Lade Inhalte...

Jauch und die Finanzwelt Jauch wollte Klarheit - und endete im Darkroom

Wer reguliert die Finanzmärkte? Dieser Frage wollte Günther Jauch in seinem Sonntagstalk nachgehen. Leider blieb vieles im Dunklen – genauso wie viele undurchsichtigen Geschäfte in der Finanzwelt.

31.10.2011 07:22
Ralf Mielke
TV-Moderator Günther Jauch. Foto: dpa/Archiv

Vor einer Woche bescherte das Doppelpack Schmidt und Steinbrück dem ARD-Talkneuzugang Günther Jauch eine Spitzenquote. Angefacht auch durch die Meldung, Helmut Schmidt empfehle der SPD, Peer Steinbrück  zum Kanzlerkandidaten für die Wahl 2013 zu machen, schalteten fast sechs Millionen Menschen seine Sendung ein. Gestern Abend nun musste sich Jauch mit einem ganz normalen politischen Thema und ganz normalen Gästen beweisen.

„Banken an die Leine. Wie bekommen wir die Finanzmärkte in den Griff?“, lautete sein Thema. Immerhin eins,  das derzeit wohl wie kein zweites die Menschen bewegt.

Eigentlich eine gute Gelegenheit also für Jauch, seinen Quotenhöhenflug fortzusetzen und zugleich der Nation einen aufklärerischen Dienst zu erweisen: Ja, liebe Zuschauer, genau so lassen sich die Finanzmärkte in den Griff kriegen!

Ob Jauch die guten Quoten halten konnte, wird die Veröffentlichung der Messzahlen der GfK zeigen. Eine  am Ende schlüssige Antwort auf die Frage, wie die Finanzmärkte zu zähmen wären, ist er mit seiner Gesprächsrunde allerdings schuldig geblieben.

Vielleicht lag die Latte aber auch einfach zu hoch. „Die Finanzkrise ist ein mehrdimensionales Problem“, sagte im Verlauf der Sendung der Finanzexperte Wieslaw Jurczenko, der sich in einem Einspielfilm als Sympathisant der Occupy-Bewegung zeigte und den die Medien zuletzt immer gern als Kronzeugen nehmen für den Irrsinn der Finanzmärkte, weil er früher selbst einmal Investmentbanker war.

Leider war sein Flipchart, auf dem er die dunklen Geschäfte mit Kreditausfallversicherung anschaulich machen wollte nur zweidimensional – und so blieb es auch hier bei der elend abgenutzten Wett-Metapher, mit der das Handeln an den Finanzmärkten erklärt werden soll. Klarer wurde dadurch nichts.

Vielleicht waren auch die Gäste einem interessefreien Erkenntniszuwachs nicht gerade förderlich: Drei von vieren kamen aus der Politik. Und so wetterte die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht über den Finanzterror sowie über die Lügenzahlen der Banken und gab sich volksnah, indem sie hohe Boni und Dividendenzahlungen der Banken anprangerte, während sie ihre Verluste vom Steuerzahler ausgleichen lassen möchten. Applaus im Studio, es war der erste nach geschlagenen 35 Minuten.

Lesen Sie weiter, wie Jürgen Trittin und Rainer Brüderle sich behaupteten.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin beklagte die Spekulationsblase und forderte einmal mehr die Trennung von Investment- und Geschäftsbanken. Und Rainer Brüderle von der FDP durfte als Vertreter der schwarz-gelben Koalition die Erfolge der Regierung auf dem Finanzgipfel in der vergangenen Woche loben. Als Mann vom Fach war der Hilmar Kopper geladen, der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, der immer wieder versuchte, die politische Diskussion mit seinen – inzwischen ja auch schon etwas zurückliegenden - Erfahrungen aus der Praxis zu erden.

Dazwischen flogen Zahlen durch den Raum, das einem schwindlig werden konnte.  40 Prozent: Spaniens Verschuldung im Jahr 2007 im Vergleich zu seinem Bruttosozialprodukt gegenüber 60 Prozent heute und 110 Prozent in Irland; 99 Prozent: Anteil der Kundenaufträge an Bankgeschäften; 1,7 Prozent: Eigenkapitalquote der französischen Dexia-Bank gegenüber 12 Prozent der Schweizer Banken und 11 Prozent der Lehmann-Bank, als sie Pleite ging; 50 Milliarden: mögliche Steuereinnahmen durch eine Finanztransaktionssteuer; 4 Prozent: Anteil des Kreditgeschäfts am Bankengeschäft. Um nur ein paar zu nennen.

Und es fielen Sätze wie „Wenn ein Kunde ein CDS kaufen will, dann verkaufen wir ihm eins“ (Kopper), „Zertifikate sind Obligationen von Banken“ (nochmal Kopper) und – über das Geschäft mit Swaps, das offenbar dem Treiben in Darkrooms verwandt ist: „Da wird das Licht ausgemacht, und jeder hat die Hände in den Taschen der anderen“ (Jurczenko). Um nur ein paar zu zitieren.

Was läuft denn nun schief?

Günther Jauch bemühte sich mit geringem Erfolg, Struktur in die Debatte zu bringen, die von Aspekt zu Aspekt hüpfte. Da wurden Aussagen des einen durch Zahlen eines anderen angeblich widerlegt, die ein dritter anzweifelte oder durch weitere Zahlen wiederum widerlegte. Bunt gemischt wurde über die Schuldenkrise einzelner Staaten und die Bankenkrise und die Weltfinanzkrise und allerlei politische Krisen gesprochen.

Verstanden hat man da immer noch nicht, was genau schief gegangen ist und wie es zu reparieren wäre.

Zum Schluss präsentierte Jauch eine Umfrage über die Vertrauenswürdigkeit verschiedener Berufe. Auf dem vorletzten Platz landete der Banker, auf dem letzten - der Fernsehmoderator. Naja, ganz so schlimm war es dann doch nicht, Herr Jauch!

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen