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„Herrgott für Anfänger“, ARD Diener zweier Herren

Die turbulente und sehr witzige Wiener Multikultikomödie erzählt von einer vorbildlich friedlichen Koexistenz von Christentum und Islam.

„Herrgott für Anfänger“
Musa meint es ernst mit dem Christ-Werden und sucht das Gespräch mit Priester Benedigt. Foto: ARD

Es gibt wahrlich schlechtere Gründe, sich einer Religion anzuschließen, als die Liebe; aber in Ordnung ist es natürlich nicht, den Moslem zu mimen, um das Herz der Geliebten zu erobern. Doch dann gerät der eigentlich unreligiöse Musa (Deniz Cooper), Anfang dreißig, Wiener Taxifahrer mit türkischen Wurzeln und Held dieser überaus witzigen und ziemlich turbulenten Multikultikomödie, in ein echtes Dilemma: Ausgerechnet die alte Weininger (Erni Mangold), die ihn bei den gemeinsamen Taxifahrten dauernd angegrantelt hat, macht ihn zum Erben ihres Heurigen nebst Weinberg.

Allerdings hat sie den Nachlass mit Bedingungen verknüpft: Ihre langjährige Angestellte Miri (Katharina Strasser) bekommt ein Pachtrecht auf Lebenszeit, und Musa soll für sie kellnern. Damit könnte er leben, doch die zweite Hürde ist ungleich höher: Er muss sich innerhalb eines Jahres taufen lassen; dabei ist er gerade erst Moslem geworden, weil das die einzige Möglichkeit war, um bei Aisha (Zeynep Bozbay), der schönen Tochter seines strenggläubigen Chefs (Ercan Durmaz), überhaupt eine Chance zu haben.

Willkommene Überdosis an Wiener Schmäh

Fortan ist Musa gewissermaßen Diener zweier Herren: Einerseits besucht er das Katechumenat, um sich von Priester Benedikt (Thomas Mraz) auf die Taufe vorbereiten zu lassen, andererseits betet er weiterhin brav zu Allah; selten haben Christentum und Islam eine derart vorbildliche filmische Koexistenz geführt. Selbst doppelter Glaube schützt jedoch nicht vor bösen Mitmenschen: Weil das Erbe an die Kirche fällt, wenn Musa die Testamentsbedingungen nicht erfüllt, versucht ein Bischof (Cornelius Obonya) mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Moslem erfolgreich konvertieren kann. 

Schon der Handlungskern ist ausgesprochen originell. Noch besser sind die vielen mal absurden, mal verspielten Szenen, die zwar nicht immer einen konkreten Bezug zur Geschichten haben, aber großen Spaß machen. Am besten sind jedoch die Dialoge, die eine willkommene Überdosis an Wiener Schmäh enthalten; und der erzielt prompt die doppelte Wirkung, wenn er aus dem Mund von Menschen mit offenkundigem Migrationshintergrund stammt.

Die Wortgefechte sowie die zum Teil ziemlich bösen Scherze am Rande erinnern an die Filme, die der deutsche Österreich-Immigrant Uli Brée für den Regisseur Wolfgang Murnberger geschrieben hat („Die Spätzünder“), aber beide haben mit „Herrgott für Anfänger“ nichts zu tun: Das Drehbuch stammt von Berith Schistek und Karl Benedikter, Regie führte Sascha Bigler, der als Autor und Regisseur (zuletzt „Kommissar Pascha“) längst aus dem Schatten seiner Mutter Christiane Hörbiger getreten ist. „Herrgott für Anfänger“ würde dank seiner Originalität ohnehin funktionieren, aber Bigler sorgt immer wieder dafür, dass diese Koproduktion zwischen ORF und Bayerischem Rundfunk auch optisch aus dem Rahmen fällt (Kamera: Carsten Thiele). 

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