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„Late Night Berlin“ Klaas Heufer-Umlauf verirrt sich im „Laberinth“

Knapp ein Jahr nach dem Ende von „Circus HalliGalli“ bekommt Klaas Heufer-Umlauf nun seine eigene Late Night-Sendung "Late Night Berlin".

Late Night Berlin: Klaas Heufer-Umlauf
Klaas Heufer-Umlauf am Schreibtisch der Kulisse seiner neuen ProSieben-Late Night Show "Late Night Berlin". Foto: Annette Riedl (dpa)

Es gab viel Reklame für die Sendung vorher, Berichte, Interviews und Studiobesuch. Und irgendjemand stellte die Frage, ob ein neuer Versuch mit einer Late Night Show nicht eher für Journalisten und Medienfuzzies interessant sei. Nach der Premiere ist man geneigt zu seufzen: Nicht mal das.  Klaas Heufer-Umlauf, die etwas weniger alberne Hälfte des „Circus HalliGalli“-Duos Joko und Klaas, litt bei der ersten Ausgabe seiner „Late Night Berlin“ sichtlich unter Nervosität.

Das Konzept dieses Typs Sendung scheint so unverrückbar wie sonst nur noch die „Tagesschau“. Die Stand-up- Gangs zu Beginn, Musik als Überleitung zum Schreibtisch-Aufenthalt des Moderators (stets in Schlips & Kragen), ein Sidekick, ein Gast, ein Thema und: Musik. Diese Form zu füllen, daran sind im bundesdeutschen Fernsehen in der Vergangenheit so einige gescheitert, derzeit traut man es am ehesten noch Jan Böhmermann zu. Der postet ja quasi täglich auf Facebook, weiß aber wohl genau, warum er sein „Neo Magazine Royale“ nur einmal wöchentlich macht.

Der Sender hat dem Novizen eine Studiokulisse spendiert, die in ihrer Mischung aus frühen Entwürfen von Frank Gehry und Vorarlberger Holzbauweise geradezu monumental wirkte. Nur gut, dass die Kamera die Totale vermied und uns so die Befürchtung ersparte, Klein Klaas könnte von einer der über ihm einem Damoklesschwert gleich hängenden Latten erschlagen werden.

Es begann mit Selbstreferenz, Heufer-Umlauf mertesackerte kurz mal mit über seinen „Druck“; die Zahl der erwähnenswerten Scherze blieb danach im einstelligen Bereich, schwarz nur der Gag über das Verschwinden des Kegelns: „Wenn heute alte Männer alle Neune erwischen wollen, meinen sie meist die Flüchtlingsfamilie nebenan.“ Ansonsten versuchte man sich an Doppelbödigkeit, vor allem geeignet, sich unangreifbar zu machen.

Beispiel: Nach einem lauen Witz ertönte der Tusch, und Heufer-Umlauf erklärte, das sei nun jedes Mal so, wenn er einen guten Gag gebracht habe. Nach diesem Prinzip – das auch Jan  Böhmermann gerne strapaziert – funktionierte der Großteil der Sendung: Scherze müssen so doof sein, dass man Kritikern eine lange Nase drehen könnte: Ätsch (neudeutsch: Bätschi), war doch Absicht. Das galt vor allem für das Herzstück der Premiere, die Persiflage auf die Regierungsbildung. Im „Laberinth der Macht“ verirrte sich das Team im Laberinth der Langeweile. Etwas arg spät zudem der Versuch eines Mannes mit Haaren im Gesicht, einen anderen Mann mit Haaren im Gesicht zu parodieren.

Beim Gast ging Klaas natürlich auf Nummer sicher: Anne Will, Kollegin und unverdächtig, den Gastgeber in Verlegenheit bringen zu wollen. Beeindruckend an diesem war Gespräch vor allem der unglaublich üppige Ledersessel, in dem die Moderatorin schier versank. Und Heufer-Umlaufs Erleichterung war fast sichtbar, als Anne Will gestand, sie heule schon mal beim „Bergdoktor“; oder bei einem Bericht über verendende Pottwale. Was wir immer schon mal wissen wollten, aber nie zu fragen wagten...

So blieb von dieser ersten Sendung, über die man selbstredend nur cum grano salis richten sollte, vor allem ein Auftritt im Werbeblock. Denn da stahl Jan Böhmermann dem Late-Night-Neuling mal kurz die Show. Er legte zwei ZDF-Finger aufs ZDF-Auge und erklärte, er würde ja nie und nimmer eine Sendung im Reklame-Umfeld machen wie Klaas – um sogleich von hinter ihm aufploppenden Reklameschildern für eine Autovermietung eingerahmt zu werden. Bätschi.

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