Lade Inhalte...

„Friesland: Schmutzige Deals“ Maishäcklser mit Kolbenfresser

Die Originalität des ohne Biss inszenierten siebten „Friesland“-Krimis erschöpft sich viel zu früh.

Friesland
Süher Özlügül (Sophie Dal, l.) kann es immer noch nicht fassen: Ihr Bruder Yunus (Yunus Cumartpay, r.) hat ihr Erspartes in windige Geschäfte investiert. Foto: ZDF/Willi Webe

In der zu Jahresbeginn ausgestrahlten „Wilsberg“-Folge „Morderney“ hat das ZDF seine Krimi-Fangemeinde mit einem sympathischen Crossover-Effekt erfreut: Beim kriminalistischen Urlaub auf der Nordseeinsel erhielt das Ensemble aus Münster überraschenden Besuch von den Kollegen aus „Friesland“.

In „Schmutzige Deals“, der siebten „Friesland“-Episode, hat sich jemand als kleine Revanche einen versteckten Insider-Gag erlaubt: Neben der Kaffeemaschine im Revier steht ein Wilsberg-Becher (beide Reihen stammen von der Produktionsfirma Warner Bros.). Damit hat sich die Originalität allerdings fast schon erschöpft. Das Drehbuch stammt von Timo Berndt, der die anfangs durchaus ungewöhnliche Reihe nach dem zweiten Film vom Duo Arne Nolting/Jan Martin Scharf übernommen und in den Fernsehalltag überführt hat. 

Seither lebt „Friesland“ in erster Linie vom Ensemble, das ist auch diesmal nicht anders, selbst wenn die Handlung ein kleines Fest für Freunde von Landmaschinen ist, denn der Motor der Geschichte ist ein imposanter Maishäcksler.

Der Besitzer des riesigen Geräts hat jedoch nicht mehr viel Freude dran, denn er schwimmt tot im eigenen Güllebecken, was zur Folge hat, dass das Wort „Scheiße“ im weiteren Verlauf des Films geradezu inflationäre Verwendung findet.

Der Hintergrund der Handlung ist allerdings recht interessant und verdient einen kleinen Exkurs: Weil holländische Mastbetriebe mehr Mist produzieren, als sie mangels Fläche in der eigenen Landwirtschaft loswerden können, sind sie gern bereit, die Jauche deutschen Bauern zu überlassen; dafür legen sie sogar noch was drauf, was wiederum zur Folge hat, dass nun die norddeutschen Großbetriebe auf ihrer Gülle sitzen bleiben.

Mit dem Maishäcksler hat das alles im Grunde nichts zu tun, und mit dem Mord ebenfalls nicht, wie sich schließlich rausstellt; aber irgendwie müssen die neunzig Filmminuten ja gefüllt werden, und das Thema Mist ist immerhin origineller als die ständigen Grundstücksmauscheleien, um die es gerade in den Nordseekrimis regelmäßig geht. Berndt nutzt die Maschine in erster Linie als Vorwand, um dem Mordfall eine persönliche Note zu geben: Nicht nur Bestatter Habedank (Holger Stockhaus), auch Polizistin Süher (Sophie Dal) hat Erspartes in das Gerät investiert, wenn auch im Umweg über ihren Bruder und ohne ihr Wissen.

Das Geld ist weg

Dieses Geld ist nun weg, denn das Gerät hat aufgrund von Ölmangel einen Kolbenfresser, woraus Berndt seltsamerweise keinerlei Kalauerkapital schlägt, und nun geben sich die Verdächtigen, bildlich gesprochen, die Klinke in die Hand. Der Verkäufer des Häckslers hat seinem Kunden offenbar Schrott angedreht, seine Mitarbeiterin hat dem Käufer zuvor den Kopf verdreht; aber das sind die handelsüblichen Ablenkungsmanöver. Ein ungleich größeres Mordmotiv hätte der Stiefvater des Opfers, denn die Viertelmillion, die das Gerät gekostet hat, war seine Altersvorsorge.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum