Lade Inhalte...

„Kommissarin Heller: Vorsehung“, ZDF Sich selbst Strafe genug

Im bislang vielleicht besten Film der ZDF-Krimireihe muss die Titelheldin erstmals ohne ihren dennoch allgegenwärtigen Partner auskommen.

Kommissarin Heller
Kommissarin Winnie Heller (Lisa Wagner) sucht den Mann, der ihre Psychiaterin fast getötet hätte. Foto: ZDF/Hannes Hubach

Anderswo sind Reihendarsteller auch schon mal sang- und klanglos ausgetauscht worden, selbst wenn sie die Hauptrolle gespielt haben. Matthias Klaschka, der die Romane der „Heller und Verhoeven“-Reihe von Silvia Roth adaptiert und die meisten Drehbücher für die seit 2014 ausgestrahlten ZDF-Krimis geschrieben hat, macht aus der Not eine Tugend. Selten ist der Abschied einer Figur derart konsequent in die Handlung integriert worden; prompt ist „Vorsehung“, der achte „Kommissarin Heller“-Film, auch einer der besten geworden.

Dabei ist es im Grunde eine ganz einfache Idee, mit deren Hilfe Klaschka den Kollegen der Wiesbadener Kriminalkommissarin (Lisa Wagner) trotz seiner Versetzung nach Karlsruhe mitwirken lässt: Weil Heller ihre Wohnung wegen eines Wasserschadens vorübergehend verlassen muss, nistet sie sich kurzerhand im leer stehenden Haus von Verhoeven (Hans-Jochen Wagner) ein, der wie aus dem Nichts auftaucht, als habe er was vergessen. Als er genauso wieder verschwindet, ist klar, dass er bloß eine Imagination war, ein Tagtraum.

Diese Erscheinungen ziehen sich durch die gesamte Geschichte, denn Heller, deren Unnahbarkeit natürlich Gründe hat, ist diesmal in gleich mehrfacher Hinsicht angeschlagen. Der Film beginnt mit einem auch optisch fesselnden Auftakt, als die Kommissarin bei einer Geiselnahme in einer Spielothek keine andere Wahl hat, als den unberechenbaren jungen Geiselnehmer zu erschießen. Wie immer tut sie so, als perle der Vorfall ebenso von ihr ab wie die Trennung von Verhoeven, was dazu führt, dass sie sich beim Therapiegespräch mit ihrer Psychiaterin Jacobi (Lena Stolze) auch körpersprachlich wie ein bockiger Teenager aufführt. Kurz drauf meldet sich die Ärztin telefonisch, aber Heller ignoriert den Anruf. Als sie ihn abhört, ist es zu spät: Jacobi ist bei einem Angriff in ihrer Praxis lebensgefährlich verletzt worden.

Ungewöhnliche Tiefe

Die Suche nach dem Täter entspricht zwar den Rahmenbedingungen herkömmlicher Krimihandlungen, bereichert den Film aber um eine weitere Ebene, denn auf diese Weise lernt Heller eine alleinerziehende Mutter (Karin Hanczewski) kennen. Deren geschiedener Mann (Murathan Muslu) gehört zu Jacobis Patienten, neigt zu Gewaltausbrüchen und ist daher dringend tatverdächtig; außerdem fühlt sich Heller verpflichtet, seine Ex-Frau vor den Nachstellungen zu beschützen.

Weil sie außerdem die Gesprächsmitschnitte der Ärztin sichtet, um Hinweise auf weitere mögliche Verdächtige zu bekommen, kann Klaschka seiner Geschichte eine für eine Reihenepisode ausgesprochen ungewöhnliche Tiefe geben, als sich die Kommissarin auch das Video einer eigenen Sitzung anschaut. Auf diese Weise erhält sie einen quasi objektiven und dadurch äußerst erhellenden Blick auf sich selbst; eine weitere im Grunde simple, aber ungemein effektive Idee, um der Geschichte zu großer psychologischer Plausibilität und Dichte zu verhelfen.

Und natürlich spielt auch der Prolog mit dem Rettungsschuss am Ende noch eine entscheidende Rolle: Erst gesteht ihr die Mutter des jungen Mannes, den die Kommissarin erschossen hat, sie habe überlegt, die Kommissarin umzubringen, aber dann erkannt, dass sich Heller selbst Strafe genug sei; und schließlich gerät sie in eine ähnliche Situation wie zu Beginn und wird plötzlich von einer Schießhemmung befallen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum