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„Geheimes Saudi-Arabien“, ZDFinfo Wer hätte das gedacht?

In der dreiteiligen Dokumentation auf ZDFinfo zeigt mit erheblichem dramatischen Aufwand die saudische Welt, in der es Verbrechen und Korruption gibt. Die komplizierten Verwicklungen mit dem Westen werden allerdings nur gestreift.

Geheimes Saudi-Arabien
Mehrere hundert prominente Saudis, darunter elf Prinzen, werden bei einer Razzia im Ritz-Carlton in Riad festgenommen. Foto: ZDF/Joe Taylor

Gruselig: Geigenpakete pulsen in beunruhigendem Neunachteltakt, körnige schwarzweiße Filmbilder oder wie mit geheimen Handkameras gedrehte Farbaufnahmen aus mehreren Metern Distanz zeigen unerhörte Vorgänge: saudische Prinzen sitzen und reden, Leuchtspurgeschosse fliegen durch einen dunkelgrauen Himmel, schwarzbärtige Männer tragen lange Gewänder, bauchige Staubwolken zeigen: irgend etwas ist explodiert. Der Zusammenhang wird in einem im Off gesprochenen Text hergestellt oder von ordentlich in graue Anzüge gewandeten Männern, die der CIA oder dem Außenministerium oder einer anderen US-amerikanischen Regierungsbehörde angehören oder angehört haben. Der Tenor: Saudi-Arabien ist kein biedermeierlicher Märchen-Feudalstaat, in dem der König und seine Königinnen friedlich und wohltätig bis an ihr Lebensende vor sich hin regieren. Nein, Saudi-Arabien ist ein unfassbar reiches Gebilde, in dem wenige ein Leben in Saus und Braus führen und mit Milliardensummen den inländischen, den regionalen und den internationalen Terror fördern.

Wer hätte das gedacht? Nun, jeder, der gelegentlich Zeitungen aus westlichen Verbreitungsgebieten liest, sich für die Zeitläufte interessiert und Feudalismus nicht für die Quelle der Menschenrechte hält, ahnte das zumindest und konnte das eine oder andere auch schon wissen. Die dreiteilige Dokumentation Geheimes Saudi-Arabien rennt also die eine oder andere offene Tür ein. Und tut das mit erheblichem dramatischen Aufwand.

Der erste Teil der Dokumentation widmet sich binnengesellschaftlichen Vorgängen und legt mehrere Finger in mehrere Wunden: es gibt Verbrechen! Mord! Prostitution! Auch männliche! Es gibt Verschleierung der Wahrheit und Manipulation in den Medien! Echt! Gut, dass soziale Netzwerke wirksame Instrumente der Überwachung sind und dass die Hälfte der Nutzer sozialer Netzwerke in Saudi-Arabien Bots sind, das ist mal, wenn es stimmt, ein interessanter Aspekt, den man auch für andere Weltgegenden untersuchen sollte.

Der zweite Teil der Dokumentation widmet sich schwerpunktmäßig dem Phänomen der Korruption. Aber ist es verwunderlich, dass so etwas selbst unter reicheren Leuten und gar Mitgliedern der weit verzweigten saudischen Königsfamilie vorkommt? 

Der dritte Teil schließlich geht den Spuren des internationalen Terrors nach, der zu nicht unbeträchtlichen Anteilen aus Saudi-Arabien gefördert und finanziert wird. Planung und Bau von 120 Moscheen auf dem Balkan wird umstandslos auch der Terrorförderung zugerechnet. Und dann ist da noch die mörderische militärische High-Tech-Präsenz der Saudis und ihrer Söldner in Jemen und die geopolitische Ausrichtung des aggressiven Saudischen Islam. Äh, woher kamen doch gleich die Waffen dafür?

Es ist ja durchaus verdienstvoll, auf die ziemlich widerwärtigen und ziemlich wirkungsvollen und überaus unfriedlichen Aktivitäten der Saudischen Königsfamilie, auch in der neuen Ära des neuen Kronprinzen Mohamed Bin Salman, hinzuweisen. Aber Filme US-amerikanischer Provenienz tun das oft mit ein paar Umdrehungen zu viel und wirken daher merkwürdig unseriös. Auch in der Auswahl der Zeitzeugen tut das, unter denen kaum mal ein halbwegs behäbiger Wissenschaftler ist – wie das in europäischen Dokumentationen die Regel wäre –, sondern eher Generäle und Geheimdienstler, also das, was man hierzulande „Frontschwein“ nennt. Kompliziertere politische Verwicklungen mit westlichen Regierungen werden nur gestreift. Gut und Böse aber sind möglicherweise etwas komplizierter verteilt als es diese aufwändige Dokumentation nahelegt.

 

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