Lade Inhalte...

„Liebe, Geld und Macht - Maximilian I.“ Wie man Frankreich einkreist

Arte zeichnet um 20.15 Uhr in der Dokumentation „Liebe, Geld und Macht - Maximilian I.“ das Leben des als „letzten Ritter“ gerühmten Kaisers Maximilian nach.

Liebe, Geld und Macht - Maximilian I.
Maximilian I. (Johannes Silberschneider) und seine Tochter Margarete von Österreich (Marie-Christine Friedrich) standen sich sehr nah. Foto: MR-Film/Christian Gappmaier/ZDF

Blechbläser und halliger Gesang in gotischen Innenräumen deuten große Vergangenheit an. Wie immer, wenn es im Mittelalter und feudale Verhältnisse geht, sind die Vorgänge  komplex und verwirrend. Das game of thrones ist eine wechselvolle und recht gewaltförmige Kette von Ereignissen und Konflikten, und wenn Sieger und Besiegte ihre Positionen definiert haben, ist die Sache längst nicht zu Ende, sondern wird an die folgenden Generationen weitergereicht.

Maximilian I. zum Beispiel, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches habsburgischer Provenienz, heiratet früh und hat das Glück, sich in seine – wesentlich ältere – Frau zu verlieben; zumindest nach Auskunft von Historikerinnen und Historikern mit anheimelnder österreichischer Dialektfärbung. Und er hat das Glück, als armer Habsburger eine reiche Burgunderprinzessin zu ehelichen und so den Habsburgern in Europa gehörigen Respekt verschaffen zu können. Respekt verschaffte man sich auf dem Schlachtfeld, die Mittel dafür aber durch geschickte Heirat. Zumindest besteht darin das sprichwörtliche Geschick der Habsburger.

Maximilian gilt in der österreichischen Geschichtsschreibung als der letzte Ritter. Das hängt erstens damit zusammen, dass er zu einer Zeit auf dem Schlachtfeld der europäischen Geschichte erschienen ist, zu dem das Rittertum – das es in Wahrheit wohl nie wirklich gegeben hat – sich seinem Ende zuneigt; zweitens aber hängt es zusammen mit seinen Idealen und Wertvorstellungen, die offenbar ritterliche gewesen sein sollen. Was immer das heißt. Schlachtfelder spielen dabei offenbar eine bedeutende Rolle, dazu eine merkwürdig demütig daherkommende Gottesfürchtigkeit.

Der Film über Maximilian zeichnet einige Jahrzehnte des ständig gärenden, ständig sich verändernden Konflikts zwischen Frankreich und dem habsburgischen Österreich nach, in dem das Herzogtum Burgund sowie die flandrischen Städte starke Machtpositionen markieren. Erbfolgen sind immer ein Grund zum Streiten, und Streit ist unter Rittersleuten immer ein Grund, aufs Pferd zu steigen und mit andern in die Schlacht zu galoppieren. Lanzen werden gesenkt, Schwerter gezogen, finster blicken schnurrbärtige Männergesichter im Dunst.

Nebenbei erfährt man von Kinderehen unter Herrscherfamilien und anderen schrecklichen Bräuchen, und der Herrscher Maximilian jammert und greint pathetisch und selbstmitleidvoll, weil der Beruf des Herrschers echt beschwerlich ist. Seine mehrfach zwangsverheiratete geliebte Tochter hört geduldig zu und gibt behutsame Widerworte.

Kinderehen und andere schreckliche Bräuche

Am Ende wird Maximilian dann doch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und schickt sich von Innsbruck aus an, sein Reich zu reformieren, die Verwaltung effektiver zu gestalten. Um das ständige Schlachtfeldgedöns endlich zur Ruhe zu bringen, gründet er das Reichskammergericht. Zugleich beginnt er eine Art Einkreisungsbewegung, in der er Frankreich mit durch geschickte Eheschließungen mit seinen Dutzenden außerehelichen Töchtern einkreist. Das ist einerseits der Beginn der Moderne in Europa, andererseits der Ursprung des Jahrhunderte währenden europäischen Dauerkonflikts zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich.

 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen