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"Hart aber fair", ARD „Geben Sie uns die Chance, erst Fakten zu schaffen“

Bei „Hart aber fair“ diskutiert Frank Plasberg mit seinen Gästen über den Münchner Amoklauf. Die Diskussion zeigt, wie schmal der Gratwanderung zwischen Informationsbedürfnis und Faktenlage ist.

Moderator Frank Plasberg. Foto: imago/Eibner

Mitten in der Sendung „Hart aber fair“ ploppen wieder Eilmeldungen zu München auf, so geht das schon das ganze Wochenende und man mag kaum mehr auf das Display des Telefons schauen. Der 16-jährige Freund des Münchner Amokläufers Davis S.  sei heute festgenommen  worden, heißt es darin. Er hätte sich bei der Polizei gemeldet und sich in Widersprüche verstrickt.

Frank Plasberg liest die Meldung vor und wendet sich direkt an Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Münchner Polizei, der  am Sonntagabend bei Plasberg geladen war. „Ja, die Meldung haben wir vor einer halben Stunde an die Medien herausgegeben“, erklärt er, ruhig und professionell wie immer in den letzten Tagen. Und spricht dann sogleich ein Thema an, um das in den letzten Tagen - auch schon nach den Anschlägen in Nizza und Würzburg -  immer wieder diskutiert wird. „Geben Sie uns die Chance, erst Fakten zu schaffen, nicht zu spekulieren und zu raten“, bittet da Gloria Martins. Der Informationsanspruch seitens Medien und Öffentlichkeit sei groß. „Aber die Informationen müssen auch stimmen“, macht da Gloria klar. Denn gerade über Twitter verbreiteten sich schnell Falschmeldungen, die dann auch schnell zu Panik führen könnten.  „Diese grassierenden Falschmeldungen sind ein großes Problem, das ist auch neu für uns.“

Denn vieles ist bisher noch Spekulation. Nur mühsam setzt sich ein Bild des Amokläufers in München zusammen. Ist er auch schon vorher durch aggressives Verhalten aufgefallen?  Der bayerische Innenminister, Joachim Hermann, sagte, dass ihm das nicht bekannt sei. Die Gerichtsreporterin der Süddeutschen Zeitung,  Annette Ramelsberger berichtet, dass Mitschüler David S. doch so wahrgenommen hätten.

„Wie auch der Amokläufer in Winnenden hat auch der Täter ganz offenbar Demütigung erfahren, es gibt Parallelen“, ist sich Kriminologe Christian Pfeiffer sicher. Vor sieben Jahren tötete ein 17-Jähriger 15 Schüler in der Albertville-Realschule in der Nähe von Stuttgart. Auch er litt an Depressionen, auch er spielte wie der Münchner Amokläufer Ego-Shooter-Spiele. David S. besuchte vor seinem Amoklauf Winnenden und machte Fotos.  Die Polizei hatte diese auf seiner Kamera gefunden.  „Doch der Täter war zu diesem Zeitpunkt schon blockiert. Er war nicht mehr erreichbar. Für ihn gab es keinen Zweifel mehr, dass er diese Tat begehen würde“, sagt Pfeiffer.

Per Liveschalte ist eine Mutter in die Sendung zugeschaltet, die vor sieben Jahren ihre Tochter bei dem Amoklauf verlor. Bis heute schläft sie keine Nacht durch. „Das alte Leben kann ich nie mehr führen“, schildert sie bedrückend ihren Alltag. Sie fordert von der Politik ein schärferes Waffenrecht. Nach Winnenden habe es eine Diskussion gegeben. Aber die sei ihrer Meinung nach viel zu kurz gewesen. „Es war eine Debatte da, ja. Aber ich fordere von der Politik, dass sie nicht nur redet, sondern dass sie auch was macht“, sagt Barbara Nalepa.

Herrmann, ist der Meinung, dass sich diesbezüglich viel getan habe: „Innerhalb Europas haben wir das schärfeste Waffenrecht“, so der CSU-Politiker. Man würde viel intensiver kontrollieren.

Herrmann erkennt vielmehr das Internet als zunehmendes Problem. „Das Internet entwickelt sich zu  einem rechtsfreien Raum. Wir dürfen davor nicht kapitulieren“, sagt er. David S. hatte sich eine illegale Waffe im sogenannten „Dark Net“  besorgt, eine Art Schlupfwinkel des Internets, in das man nur mit besonderer Software kommt und wo sich oftmals Kriminelle austauschen.

In den nächsten Tagen werden sich die Puzzleteile weiter zusammensetzen. Auch die Eltern des Täters werden dazu wohl noch einen wichtigen Beitrag leisten können. Bisher sind sie nicht vernehmungsfähig. Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins plädiert in einem Schlusssatz noch mal an das Vertrauen  - auch in die Polizei. Die Sicherheit sei nicht statisch, sondern müsse immer weiter entwickelt werden, so der Sprecher.

 

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