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„Frankreich, 24 Stunden“, Arte Stolz auf die Schönheit

Arte guckt sich die Welt von oben an, mit der schwelgerischen Distanz von Sportfliegern. Die Filmsprache von „Frankreich, 24 Stunden“ ist die eines gut gemachten touristischen Gebrauchsfilms.

16.01.2016 08:24
Von Hans-Jürgen Linke
4.30 Uhr: Sonnenaufgang am Montblanc. Foto: Arte/Point du Jour

Etwas vermessen wirkt das schon: Kann man Frankreich als ganzes Land in anderthalb Filmstunden zusammenfassen? Natürlich nicht. Eine strenge thematische Auswahl ist ebenso notwendig wie ein weiträumiger Überblick, und eine erzählerische Schnitttechnik erleichtert das Anschauen.

Immerhin wird in dem Film von Roland Théron und Elise Darblay klar, was sie unter der Gänze ihres Landes verstehen. Ihr Film ist ein klassischer Geografie-Film: Was auf der Erdoberfläche erscheint, ist grundsätzlich von Interesse. Das Relief des Landes, Bevölkerungsweisen, wirtschaftliche, städtebauliche, ökologische Themen spielen die zentralen Rollen. Trends und Probleme werden nicht ohne Erkenntnisgewinn, aber immer sachlich-distanziert abgehandelt.

Nie herrscht Alarmismus, nicht einmal ein Besorgnis erregender Ton drängt nach vorn. Die emotionale Temperatur des Films entspricht eher der schwelgerischen Überblicks-Distanz von Sportfliegern, die das Land, das sie überfliegen, lieben und die viel darüber wissen und immer gern noch mehr wüssten.

Es ist ein bisschen wie bei den sommerlichen Tour-de-France-Übertragungen, die man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in den letzten Jahren so schmerzlich vermissen musste:  Stolz wird da die Schönheit des Landes vorgeführt, während unten am Boden die Arbeit erledigt werden muss, unerbittlich und stundenlang und jeden Tag aufs Neue.

Erhellende Augenblicke

Théron und Darblay steigen natürlich tiefer und problembewusster in die Landes-Beschreibung ein als die Fremdenverkehrs-Organe, die die Journalisten während der Tour de France mit Schwafelmaterial versorgen.

Manchmal gibt es sogar wirklich erhellende Augenblicke – etwa, wenn ein ehemaliger Philosophie-Student, der als fahrender Lebensmittelhändler im Lieferwagen eine abgelegene Region versorgt und dabei zweimal pro Woche eine zweistellige Zahl von Kilometern zurücklegt, über Landflucht, regionale Produkte und regionale Versorgung spricht. Und wenig später erfährt man, am Rande einer Großmarkt-Reportage, dass Lebensmittel in Frankreich im Durchschnitt eine vierstellige Anzahl von Kilometern zurücklegen, bis sie beim Verbraucher angekommen sind.

Manchmal werden historische Vergleiche angestellt, sofern dafür geeignetes Material vorliegt, und auch da stecken viele Informationen über die scheinbar unaufhaltsame Zerstörung von Landschaft, Natur und Traditionen, die mit jeglicher Modernisierung einher zu gehen scheint. Die Filmsprache aber ist die eines gut gemachten touristischen Gebrauchsfilms. Wer Frankreich liebt, wird diese schöne Samstagabend-Dokumentation unweigerlich auch mögen. Und daran ist ja wenig Schlechtes.

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