Lade Inhalte...

„Ihr seid natürlich eingeladen“, ZDF Die Klügste macht sich aus dem Staub

Familiäre Turbulenzen sind das Erfolgsrezept der Romanreihe um die Geschicke und vor allem Ungeschicke der Familie Bundschuh. Auch der dritte Band wurde für das ZDF verfilmt.

Ihr seid natürlich eingeladen
Gundula (Andrea Sawatzki, r.) und Gerald (Axel Milberg, l.) feiern die Hochzeit ihres Sohnes Rolfi. Alles geht schief. Foto: Britta Krehl

Mit heiteren Geschichten um die Familie Bundschuh ist die Schauspielerin Andrea Sawatzki auch auf dem Buchmarkt erfolgreich. Drei Romane sind es bislang, alle wurden vom ZDF adaptiert, mit Andrea Sawatzki in der weiblichen Hauptrolle. Für die jeweiligen Drehbuchautoren eine dankbare Aufgabe, denn Sawatzki schreibt ausgesprochen szenisch. Der dritte Roman der Reihe, „Ihr seid natürlich eingeladen“, beginnt mit einer fast nur aus Dialogen bestehenden, drehbuchartigen Passage. Eine filmische Umsetzung benötigt einen anderen Auftakt, aber der Tonfall des Romans ist auf Anhieb wiederzuerkennen.

Eine kurze Szene nimmt ein späteres Geschehen vorweg, dann aber geht es erst einmal auf den Friedhof. Edgar Schultze ist verstorben, die Sippe trauert, aber dann erscheint überraschend Sohn Rolfi (Oskar Bökelmann), der eigentlich in den USA studieren sollte, und kündigt gleich die nächste Familienfeier an: seine Hochzeit. Die soll in Deutschland stattfinden, und zwar binnen weniger Tage. Braut, Brautvater und dessen Gespielin sind bereits im Anflug.

Aus dieser Exposition entwickelt sich das erwartbare und weitgehend überraschungsfreie Chaos. Die Bundschuhs sind natürlich weltoffen und tolerant, müssen aber doch erst einmal schlucken, als Rolfis Verlobte Candy (Ludie Diekumpovisa) aus der weißen Limousine steigt. Sie ist Afroamerikanerin und im siebten Monat schwanger.

Weil das Geld knapp ist, muss die Hochzeit im eigenen Heim und Garten stattfinden. Die ohnehin noch versammelte Verwandtschaft leistet mehr oder minder wertvollen Beistand. Komische Situationen gibt es reichlich, Drehbuchautor Alexander Dydyna und Regisseur Thomas Nennstiel bedienen die Erwartungen. Eine gute Komödie aber gelingt ihnen nicht. Der Film folgt den Mustern der konventionellen Sitcom. Beinahe jede Szene wird mit einer Pointe aufgelöst, dann folgt ein Schnitt, schnell weiter im Text. Nicht von ungefähr belässt man es bei seriellen Sitcoms bei einer Sendelänge von fünfundzwanzig Minuten. Denn das Muster erschöpft sich recht schnell. Wie auch dieser Neunzig-Minüter beweist.

Die meisten Gags sieht man kommen. Wenn Gundula und Gerald mit ihrer sträflich überladenen Ente vom Einkaufszentrum losfahren, ist klar, dass im nächsten Moment die ersten Pakete vom Dach rutschen werden. Vorweg hatte Gerald das neuwertige Familienauto in kürzester Zeit gegen den Oldtimer getauscht, um Geld für die Hochzeit einzunehmen. Viel kann es nicht gewesen sein, denn so billig sind die alten Citroëns auch nicht mehr zu haben. Eine Petitesse, aber symptomatisch für die Machart: Es wurde beim Schreiben immer nur bis zum nächsten Gag gedacht. Das gilt dann leider auch für die anklingenden ernsteren Themen wie Trauerbewältigung, latenten und offenen Rassismus, Sexualprobleme.

Die Klamotte feiert fröhliche Urständ. Das zeigt sich an der schwachen Auflösung der Geschichte und nicht zuletzt in den Figuren. Ein Verfasser von Sexualratgebern ist auf diesem Gebiet selbst ein Versager. Geralds Mutter (Judy Winter) greift schon morgens zum Alkohol und animiert andere, es ihr gleichzutun. Gundula Bundschuhs jüngster Sohn (Mathis Wernecke) übt für einen Rülpswettbewerb, der Jammerlappen Hans-Dieter Schultze (Stephan Grossmann) hat Verdauungsprobleme und der – schlecht nachgeahmte – schwäbische Dialekt seiner Gattin Rose (Eva Löbau) dient dazu, sie als engstirnig und kleingeistig zu charakterisieren.

Wie überhaupt in diesem Film mehr Frauen als Männer als Witzfiguren herhalten müssen. Sie sind belächelnswert plump, zänkisch, trunksüchtig, manchmal unfassbar dumm. Wer anders als die aufgeweckte Filmtochter Ricarda (Amber Marie Bongard), die sich lieber aus dem Staub macht, nicht genug bekommen kann von solchen „Fremdschämsituationen“, wird sich an dieser so schnellen wie flachen Nummernrevue ergötzen können.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen