen sie auch nicht, allerdings kommt die Psychologie, vor allem die des Täters, zuletzt ziemlich kurz. 

Schwer für einen Fernsehkrimi, sich in der Fülle der Fernsehkrimis optisch oder auch personell noch abzuheben. Anian Zollner, hier der geschäftsmäßig kühle Dezernatschef Rolf Bermann, kennt man von Sonntagabenden. Ebenso Rainer Bock, hier der von Bonìs Alleingängen angemessen verwirrte Vater der verschwundenen jungen Frau. Ein durch die Umstände bereits gehärteter, spitzgesichtiger 15-Jähriger ist Nino Böhlau als Eddie. Und sein Vater, Juergen Maurer, hat den die Familie vernichtenden, bilanzierenden großartigen Satz: „So ist das Leben, wenn man Holzner ist.“ 

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