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„Ku’damm 56“, ZDF Die schlechte alte Zeit

Der prominent besetzte ZDF-Dreiteiler „Ku’damm 56“ über drei junge Frauen in der Nachkriegszeit.

Monika Schöllack (Sonja Gerhardt) kommt nach Hause. Foto: ZDF/Stefan Erhard

Mit dem Muff vergangener Jahre – nicht nur dem unter Talaren – lässt sich ein heutiges Publikum trefflich erschrecken. Wie kurz die Dinge erst her sind, die geschmeidige Entnazifizierung zum Beispiel, der Hausfrauendienst ganz im Sinn des Gatten, die Elektroschock-Behandlung für „hysterische“ Frauen, damit beschäftigt sich ein aufwendiger, prominent besetzter ZDF-Dreiteiler. „Ku’damm 56“ trägt das Jahr, in dem diese Geschichte spielt, im Titel. Die „Negermusik“ – nicht der Jazz, der Rock’n’Roll ist hier gemeint –, beginnt sich durchzusetzen, die Mädchen tragen Petticoats und wollen nicht mehr unbedingt schnell unter die Haube.

Caterina Schöllack aber, noch ganz Mutter alter Schule, wünscht sich nichts anderes als eine gute Partie für ihre drei Töchter. Claudia Michelsen spielt hier die kruppstahlharte Alleinerziehende – der Vater ist nicht wiedergekommen aus dem Krieg –, sie blinzelt nicht, selbst nachdem die Jüngste, Monika (Sonja Gerhardt), vergewaltigt worden ist. Sie wird’s schon herausgefordert haben. Und wenn sie sich schmutzig fühlt, soll sie sich waschen. Schließlich ist ihre Mutter „immer anständig geblieben“. Man könnte gleich wetten, dass nicht, und würde gewinnen: In der Tat hat Caterina Schöllack einst ihren Mann betrogen und, weit schlimmer, die Tanzschule „Galant“ keineswegs rechtmäßig erworben. Sie gehörte einer jüdischen Familie.

Figuren in Schwarz und Weiß

Zu Figuren in Schwarz und Weiß neigt das Buch von Annette Hess. Es mag auch daran liegen, dass eine Menge Handlung unterzubringen ist, dazu nicht gerade wenig Dramatik. Es wird aufs Tempo gedrückt, das erlaubt keine Vertiefung. Gefühlte zehn Sekunden braucht es etwa zu Beginn, um einen Selbstmordversuch Monikas und ihre Rettung abzuhandeln – „see you later, Alligator“, sagt der äußerst lässige Retter noch, dann ist er erstmal weg.

Die älteste der Töchter, Helga (Maria Ehrich), heiratet einen heimlichen Homosexuellen und leidet in der lieblosen Ehe. Die zweite, Eva (Emilia Schüle), versucht einen älteren Mediziner (Heino Ferch) einzufangen – und verliebt sich in einen nicht standesgemäßen Torwart. Monikas Vergewaltiger ist ein trübsinniges, egozentrisches Fabrikantensöhnchen (Sabin Tambrea), aber allemal die ersehnte gute Partie, wie ihre Mutter findet. Der Rock’n’Roll bleibt eine kleine Flucht für die junge Frau. Aber die Regie von Sven Bohse hetzt doch ziemlich durch die Tanzszenen, Spaß ist knapp bemessen.

Am Ende bleibt der Eindruck, dass 1956 für junge Frauen eine herzlich schlechte alte Zeit war.

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