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„Krüger aus Almanya“, ARD Opa wird bekehrt

Als Saulus reist er in die Türkei, wo er sich plötzlich zum Paulus wandelt: Horst Krause ist „Krüger aus Almanya“.

Der kleine syrische Flüchtlingsjunge Omar (Caspar Fischer-Ortmann) zeigt Paul Krüger (Horst Krause) den Weg zurück ins Hotel. Foto: ARD Degeto/Anil Cizmecioglu

Horst Krause, der bald zum letzten Mal im „Polizeiruf 110“ der Polizist Horst Krause sein wird, ist gefragt als Darsteller von Männern mit harter Schale und butterweichem Kern, als familiärer Fels in der Brandung – das mit dem Felsen liegt ja auch optisch nahe.

Diesmal heißt Horst Krause Paul Krüger und wandelt sich so flugs vom Saulus (Ausländerfeind) zum Paulus (Förderer einer deutsch-türkischen Heirat), dass man nur staunen kann. Allerdings hat ja „Krüger aus Almanya“ auch nur die 90 Minuten einer „Polizeiruf“-Ermittlung für seine etwas unwahrscheinliche Bekehrung.

Gerade hat sich der ehemalige Profiringer noch mit jungen Männern mit Migrationshintergrund geprügelt, weil sie in der Park-Ecke grillen und chillen, wo Krüger und seine Kumpels normalerweise Boule spielen. Da muss er schon in die Türkei fliegen – in die Türkei! –, weil seine Enkelin Annie (Anna Unterberger) sich verliebt hat in einen Einheimischen namens Deniz (Karim Günez). Annies politisch engagierte Mutter gibt sich öffentlich zwar tolerant, wäre aber gar nicht böse, würde der Opa seiner Enkelin die Verbindung ausreden.

„Krüger aus Almanya“ ist ein gut fremdenfreundlich gemeintes, harmloses und vorhersehbares Filmchen; das aber immerhin nicht in jede allzu süße Baklava-Pfütze tappt.

Elke Rössler, Buch, und Marc-Andreas Bochert, Buch und Regie, lassen die Geschichte abschnurren wie ein gerade geöltes Rädchen. Annie bockt. Opa macht einen Busausflug. Opa muss mal dringend und schon ist der Bus ohne ihn weitergefahren. Eine gastfreundliche türkische Familie rettet ihn (Pokerface Krause wirkt freilich nicht, als müsste man ihn retten), verköstigt ihn und lässt ihn auf dem Dach unterm prächtigen Sternenhimmel schlafen. Und schon findet Opa Krüger, dass seine Enkelin ruhig den jungen türkischen Mann heiraten soll, den sie nun einmal liebt. Doch da stellt sich Deniz’ Großonkel quer: Eine Deutsche kommt ihm nicht in die alteingesessene Familie.

Man muss nicht drei Mal raten, wie es ausgeht: Die zwei Patriarchen verstehen sich schließlich auch ohne Worte. Paul Krüger hat sogar noch Zeit, sich um einen syrischen Flüchtlingsjungen namens Omar zu kümmern und ihn in einem Kinderheim in Antalya unterzubringen. Von wo der Junge bald dem guten Onkel Paul in Almanya schreibt: „ich lerne vieles Deutsch. Bald komme nach Berlin. Insallah, Omar.“ Dass ein kleiner Junge im Waisenheim Fremdsprachen-Unterricht hat, ist dann auch noch ziemlich erstaunlich.

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