Lade Inhalte...

„Gefangen - Der Fall K.“ (Arte) Der Moralist als Störenfried

Diesem Arte-Spielfilm ist schwer zu glauben. Und doch bewegen sich die Autoren bestürzend nah an der Realität.

„Gefangen - Der Fall K.“
Elke (Julia Koschitz) und Sebastian Wastl Kronach (Jan Josef Liefers) als glückliches Ehepaar in einer Szene des Films „Gefangen - Der Fall K.“ Foto: dpa

Der Streckgitterzaun an sich ist schon unüberwindlich. Zur Sicherheit hat man unterhalb der Zaunkrone auch noch Stacheldrahtspiralen gespannt. Ein Vogel ist hineingeraten und elend verreckt, der Kadaver rottet vor sich hin. Guantanamo? Abu Ghraib? Aber nein. Ein forensisches Hochsicherheitsgefängnis in Deutschland. Normalerweise psychisch gestörten, nicht therapierbaren Gewalttätern vorbehalten. Aber es fand sich auch ein Plätzchen für Sebastian Kronach. Weißhaarig, zermürbt, niedergeschlagen. Sein Zellengenosse hält die Amateurkamera, Kronach stellt sich mit eigenen Worten vor: „Ich bin in eine absolut unglaubliche Geschichte geraten.“

Henriette Piper lieferte die Vorlage, Kit Hopkins und Hans Steinbichler, der auch Regie führte, schrieben die finale Drehbuchfassung. Unter anderen Umständen wäre dieses Skript mutmaßlich mit gelüpften Augenbrauen aufgenommen worden. Zu abwegig, tollkühn, absurd erscheinen die Ereignisse, die da geschildert werden. Aber die fiktive Figur Sebastian Kronach, genannt Wastl, hat ein reales Vorbild. Der Film „Gefangen – Der Fall K.“ ist unverkennbar an der Geschichte des Gustl Mollath orientiert.

Das Ende einer romantischen Liebe

Zeitsprung. Wir sehen Wastl Kronach (Jan Josef Liefers) in jungen Jahren. Er treibt in wilder Wettfahrt seinen Porsche über eine Gebirgsstraße. Neben ihm erhebt sich seine Frau Elke (Julia Koschitz) übermütig vom Beifahrersitz, genießt den Fahrtwind, fühlt sich juchzend wie die „Queen of the World“ und schreit ihre Liebe zu Wastl lauthals hinaus in die Berglandschaft.

Sie sind ein ungleiches Paar. Er war Rennfahrer und arbeitet im ölverschmierten Blaumann in der eigenen Werkstatt. Sie ist „Vermögensberaterin“ beim Bankhaus „Bayhub“ und darauf spezialisiert, das Geld wohlhabender Kunden am Fiskus vorbei ins Ausland zu schleusen.

Bei einer ihrer Ausflüge in die Schweiz darf Wastl sie begleiten, fühlt sich unwohl in der Hautevolee und empört sich, weil ein bekannter Waffenhändler zum Kreis gehört und Elke den Hof macht. Sie verweigert sich seiner Bitte, ihr illegales Tun zu beenden, macht ihn sogar im Stillen zum Komplizen. In seinem Werkstattbüro gehen dubiose Faxe ein, Einzahlungsbelege mit Chiffren wie „Villa 2000“, „Luftschloss“ und „Holy Moly“. Wastl fertigt heimlich Kopien an. Die dunklen Geschäfte seiner Gattin machen ihn zunehmend nervös. Es kommt zum Streit, sie beschimpft ihn als Versager. Der Anfang vom Ende. Kronach ist gar nicht auf Zwist aus. Er, der an Ehrlichkeit und Bürgersinn glaubt, schreibt an Elkes Vorgesetzte mit der treuherzigen Bitte, dass „es“ aufhören möge. Die Geschäftsführung lässt seine Anwürfe überprüfen, findet sie bestätigt.

Der gute Ruf des Instituts steht auf dem Spiel. Es beginnt eine perfide Kampagne. Elke Kronach gibt gegenüber ihrem Therapeuten Dr. Lindner, zugleich einer ihrer Schwarzgeldkunden, an, Sebastian habe sie körperlich misshandelt. Der Arzt attestiert Wastl Kronach eine verminderte Zurechnungsfähigkeit, ohne ihn je gesehen zu haben, und stürzt ihn damit in einen Mahlstrom. Kronach verliert seinen Besitz, wird wegen Körperverletzung angezeigt, für unzurechnungsfähig erklärt, landet in der Psychiatrie. Seine eigene, mit Beweisen unterfütterte Anzeige gegen die „Bayhub“ verläuft im Sande.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen