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„Hattinger und der Nebel“ Mit dem Traktor zum Friedhof

„Hattinger und der Nebel“ ist als Krimi überkonstruiert, hat aber interessante Figuren.

Hattinger und der Nebel
Alfons Hattinger (Michael Fitz, r.) und Sarah Beck (Jessica Schwarz, l.) verbringen ein paar Stunden in romantischer Zweisamkeit. Wird das den Kriminalkommissar von seiner Arbeit ablenken? Foto: ZDF/Marco Nagel

An diesem ZDF-Film baumelt zwar das Etikett „Chiemseekrimi“, aber seine Macher haben allemal größere Ambitionen, als einen weiteren pseudo-urigen Regionalkrimi abzuliefern. „Hattinger und die kalte Hand“ brachte den großartigen Edgar Selge als Rachemörder, „Hattinger und der Nebel“ (am heutigen Montag als Wiederholung laufend) bringt eine schillernde, leicht Femme-fatale-hafte Jessica Schwarz und in einer Nebenrolle Lambert Hamel als von Banker und Immobilienhai übel Reingelegten.

Auch ohne Nebel (man wundert sich über den Titel) wirkt das Land ein wenig trostlos und die Bauernhäuser schmutzig und schäbig. Da bräuchte es gar keinen hässlich unter der Hebebühne zerquetschten Immobilienmakler. Interessant, dass die Schwester des Toten – ihr gehört die Werkstatt – abends dann das Blut alleine wegmachen muss. Die Polizei findet offenbar, dass sie das nichts mehr angeht.

Michael Fitz, im München- „Tatort“ lange Jahre der Assi, ist hier zum zweiten Mal Alfons Hattinger: Ziemlich maulfaul, manchmal unwirsch, irgendwie lässig – außer, er macht sich Sorgen um Tochter Lena (Hanna Plaß). Die liebäugelt diesmal mit einem einheimischen Guru. Papa findet – aber was weiß Papa schon? – dessen Buch „Ein Leben ohne Wenn und Aber“ sei gewiss „a Schmarrn“. Lena trägt trotzdem Geld hin, überwiegend das ihres Vaters.

Es geht, ähnlich wie in „Hattinger und die kalte Hand“, um einen ausgeklügelten Racheplan. Als Krimihandlung (Buch: André Georgi nach einem Roman von Thomas Bogenberger) ist das recht durchsichtig und besonders am Ende überkonstruiert. Nie würde ein Täter mit kühlem Kopf so halsbrecherisch kalkulieren. Es gefallen aber in der Regie Viviane Andereggers die Figuren bis in kleinere Nebenrollen. Automechanikerin Uschi (Anna Maria Sturm), die weinend, aber entschlossen das Blut ihres Bruders abwäscht. Ihr Ex Beni (David Zimmerschied), der an einer „Affektstörung“ leidet, seit sein Bruder totgefahren wurde. Und der seitdem auch wieder bei seiner Mama (Monika Baumgartner) wohnt und mit ihr per Traktor zum Friedhof fährt. Hattingers Kollege Bamberger (Gerhard Wittmann), der auf ein Foto seiner Frau schießt, die ihn verlassen hat. Und dann wieder seine Arbeit macht.

Bei der Liebe hat hier eh keiner eine glückliche Hand. „Wenn du setzt, muss es spontan aussehen“, sagt Spielerin Sarah Beck, Jessica Schwarz.

Aber eigentlich verliert hier jeder, egal, wie spontan er wirkt (und Hattinger wirkt ziemlich spontan). Nur Lambert Hamel kann sich am Ende freuen.

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