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„Ku’damm 59“, ZDF Das hat noch keinem Kind geschadet

Das ZDF setzt seine Zeitreise in die reaktionären 50er Jahre mit „Ku’damm 59“ fort.

Ku'damm 59
Sonja Gerhardt. Foto: ZDF/Stefan Erhard

Viele schöne bunte Autos: Die 50er Jahre, Zeit des Aufbruchs im Wirtschaftswunderland, feierten die Farbe, sei es im Film, der Werbung, der Mode oder den Limousinen wie dem Opel Kapitän oder dem Ford 17 M. Schließlich galt es, die braune Vergangenheit zu übertünchen. Die wirkte allerdings fort, zumal in den Köpfen der vor dem Krieg Geborenen. Auch davon erzählt der Dreiteiler „Ku’damm 59“, den das ZDF jetzt als Fortsetzung von „Ku’damm 56“ ausstrahlt. 

Im Dreimäderlhaus der Tanzschul-Besitzerin Caterina Schöllack (Claudia Michelsen) geben sich dabei die Katastrophen die Klinke in die Hand. Zwar sind die Töchter Helga (Maria Ehrich) und Eva (Emilia Schüle) unter der Haube, aber die Untiefen einer Ehe vermögen die jungen Frauen nicht zu umschiffen. Entpuppt sich der eine Gatte als schwul, so erweist sich der andere als Sadist. Doch die Mutter besteht auf Aufrechterhaltung der Fassade. Nur bei der unverheirateten Monika (Sonja Gerhardt) will das nicht gelingen. 

Die Sängerin darf ihre uneheliche Tochter wegen unsteten Lebenswandels nicht behalten und kämpft fortan darum, sie wiederzubekommen. Doch macht sie wenigstens Karriere; mit ihrem Tanzpartner Freddy kommt sie zum Film. Der Regisseur Kurt Moser (herrlich schmierig: Ulrich Noethen) will die zwei als Konkurrenz zum Teenager-Traumpaar Connie und Peter aufbauen. Das gibt Autorin Annette Hess und Regisseur Sven Bohse Gelegenheit zu viel Tanzeinlagen und Musik. 

Damit nähert sich der Film mitunter den Vorbildern à la „Wenn die Connie mit dem Peter“ an, wenngleich es doch um Zeitgeschichte gehen soll. Deshalb werden politische und gesellschaftliche Haltungen wie Bauklötzchen in die Handlung einsortiert: „Das hat noch keinem Kind geschadet“ sagt der Ehemann, als die Gattin, den Kochlöffel noch neben sich, gesteht, sie habe die Stieftochter geprügelt. Tabuthemen werden gestreift wie der Umgang mit überlebenden Juden oder die Ächtung der Homosexualität. 

Doch im Zentrum stehen die Bestrebungen der Frauen nach mehr Selbstständigkeit, können doch ihre Männer ihnen die Aufnahme von Arbeit oder den Erwerb des Führerscheins verbieten. So wird Monika in ihrer Reibung am reaktionären Habitus ihrer Mutter zu einer Vorreiterin der Emanzipation, doch leidend unter unerfüllter Liebe und dem Verlust der Tochter, frei nach einem abgewandelten Motto jener Zeit: Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr... 

Man kann „Ku’damm 59“ als Revue sehen, die mit politischen Einsprengseln davon erzählt, wie sich der große Aufbruch der Jugend in den 60er Jahren andeutet. Das ist üppig bebildert mit dem Bemühen, dem Fernsehformat zu entwachsen (Kamera: Michael Schreitel), und die Ausstattung ist präzise bis in die Schinkenröllchen auf dem Frühstückstisch (Szenenbild: Alexander Nocker). 
Getrübt wird der Eindruck durch die Musik von Maurus Ronner, die oft penetrant wirkt, aber zu einer Dramaturgie passt, die bisweilen wie mit dem Holzhammer arbeitet: Sind die Protagonisten mal ausgelassen, kann man fast sicher sein, dass ihre Stimmung gleich kippt. So geht es auf und ab – das Fräulein-Wunder auf der Achterbahn. Doch am Ende hat sie ihr Borgward-Cabrio wieder...

 

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