Lade Inhalte...

Karl Marx Der absurde Adorf-Marx

Das Arte-Doppel zu Marx ist nur für hartgesottene Mario-Adorf-Fans.

„Karl Marx - Der deutsche Prophet“
Marx (Adorf, rechts) mit Tochter Eleanor (Sarah Hostettler). Foto: ZDF/Martin Christ

„Karl Marx – Der deutsche Prophet“ und „Karl Marx und seine Erben“ sind zwei Filme, die am 28. April auf Arte ausgestrahlt werden. Wer gerne Mario Adorf zuschaut, wie er sich als Karl Marx am Billardtisch mit Sozialdemokraten herumstreitet, wer ihn gerne den Zeigefinger in die Landschaft strecken sieht und ihm freudig zuhört, wenn er dazu sagt „der Kapitalismus wird an seinen eigenen Widersprüchen zusammenbrechen“, der kommt auf seine Kosten. Wer sich an Menschen freut, die in Kostümen papierne Sätze über die Lippen schleppen, der wird neunzig Minuten lang seine helle Freude haben an diesem Biopic. 

Der 87-jährige Mario Adorf spielt den 64 Jahre alten Karl Marx. Das ist schon lächerlich genug. Vollends absurd wird es, wenn der Adorf-Marx sich mit seinem Freund Blochberger-Engels unterhält. Engels war zwei, nicht dreißig Jahre jünger als Marx. Derartige Absurditäten gehören zum Genre. Wer es mag, wird auch das schlucken. Das Biopic behauptet, unserer Fantasie die Arbeit zu erleichtern.

Das Gegenteil ist der Fall. Man muss sich ständig wehren gegen die Zumutungen einer lächerlich ahnungslosen Dramaturgie. Da helfen die besten Darsteller nichts. Im Gegenteil, ist man versucht zu sagen. Denn man leidet auch noch mit ihnen. Freilich, ohne ihr Honorar zu bekommen. Für Sendungen wie diese sollten die Zuschauer vom Sender Schmerzensgeld bekommen.

Überteuert produzierte Volksverblödung

„Karl Marx und seine Erben“ erzählt die Marx-Biographie noch einmal, kostümfrei; und fügt hinzu die Sowjetunion, China, Kuba, die DDR usw. usw. Es gibt darin allerdings etwas wirklich Interessantes: das Gespräch zwischen dem Trierer Kulturreferenten und dem chinesischen Bildhauer Wu Weishan, der die fünf Meter große Marx-Statue für Trier gemacht hat. Marx sei für ihn „der große Wanderer“.

Das hätte Abbado wunderbar im Ohr geklingelt, der an der Berliner Philharmonie einmal einen Wanderer-Zyklus vorstellte. Wu Weishan hat bei der Marx-Statue wohl eher das berühmte Gemälde vor Augen, das den jungen Mao Zedong unterwegs in Hunan zeigt. Der Trierer Kommunalpolitiker fragt den chinesischen Künstler, ob seine Skulptur mit einer Graffiti abstoßenden Oberfläche versehen sei. „Es ist unsere Sache, uns darum zu kümmern“, sagt er. 

Das ist schon der Höhepunkt beider Filme. Zusammen immerhin 140 Minuten. Ich geben Ihnen den Rat, werfen Sie Ihre Zeit nicht diesen Filmen zum Fraß vor. Gehen Sie essen, treffen Sie sich mit Freunden, setzen Sie sich auf eine Bank und schauen der Menschheit zu, wie sie lebt – eine von jungen Leuten sehr unterschätzte Betätigung – oder gehen Sie, wenn Sie zufällig in Berlin sein sollten, von Alt-Stralau 25 zur Humboldt-Universität. Diesen Weg ging Karl Marx im Sommer 1837 jeden Tag.

Oder aber gehen Sie ins Internet und lesen dort kostenlos zum Beispiel das „Manifest der Kommunistischen Partei“ von 1848, und wenn Sie noch ein wenig Zeit haben, nehmen Sie noch „Zur Kritik des sozialdemokratischen Parteiprogramms“ aus dem Jahre 1875 hinzu. Sie werden nicht nur besser über Karl Marx Bescheid wissen, Sie werden sich auch besser fühlen als nach 140 Minuten irrsinnig überteuert produzierter Volksverblödung. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Karl Marx 200

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen