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„Germania Ost“, funk.net Essenzen aus Ost und West

Das ZDF zeigt eine Online-Serie mit deutsch-deutschen Biografien.

Sookee
Sookee, hier für ihr Album „Mortem & Makeup“ in Pose. Foto: Eylul Aslan

Plötzlich gab es das Land, in dem sie groß geworden waren, nicht mehr. Mit dem Fall der Mauer gehörten sie plötzlich zur Bundesrepublik Deutschland, doch blieben sie noch allzu lange „Ossis“. Für die Westdeutschen. Und im Herzen? Wie es ist, mit dieser Erfahrung aufzuwachsen, hat das ZDF für das Online-Angebot Funk herausfinden wollen. Mit der Internetserie „Germania Ost“ hat der Sender Menschen mit deutsch-deutscher Biografie porträtiert, die in jeweils fünfminütigen Clips zu Wort kommen. 

An diesem Mittwoch geht die Rapperin und politische Queer-Aktivistin Sookee alias Nora Hantzsch online. Ihre Eltern flohen aus Mecklenburg-Vorpommern nach Westberlin, als sie zweieinhalb Jahre alt war. Ihr erster Gedanke als Kind im Westen, an den sich die heute 34-Jährige erinnert: „Dass es jetzt gut ist mit dem Urlaub, dass ich jetzt wieder zurück will in mein Zimmerchen mit meinen Sachen. Es gab aber kein Zurück mehr. Nie wieder.“

Die Herkunft aus der DDR habe man als Kind nicht vor sich hergetragen. Schon gar nicht, wenn man wie sie aus einem Elternhaus kam, die „im Herzen eigentlich Sozialisten“ waren, aber nicht in der Interpretation der SED. „Ich habe es immer auch als Makel empfunden, weil die Ossis sind schon immer etwas verulkt worden als die einfachen Leute, die mit dem wenigsten Auskommen, und so kann man die auch behandeln.“ Ein Lehrer habe ihrer Mutter, die irgendwann gegen den ihrer Meinung nach sinnlos teuren Chichi im Schulleben ihrer drei Töchter das Wort erhoben hatte, gesagt: „Unsere Schule ist ein Organismus, und Sie und Ihre Töchter sind die Galle.“

Das ZDF-Team besucht mit der heute 34-Jährigen Orte, die für sie prägend waren: die erste Berliner Wohnung am Anhalter Bahnhof, der Kurfürstendamm. Dort ging ihr in der Kindheit am eindrücklichsten auf, dass sie nun in einer völlig anderen Welt lebt: „Wenn man aus dem Sozialismus kommt, wo es nichts gibt, und dann in eine Gesellschaft, wo es von allem sehr, sehr viel gibt, ist es natürlich erstmal ein Riesen- Clash.“ Ihre Eltern bewahren ihre Tochter aber vor zu viel Kommerz und Kapitalismus, brauchen dafür jene Hartnäckigkeit, die Sookee von Vater und Mutter geerbt hat. Als Rapperin in einer männerdominierten Branche freue sie sich aber über diese indirekte Mitgift aus der DDR.

Auch ihren Rapper-Kollegen Romano, mit dem das ZDF am 17. Oktober online geht, hat die DDR nachhaltig geprägt. Er lebte bis zur Wiedervereinigung im Berliner Osten. Die Mauer, sagt er, war für ihn als Kind mehr Faszination als Horror: „Du siehst nicht, was dahinter ist. Das hat bei den Kindern dafür gesorgt, dass man interessiert war. Es war so spannend, es ist wie wenn man dir verbietet, Schokolade zu essen.“

Die Schokolade auf der anderen Seite, Milka, war ihm aber vergönnt. Und längst nicht nur das: „Es gab so viel Zeug, auf das man scharf war. Ich kann mich an Puma-Schuhe erinnern, die drei Nummern größer waren, da hab ich ganz viel Papier reingestopft und bin dann breitbeinig herumgelaufen, weil’s so geil war.“ Die Möglichkeiten, die ihm der Westen bot, habe er später „voll ausgeschöpft“. Und er freut sich über seine Identität als deutsch-deutscher Deutscher. „Als Essenz, was der Osten und Westen mir mitgegeben hat. Weil nur dadurch kann ich Romano sein.“

 

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