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„Lifjord“; ARD One Menschen ohne Sonne

Die bislang erfolgreichste norwegische Serie „Lifjord“ enwickelt sich zu einem düsteren Familiendrama an einem fast hermetisch abgeschlossenen Schauplatz.

09.08.2017 11:13
Daland Segler
Lifjord - Der Freispruch, Folge 2
Noch wissen die Eigentümer von Solartech nicht, wer sie retten wird. Foto: WDR/Carl Christian Raabe

Gespannt wartet das Trio auf die Landung des Hubschraubers. Er soll die Vertreter einer chinesischen Firma in das norwegische Städtchen Lifjord bringen, wo die Firma „Solar Tech“ auf neue Investoren hofft. Bürgermeister, Geschäftsführerin Eva Hansteen und ihr Sohn Lars lächeln den Besuchern entgegen. Doch als Eva den letzten aus der Maschine steigenden Ankömmling erkennt, fällt ihr das Strahlen aus dem Gesicht: Es ist Aksel Borgen, der Mann, den sie für den Mörder ihrer Tochter hält.

Er war nach der Tat vor 20 Jahren freigesprochen worden, hatte seine Heimat  verlassen, sich in Asien eine Karriere aufgebaut und kehrt nun als Investor zurück. Damit ist der Grundkonflikt der norwegischen Serie „Lifjord – Der Freispruch“ in Szene gesetzt.  Es geht um Schuld und Vergebung, um das Bild, das sich einer vom anderen macht und darum, was dieses Bild mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Vorwürfe und Misstrauen

Und die sieht düster aus für das Nest am Ende des Lifjords. Denn Eva Hansteens Firma, größte Arbeitgeberin hier, steht am Rande der Insolvenz. Die Mehrheit der Firmeneigner will deshalb verkaufen, Eva aber will mit dem vermeintlichen Mörder ihrer Tochter keine Geschäfte machen. Der Streit entzweit die Familien: Evas Mann William, ein zwielichtiger  Charakter, hatte Aksel Borgen ohne ihr Wissen nach Lifjord geholt; ihre Schwiegertochter entscheidet mit ihrem Anteil den Verkauf – gegen den Willen ihres Mannes Lars.

Gegenseitige Vorwürfe und Misstrauen wachsen seit der Ankunft des Fremden, der ja eher ein fremd Gewordener ist – ein genretypisches Muster, das Regie (Geir Henning Hopland) und Autoren (Anna Bache-WiigSiv Rajendram Eliassen) aber nicht mit Klischees füllen. Die Spannung erwächst aus den Reaktionen der Beteiligten. So muss Aksel erleben, dass ihn seine Mutter zunächst ablehnt und von seinem Bruder einiges über die Schikanen erfahren, denen sie ausgesetzt waren. Die grausame Tat an Evas Tochter Karine  – das Mädchen wurde mit einem Stein erschlagen –  hat nur Beschädigte zurückgelassen.

Solide, konzentriert und spannend

Bei alledem wird nicht klar, was Aksels wahres Motiv für die Rückkehr ist: Er hat in Kuala Lumpur Frau und Kind und Erfolg im Beruf. Zurück in der Heimat ist er nur ein Fremdkörper, stets korrekt gekleidet in seinem teuren Anzug mit Krawatte. Er passt sowenig hierher wie das Unternehmen „Solar Tech“ in eine Landschaft, in der offenbar nie die Sonne scheint.

Das Städtchen, aus der Vogelperspektive an eine Sammlung von Fallerhäuschen einer Spielzeugeisenbahn erinnernd, liegt eingezwängt zwischen steilen Bergrücken, an denen sich schmale Straßen bis ins Fjell hinaufwinden. Es scheint schwierig, diesem Flecken am Ende des Fjords zu entkommen. Das ist meisterhaft gefilmt, und die Konzentration auf diesen beinahe hermetischen Ort trägt nicht wenig dazu bei, dass die Atmosphäre eine Hauptrolle spielt.

In Norwegen war „Lifjord“ die erfolgreichste TV-Serie bislang, und nach drei gesehenen Folgen (die Produktion ist auf 18 Folgen in zwei Staffeln angelegt)  ist verständlich warum. Hier wird nicht auf den Ruf des typisch skandinavischen Krimis spekuliert, sondern solide, konzentriert und spannend erzählt.

 

 

 

 
 
 
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