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„Herr und Frau Bulle“, ZDF Klamauk im Kiez

Der erste Film einer neuen ZDF-Krimireihe „Herr und Frau Bulle“ verschenkt sein Thema.

Herr und Frau Bulle
Johann von Bülow, Alice Dwyer, dazwischen Birge Schade. Foto: ZDF/Christiane Pausch

Der Begriff „Bulle“ als Bezeichnung für einen Polizisten ist populär geworden in der Zeit der Studentenunruhen. Damals hatte die Berliner Polizei – jedenfalls in den Augen der Demonstranten – gerne vierschrötige Beamte eingesetzt, um die Protestierenden niederzuknüppeln. Seither galt „Bulle“ als Beleidigung, bis ein Gericht das änderte. Wenn nun das ZDF seine neue Krimireihe „Herr und Frau Bulle“ betitelt, darf das als Indiz gewertet werden, dass die Geschichte nicht bierernst zu nehmen ist. Das wäre auch besser so. 

Was sich Autor Axel Hildebrand und Regisseur Till Franzen da haben einfallen lassen, schwankt zwischen Krimi und Klamotte. Die Konstellation taffe Kommissarin und oberschlauer Analytiker soll für eine dramaturgisch Funken schlagende Reibung sorgen, und das Thema ist sogar aktuell, die Gentrifizierung: Der Kiez um die Potsdamer Straße in Berlin soll platt gemacht werden zugunsten von Luxusappartements, so dass der obere Mittelstand von Millionären wie Friedrich Merz eine angemessene Bleibe bekommt. 

So realistisch der Anlass sein mag, so überdreht ist die Handlung, deren Wirklichkeitsgehalt in etwa so hoch ist wie der Promille-Pegel bei einem Abstinenzler. Deshalb verlassen sich Autor und Regie auf Schauwerte und penetrante musikalische Untermalung der allzu vorhersehbaren Wendungen.

Es beginnt mit einer Leiche, weiblich, nackt und in einem Klavier so drapiert, dass die Kamera den blanken Busen immer wieder ins Bild rücken muss. Kiez-Kneipe, Straßenstrich, Dealer und Rocker sorgen für das verruchte Ambiente, Heinz Hönig, Florian Lukas und der ehemalige Tatort-Kommissar Bernd Michael Lade als Kneipenwirt dürfen kräftig als „Typen“ chargieren – als wär’s ein Film aus den Siebzigern. Dazwischen wird immer wieder Berlin von oben gezeigt: alles so schön bunt da im Dämmerlicht. 

Das Ehepaar Wills, Alice Dwyer und Johann von Bülow, muss auf Anordnung ihres Chefs zusammenarbeiten und dann wieder die Finger vom Fall lassen – Dienstvorschriften und Gesetze sind was für Spießer (und unverbesserliche Kritiker). Und so ergänzen die Erkenntnisse der Praktikerin die Eingebungen des Theoretikers bei der Fahndung nach dem Täter. Aber das Drehbuch macht die Kommissarin schon mal dümmer, als die Polizei erlaubt: Als Yvonne Wills von zwei Brutalos verprügelt zu werden droht, fährt ein blonder Vollbart dazwischen. Sie aber fragt nicht einmal, warum es die beiden Schränke (Araber natürlich...) beim bloßen Anblick des dürren Stenz mit der Angst bekommen und fliehen. 

Weil sie von den inzwischen drei Mordfällen abgezogen werden, ermitteln die Eheleute im trauten Heim, einer (allzu edlen) Villa, unterstützt von einer steifkragigen Sekretärin (Birge Schade) und dem schnoddrigen Kollegen (Tim Kalkhof macht das gut). Der Gatte sagt dann solche Sätze wie: „Ich muss bei meinem Profil noch einige Details bezüglich der sexuellen Präferenz streichen, besser gesagt modifizieren“, die Gattin darf dazu mit den Augen rollen. 

Ärgerlich fast, dass das Thema „Gentrifizierungswahn“ (so Produzentin Michaela Nix) so abgehandelt wird, wie sich Klein Fritzchen die Welt der Immobilien-Spekulanten vorstellen mag. Und beim Showdown gewinnt dann vollends der Klamauk die Oberhand. Letztlich wussten die Macher tatsächlich nicht so recht, was sie nun eigentlich wollten. 

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