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„Ingmar Bergman – Herr der Dämonen“, 3sat Vom Umgang mit Dämonen

Schwarzer Vogel Jugend: Ein Dokumentarfilm auf 3sat zu Ingmar Bergmans 100. Geburtstag.

Ingmar Bergman
Ingmar Bergmann kommt in der Dokumentation über sein Leben auch selbst zu Wort. Foto: epd

Das Glück schreibe „weiß“, hat einst der Dichter Botho Strauß formuliert und damit ein altes Künstler-Klischee festgeschrieben: Wahre Kunst entstehe aus Leid. Im Falle des schwedischen Regie-Genies Ingmar Bergman findet man dafür genügend Belege, sind die Erfahrungen und Qualen aus der Kinderzeit doch in vielen seiner Filme wiederzufinden, ob in „Fanny und Alexander“, „Persona“ oder in der vielleicht düstersten Arbeit: „Die Stunde des Wolfs“.

Regisseurin Henrike Sandner gewährt in ihrem Dokumentarfilm über Leben und Werk des Regisseurs deshalb vor allem dem in den sechziger Jahren entstandenen filmischen Schaffen viel Raum, so der „Glaubenstrilogie“ („Wie in einem Spiegel“, „Licht im Winter“ und „Das Schweigen“) und der Fårö-Trilogie: „Die Stunde des Wolfs“, „Schande“ und „Passion“. In diesen in einem fast expressionistischen Schwarz-Weiß gedrehten Filmen setzt sich Bergman mit seinem durch ein strenges protestantisches Elternhaus (der Vater war Pastor) geprägten Kindheits-Traumata auseinander. Erschütternd, wenn er davon erzählt, wie seine Mutter ihn beim Versuch der Zärtlichkeiten zurückwies und deswegen sogar einen Arzt konsultierte.

Autorin Sandner fasst die einzelnen Schaffensphasen denn auch unter Stichworte, die wie biographische Etikettierungen wirken: Den „Dämonen“ etwa, von denen sich Bergman zeitlebens verfolgt fühlte und die dem Jungen wie schwarze Vögel vorkamen. Die „Lüge“ war sein Versuch, den strafenden Eltern zu entkommen, und „Kontrolle“ äußerte sich im Perfektionismus, den er später bei seinen Inszenierungen pflegte. Auch hebt Sandner die Bedeutung August Strindbergs und seines Werks, vor allem „Ein Traumspiel“, für die Entwicklung Bergmans zum Filmerzähler hervor. Die Kapitel-Einteilung der Lebensabschnitte erscheint sinnvoll und geeignet, ein wenig Struktur in die Darstellung des wahrlich umfassenden Werks dieses Künstlers zu bringen. Die kluge Beschränkung auf wenige, aber Bergman nahestehende Zeitzeugen wie seinen Biografen Mikael Timm, Produzentin Katinka Farago („er war anfangs nicht sehr nett und ziemlich labil“) und vor allem natürlich Liv Ullmann sorgt dafür, dass nicht zu viel Privat-Geschwätziges den Blick auf das Schaffen des Regisseurs verstellt.

Selbstredend kommt auch Bergman selbst zu Wort, vor allem mit Textpassagen aus seiner Autobiographie „Laterna Magica“, und auch in Filmszenen. Er vermittelt dort das Bild eines seine Sätze abwägenden Gesprächspartners. Der nicht zufällig sein Leben abseits der Inszenierungen in Theater und Film auf einer Insel zubrachte, die nichts bot außer Sand, Meer und Steine: „Alles war grau, das war Ingmars Farbe“, erinnert sich die Journalistin Marie Nyreröd. Dabei hatte er auf der Insel, seiner Insel („Ich bin Prospero“, sagte er später dazu), seine filmische Verarbeitung seiner Auseinandersetzung mit dem Glauben, der Zeit und den mannigfaltigen Formen von Liebe in scharfkantige, Licht und Schatten betonende Bilder (sein Kameramann war dabei Sven Nykvist) gefasst.

Am Ende, nach mehr als 40 Filmen und schier unzähligen Theaterinszenierungen zog er sich in sein Haus zurück – nachdem er seinen letzten Drehtag penibel notiert hatte. Und wusste nun auch, wie man der Dämonen Herr wird, wie Schauspielerin Rita Russek berichtet: „Man muss sie einladen an die Bettkante, freundlich mit ihnen reden, und dann gehen sie wieder.“

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