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Helena Fürst – Anwältin der Armen Die Retterin der Jugend

Früher jagte Helena Fürst für RTL Hartz-IV-Empfänger, jetzt macht sie einen auf Retterin der Jugend. Kann Fernsehen dermaßen schlecht sein? Es kann.

16.07.2013 07:28
Michael Tetzlaff
Im Auftrag von RTL: Helena Fürst. Foto: imago stock&people

Von allen deutschen Sendern ist ja RTL derjenige, der sich am wenigsten schämt, sämtliche Vorurteile über die miese Qualität des Privatfensehens zu bestätigen. Da wird einem mitunter allein beim Ansehen der Vorschautrailer schon schlecht. Und die dauern nur ein paar Sekunden. Eine ganze Sendung zu schauen, bereitet jedoch Schmerzen, jedenfalls in diesem Fall: „Helena Fürst – Anwältin der Armen“. Angefangen hat sie bei RTL als Jägerin. Ihre Beute waren Hartz-IV-Empfänger, die Geld unterschlagen und dank Helena Fürst dann gar keins mehr hatten.

Wahrscheinlich aus schlechtem Gewissen heraus wechselte sie irgendwann die Seiten und „hilft“ nun den Armen – beziehungsweise vor allem sich selbst. In ihrem ersten neuen Fall „Wenn Ausbildung arm macht!“ rettet Helena Fürst die komplette Berliner Jugend. So ähnlich verkauft es zumindest RTL. Das Bafög-Amt der Hauptstadt wird vorübergehend geschlossen, da die Mitarbeiter nicht mehr damit nachkommen, die ganzen Anträge zu bearbeiten. Anfragen nimmt die Behörde nur noch schriftlich entgegen, persönlich oder telefonisch sind die Mitarbeiter nicht mehr zu erreichen. Viele Jugendliche warten seit Monaten auf ihr Geld. So weit, so schlimm.

Keine Spannung da

„Gegen ein geschlossenes Amt hat Helena Fürst noch nie gekämpft“, sagt eine Stimme im voice-over – in dem selben langweiligen Tonfall, der auch in Umzugs-, Abnehm- oder Fremdgehdokus zu hören ist. Stellenweise sind die Bilder mit einer Hintergrundmusik unterlegt, die direkt aus einem amerikanischem Drama über den Zweiten Weltkrieg geklaut worden sein muss. Es wird versucht, eine schier unglaubliche Spannung aufzubauen. Doch das muss in einer Nanosekunde wieder verpuffen, weil eben überhaupt keine Spannung da ist. Allein der Wechsel zwischen der fiktiven „versteckten“ und der realen Kamera bringt den Kritiker zum Weinen: So schlecht kann Fernsehen doch einfach nicht sein.

Kann es doch. Helena Fürst ist eine impertinente, pampige Frau, die sich gerne vor der Kamera produziert. Mit 21 Jugendlichen „stürmt“ (RTL) sie die Weihnachtsfeier des für die Schließung verantwortlichen Politikers und hofft dort auf offene Ohren und Verständnis. Irgendwann rechtfertigt sie ihr Vorgehen mit dem Satz „Man will ja nicht mit mir sprechen!“ Und das ist mehr als verständlich.

Das Happy End ist unausweichlich. Die Jugendlichen bekommen irgendwann ihr Geld, sind vor Obdachlosigkeit sicher und können ihre Ausbildung weitermachen. Das alles ist natürlich Helena Fürst zu verdanken. Wem sonst?

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