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"Hitmakers" auf Arte Am Ende bleibt Ratlosigkeit

Wie sich das Internet auf den Musikmarkt auswirkt, soll Thema der Dokumentation „Hitmakers – Ein Business im Wandel“ sein. Zu schlüssigen Ergebnissen kommen die Autorinnen leider nicht.

Die Sängerin Lorde landete mit "Royals" einen Überraschungserfolg. Foto: REUTERS

Das Schönste an der Pophistorie sind ihre Anekdoten. Der Musikproduzent Seymour Stein entdeckte die Talking Heads buchstäblich im Vorübergehen. Er hörte sie spielen, als er am New Yorker Club „CBGB's“ vorbeispazierte. So erzählt er es, und weil die Geschichte angehenden Musikern Hoffnung macht, möge sie so stehen bleiben.

In der Dokumentation „Hitmakers“ der Autorinnen Carol Stein und Susan Wittenberg stand Seymour Stein für jenen Produzententypus, der von Musik gar nicht genug bekommen kann, der ständig nach neuen Talenten Ausschau hält und dabei auf authentisches Schaffen Wert legt. In diesem Zusammenhang fielen auch die Namen Chris Blackwell, Förderer von Künstlern wie Spencer Davis Group über Bob Marley bis Melissa Etheridge, und Ahmet Ertegün, Gründer der einflussreichen Plattenfirma Atlantic.

Diese charismatischen Figuren stehen für ein noch nicht ausgestorbenes, aber in Zeiten des Internets womöglich überholtes Branchenmodell. Die idealisierte Version heutiger Musikvermarktung sieht so aus, dass der Künstler seine Single oder sein Album selbst produziert, über die entsprechenden Web-Seiten bewirbt und direkt vermarktet. Das kann funktionieren, wie bei der Neuseeländerin Lorde. Stein und Wittenberg erzählten die Geschichte von Lordes Welthit „Royals“ als zufallsbedingten Überraschungserfolg und unterschlugen dabei, dass die Künstlerin schon als junger Teenager von einer großen Plattenfirma unter Vertrag genommen und aufgebaut worden war.

Der DJ und die Bluesrock-Combo

Die Schattenseiten der großartigen neuen Zeit selbstbestimmten Musikschaffens blieben im Film nicht unerwähnt: So unterschiedliche, aber auf ihren Gebieten jeweils sehr namhafte Künstler wie der EDM-Produzent und DJ Steve Aoki oder die Bluesrock-Combo Tedeschi Trucks Band – im Hitparadengeschäft eher Außenseiter – können von Plattenverkäufen und von Downloads schon erst recht nicht leben; ihren Lebensunterhalt verdienen sie durch ständiges Touren.

Diese Phänomene standen in der 45-minütigen Dokumentation, einem Beitrag des ZDF zum Arte-Programm, recht unsortiert nebeneinander und hinterließen beim Betrachter den – womöglich gar nicht gewollten – Eindruck einer Früher-war-alles-besser-Haltung. Natürlich ein Trugschluss.

Der oben erwähnte Seymour Stein gilt auch als Entdecker der Ramones. Auch die mussten, lange vor Verbreitung des Internets, eifrig Konzerte geben, um sich von der Musik nähren zu können. Ihre Platten brachten zu wenig ein. Und lang ist die Liste derjenigen Musiker und Bands, deren Karrieren nicht, wie die der im Film auftretenden Melissa Etheridge, geduldig aufgebaut wurden, sondern die nach zwei oder drei erfolglosen Platten ihre Vertragskündigung erhielten. Die jungen AC/DC fassten die Mühsal einst in die unsterblichen Zeilen: „It‘s a long way to the top (if you wanna rock ‘n‘ roll) …“

Sinnvoller als Vergangenheit und Gegenwart in einen Kontrast zu zwingen wäre gewesen, die systemimmanenten Mechanismen des Musikgeschäfts darzulegen, Vergleichbarkeit herzustellen und daraus etwaige Veränderungen abzuleiten. So weit aber drangen die Autorinnen nicht vor. Eine aus eigenen Rechercheergebnissen gewonnene Haltung war ihrem Film nicht zu entnehmen. Die Darstellung hangelte sich entlang an Stellungnahmen unterschiedlicher Akteure, Künstler, Produzenten, Manager, Musikjournalisten. Deren Auswahl wirkte völlig beliebig; nicht jede Aussage passte zum formulierten Thema. Das Publikum wurde mit einer gewissen Ratlosigkeit zurückgelassen. Und mit dem vagen Gefühl, dass die Autorinnen mit anderen Gesprächspartnern auch zu anderen Ergebnissen gelangt wären. Kein sonderlich überzeugendes Resultat.

 

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