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„Hard Sun“, ZDF Was haben sie schon zu verlieren?

Schon bald geht in „Hard Sun“ die Welt unter - trotzdem müssen noch Mörder gefangen werden.

Hard Sun, ZDF
Zusammen oder doch gegeneinander? Agyness Deyn als Renko, Jim Sturgess als Hicks. Foto: Hal Shinnie

Von David Bowie ist der Song „Five Years“, der davon erzählt, dass die Menschheit als Ganzes nur noch fünf Jahre Zeit hat – auch zum Weinen: „we had five years left to cry in (...) earth was really dying“. Dieser Song war es angeblich, der den Drehbuchautor Neil Cross, bekannt geworden durch die TV-Serie „Luther“ mit Idris Elba, zu „Hard Sun“ inspirierte. Das Videoportal Hulu und die BBC produzierten die kleine Thriller-Serie, jetzt läuft sie im ZDF – ab 22.15 Uhr, denn es spritzt hier das Blut in Fülle. Britische Cops tragen keine Schusswaffen? Dafür verstehen sie sich aufs Hauen und Stechen.

Gleich die erste Folge hat man gewalt- und actionmäßig randvoll gepackt: Eine Frau wird Zuhause angegriffen, niedergestochen, ihre Wohnung angezündet, sie kann sich nach draußen retten. Acht Monate später taucht sie als DI Elaine Ranko im Morddezernat auf. Dort ist sie die neue Partnerin von DCI Charlie Hicks; gleichzeitig soll sie diskret herausfinden, ob er seinen Freund und Kollegen Butler getötet hat. Da aber fällt auch schon ein Hacker aus dem 15. Stock, er ist auf Top-Secret-Dateien mit dem Codenamen „Hard Sun“ gestoßen. Sein Kumpel will den USB-Stick mit dem brisanten Material teuer verkaufen, aber der MI5 versteht keinen Spaß ... und hat auch offenbar keinerlei Skrupel, Kollegen von der Polizei gleich mit umzubringen.

DI Ranko kann ihr Leben und das von DCI Hicks nur retten, indem sie an die Öffentlichkeit geht. Aber schwupps, vier Wochen später hat der Geheimdienst die Nachricht vom sicheren Weltuntergang in fünf Jahren schon als Fake News diskreditiert. Nur Gerüchte wabern noch und lassen wahnsinnige Mörder noch wahnsinniger werden.

Seltsamerweise scheint keiner nachzurecherchieren. Seltsamerweise scheinen auch nur die Briten zu wissen, dass die Welt bald – was eigentlich: verglühen, explodieren, von einem Meteoriten getroffen wird? Seltsamerweise glotzen die, die in die „Hard Sun“-Dateien reingucken können, ungefähr für elf Sekunden aufs Smartphone und glauben auf der Stelle alles. „Was haben wir schon zu verlieren?“, sagt also Hicks nonchalant zu Renko. Und los geht’s mit der verrückten Verbrecherjagd für die zwei – immerhin nicht schlecht gespielt von der apart-intensiven Agyness Deyn, dem attraktiv-hintergründigen Jim Sturgess.

In der ersten Folge muss einer davon abgehalten werden, nach der kompletten Verwandtschaft auch noch seine zwei kleinen Kinder zu töten. In der zweiten Folge singt einer im Bus „Dies irae“ und will beweisen, dass es keinen Gott gibt, indem er Menschen umbringt, die Gutes tun. Und ein Pfarrer ist an das Beichtgeheimnis gebunden. Und immer macht MI5-Agentin Morrigan (Nikki Amuka-Bird mit steinernem Blick) den beiden Detectives das Leben zusätzlich schwer. Sie wissen, dass von höherer Stelle ein Keil zwischen sie getrieben werden soll, sie misstrauen sich trotzdem gewaltig.

Aber warum macht sich Agent Morrigan die Mühe, wenn doch sowieso nur noch Spinner an den Weltuntergang glauben? Die Mini-Serie soll in England am Ende 3,5 Millionen Zuschauer weniger gehabt haben als am Anfang. Um „Hard Sun“ zu mögen, muss man tatsächlich entweder leidenschaftlicher Verschwörungstheoretiker sein und auf alle Logik pfeifen oder das splatterhaft Abgedrehte mögen.

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