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„Greyzone – No Way Out“ Ein Schritt vor und zwei zurück

Der schwedischen Thriller-Serie gelingt es trotz inhaltlicher Aktualität nicht, aus einer alten Prämisse originelle Wendungen zu holen.

„Greyzone - No Way Out“
Victoria Rahbeck (Birgitte Hjort Sørensen) wird als Geisel gefangen gehalten, um eine tödliche Waffe zu programmieren. Foto: ZDF/Agnete Schlichtkrull

Ein kurioses kleines Genre ist derzeit wieder kräftig im Aufwind: Das „Home Invasion Movie“. Darin geht es meist um einen friedlichen Menschen, in dessen bürgerliche Existenz buchstäblich eingebrochen wird. Meist ist es ein Psychopath; meist droht er, den Kindern etwas anzutun, wenn man nicht seine finsteren Befehle befolgt. Das Genre braucht gute Schauspieler, aber wenig Budget und oft nur eine Location – bietet aber maximales moralisches Dilemma: Überlasse ich meine Kinder dem Monster, oder helfe ich dem Monster dabei, vielleicht noch viel grausamere Gräueltaten zu begehen?

„Greyzone“ fährt viele Themen auf

Das Genre ist tatsächlich so alt wie das Medium Film selbst (schon Frank Sinatra nistete sich 1954 in „Suddenly“ gewaltsam in einem verschlafenen Nest ein, um von dort den Präsidenten zu ermorden), aber in Zeiten großer politischer Unsicherheit erlebt es zyklische Aufschwünge. Derzeit besteht es aus Horror- und Thriller-Einträgen wie „No Goood Deed“, „Breaking In“, „Knock Knock“ und „The Purge“.

Angesichts dieser Vorgeschichte scheint die neue schwedische Serie „Greyzone“ beinahe ein wenig generisch daherzukommen. Auch wenn die zehnteilige Serie diese Situation natürlich noch verschärfen und komplexer ausnutzen kann als ein einzelner Spielfilm – zum Beispiel, wenn die junge Mutter und Softwareentwicklerin Victoria nicht nur von einem Terroristen gezwungen wird, ihm bei der Vorbereitung eines Anschlags zu helfen, sondern zeitgleich auch von der Polizei, als Doppelagentin zu kooperieren. Gefühle für den Terroristen, der Dienst für den Staat und die Allgemeinheit und die Sorge ums Kindswohl – ja, da wird einiges aufgefahren.

„Greyzone“ wirkt seltsam altbacken

Und hinter der Kamera wartet viel Talent. Die erste Staffel wurde von den drei Regisseuren Jesper Nielsen, Fredrik Edfeldt und Jörgen Bergmark gedreht: eine faszinierende Zusammenarbeit aus einem bewährten Routinier, einem spannenden Neuling und einem Filmfestival-Liebling auf der Höhe seiner Kunst. Dazu gibt es einen Nebenstrang, in dem wir à la „Homeland“ die Terror-Ermittlung miterleben, sowie einen aktuellen Hintergrund zum Thema Drohnenforschung – eine Anschlagsform, die erst vor wenigen Wochen bei einem angeblichen Attentat auf den venezolanischen Präsident Maduro von der Science Fiction in die Realität geholt wurde.

Aber trotz des Talents und trotz dieser aktuellen Bezüge wirkt die Serie, die ZDFneo  immer donnerstags in Doppelfolgen ausstrahlt, doch seltsam altbacken. Zum einen ist das „Home Invasion“-Genre nun beim besten Willen keine Brutstätte für Experimente, Überraschungen oder Originalität – und „Greyzone“ macht da leider keine Ausnahme. Zum anderen kann man sich den Gedanken nicht verkneifen, dass das alles wie ein Rückgriff auf eine vergangene, einfachere Zeit wirkt. Zum Beispiel versucht die Serie zwar, das anfängliche Bild von der hübschen weißen Opferschwedin und dem bösen bärtigen Araberterroristen inhaltlich zu relativieren, aber es bleibt bei allen Anstrengungen doch das antreibende und dominante visuelle Motiv. Und da war sogar „Homeland“ vor fast einem Jahrzehnt schon deutlich weiter.

Dazu kommt, dass eine der wichtigen Grundvoraussetzungen nicht funktioniert: die guten Schauspieler. Der Cast ist durch die Bank passabel, aber in den klaustrophobischen, emotionalen Momenten, die das Genre oft so reizvoll machen, schafft es die in „Borgen“ noch so überzeugende Birgitte Hjort Sørensen nicht, das leicht klischierte Drehbuch aus seinen eigenen Tiefen zu retten. Dazu kommt eine Regie, die effektiv, aber ebenfalls recht konventionell und einfach ist, und schon hat man das Gefühl, eine solide Serie aus den frühen 2000ern zu sehen, die nicht so richtig gut gealtert ist. Sie wird niemanden beleidigen, aber sie hat dem Genre auch wirklich nichts Neues hinzuzufügen.

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