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„Harter Brocken: Die Kronzeugin“, Das Erste Mit dem Dorfsheriff ist nicht zu spaßen

Wenn das Verbrechen in ein verschlafenes Provinznest einfällt, sind Reibungen garantiert. Im zweiten Film der Reihe „Harter Brocken“ zünden sie sogar.

Harter Brocken: Die Kronzeugin
Victor Monzen (Michael KLammer) bedroht Frank Koops (Aljoscha Stadelmann). Im Hintergrund Mette Vogt (Anna Fischer). Foto: ARD Degeto/Volker Roloff

Von seiner Dienststelle aus hat Dorfpolizist Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) sein Revier im Blick. Das Harzörtchen St. Andreasberg liegt ihm buchstäblich zu Füßen. Gern sitzt er am Rande der steil abfallenden Straße auf einer Bank und schnitzt Specksteinfiguren. Der Fahrdamm läuft in stumpfem Winkel durchs Bild. Ein Radfahrer saust talwärts, umgekehrt kommt Briefträger Heiner Kelzenberg (Moritz Führmann) mühsam die Steigung heraufgestrampelt und bringt sowohl Sendungen für die Dienststelle wie auch für den Privatmann. Die Kollegin Mette Vogt (Anna Fischer) vom Revier Braunlage fährt vor. Sie hat ein gestohlenes Fahrrad gefunden. Postbote Heiner ist auf den ersten Blick schwer angetan von der patenten Polizistin. Als sich zeigt, dass Mette schießen kann wie der Teufel, ist das Herz des amtierenden Schützenkönigs und leidenschaftlichen Westernfans Heiner endgültig geschmolzen.

Die Auftaktszenen des Krimis „Die Kronzeugin“ aus der Reihe „Harter Brocken“ wirken wie ein bukolisches Genrebild. Doch mit allem, was wir in den ersten Minuten erfahren, hat es seine Bewandtnis. Denn bald werden Frank und Heiner abends in der Kneipe aus ihrem geruhsamen Halmaspiel aufgestört. Christiane „Kuschel“ Kuschnereit (Anja Kling) ist wieder da, Franks Jugendfreundin, mit der er einst in einer Punkband musizierte. Seine erste Liebe, wie er sagt. Inzwischen ist Kuschnereit beim niedersächsischen Landeskriminalamt und dort im Zeugenschutz tätig. Eine gewisse Matilda Schönemann soll in wenigen Tagen vor dem Goslarer Gericht gegen den Gangsterboss Kuzman Petrovic (Josef Ostendorf) aussagen. Kuschnereit versteckt die Kronzeugin in ihrem ihr unvertraut gewordenen Herkunftsort. Längst ist klar, dass Petrovic sein Personal in Bewegung gesetzt hat. Und auch, dass korrupte LKAler mit ihm unter einer Decke stecken.

Einen direkten inhaltlichen Faden zum ersten Film mit dem etwas bemühten Titel „Harter Brocken“, 2015 im Ersten ausgestrahlt, gibt es nicht. Wieder stammt das Skript von dem fleißigen Holger Karsten Schmidt, der das bereits bewährte Muster aufgreift und variiert: In Gefahr und größter Not wächst ein korpulenter, dickfelliger, von seinen Gegnern notorisch unterschätzter Provinzbulle über sich hinaus. Ein bisschen Glück und gute Freunde sind dabei nicht von Nachteil.

Gegenüber anderen Regionalkrimis fällt auf, dass sich Autor Schmidt und Regisseur Florian Baxmeyer örtliche Gegebenheiten wie Skilift, Stollen, Staumauern inhaltlich wie inszenatorisch zunutze machen, statt sie allein als Dekor zu begreifen. Die Landschaft wird so ins Bild gesetzt, dass sie nicht bloß einen beliebig auswechselbaren Schauplatz abgibt, sondern die Handlung auch illustriert. Die Fotografie trägt zur Spannung bei, so wie der Schnitt, der mitunter parallele, eigentlich unverbundene Handlungen wie Reaktionen aufeinander wirken lässt.

Ein wenig abgenutzt ist die Idee, einen Showdown als Anleihe beim (Italo-)Westerngenre zu arrangieren. Auch wenn er nicht gerade um zwölf Uhr mittags stattfindet – das gab es nun schon zu oft, als dass es noch Vergnügen bereiten könnte. Man hat es, das muss man Florian Baxmeyer zugestehen, allerdings auch schon in plumperer Ausführung gesehen.

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