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„Inspector Mathias“ ARD Dämmerung in Aberystwyth

Die ARD hat eine walisisch-englische Krimiserie eingekauft: „Inspector Mathias“.

Ein starkes Team: Chief Inspector Tom Mathias (Richard Harrington, vorne) mit seinen Ermittlern Constable Lloyd Ellis (Alex Harries, 2. v. re.), der temperamentvollen Siân Owens (Hannah Daniel, re.) und der scharfsinnigen Inspektorin Mard Rhys (Mali Harries, li.). Foto: ARD Degeto/Fiction Factory

Es lässt sich nicht feststellen, ob das walisische Fremdenverkehrsamt irgendeine Meinung hat zur TV-Reihe „Y Gwyll“ (Dämmerung), der ersten BBC-Serie überhaupt, die durchgängig sowohl auf Walisisch als auch Englisch gedreht wurde. Es mag auch sein, dass Engländer die Auswölbung im Westen, die sich keltisch Cymru nennt, ohnehin für ein schafverseuchtes, kaltes, verregnetes, deprimierendes Drecksloch halten, für ödes „Hinterland“ (so der englische Titel). Aber wenn nun „Inspector Mathias – Mord in Wales“ am Sonntag um 21.45 Uhr in der ARD startet, wird es hierzulande manch Enttäuschten geben: kein pittoreskes Dörfchen, saftgrünes Tal, stolzes Schloss, kein beschaulicher Cream Tea weit und breit.

Die Menschen haben die Anoraks fest geschlossen und eiern durch Schlamm, Hänge sind grau-braun-oliv, Bäche trüb und gelb von Schafsmist, Häuser haben ihre gute Zeit hinter sich, wenn nicht sowieso nur noch schwarze Mauerreste im Regen stehen. Wenn es diesem „Hinterland“ – Tom Mathias’ Büro steht im 12 000-Einwohner-Städtchen Aberystwyth – einst gut ging, so ist das schon eine ganze Weile her.

Die konsequente Ent-Pilcherisierung einer britischen Landschaft, dazu die Konzentration auf ländliche Schauplätze und ihre auch optisch eher robusten Bewohner gibt „Inspector Mathias“ einen eigenen Charakter; die Figur des Ermittlers und die Fälle selbst sind allerdings keine ähnlich starke Setzung. 

Folge 1, „Die Brücke des Teufels“, beginnt mit ominösem Keuchen: Es ist zwar nur DCI Tom Mathias, der joggt – aber ja, er versucht, seinen Dämonen davonzurennen. Es gibt irgendwo (London?) eine Frau, es gibt oder gab zwei Kinder, Mädchen. Richard Harrington ist als DCI Mathias der Typ dunkler Brüter; zwar hat er eine faltige Dackelstirn, aber beileibe keinen Dackelblick. Er haust in einer Art immobilem Wohnwagen. Und verbrüdert sich nicht mit seinen Untergebenen: Das sind DI Mared Rhys (Mali Harries), stoisch und effektiv; DC Lloyd Ellis (Alex Harries), beflissen, aber effektiv; und DS Sian Owen (Hannah Daniel), die noch übt, stoisch und effektiv zu sein. Vorgesetzte werden mit Sir und Ma’am angesprochen, versteht sich.

Der erste Fall kreist um ein längst geschlossenes Kinderheim, das an besagter Brücke des Teufels stand. In Großbritannien – und nicht nur dort – gab es in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Skandale um Misshandlungen von Heimkindern. Der zweite Fall, „Blut und Boden“, reicht zurück bis in den Zweiten Weltkrieg: Drei deutsche Soldaten sind einst aus einem Internierungslager geflohen (von 15 Lagern für deutsche und italienische Gefangene allein in Wales ist die Rede) und spurlos verschwunden. Was allen irgendwie schnuppe wäre, gäbe es nicht noch eine alte Frau, die sich damals verliebte. Und Inspector Mathias mit dem Kampfhundblick.

Man muss im Übrigen schwer auf Zack sein, wenn man für die walisische Polizei arbeiten will. Persönliche Meinungen – Lektion eins für DS Owen – behält man für sich. Lob gibt es für Fakten, Fakten, Fakten. Das würde besser gefallen, wären die Dialoge (jedenfalls in ihrer synchronisierten Form) nicht aus der 08/15-Krimi-Kiste: „Sie wissen etwas und Sie werden es mir sagen“, „Wir alle haben eine Wahl“, „Niemand hier im Dorf würde so etwas tun“. So weit kann dieses Hinterland gar nicht von der Zivilisation entfernt sein, als dass seine Bewohner nicht schamesrot werden müssten angesichts eines so abgedroschenen Satzes.

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