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„Frankreich, 24 Stunden“, Arte Ein moderner Überfliegerfilm

Die Frankreich-Dokumentation von Roland Théron und Elise Darblay bietet ein fesselndes und durchaus kritisches Porträt eines dynamischen und widerspruchsreichen Staates.

Frankreich
Ab 19 Uhr beginnen die Strände von Mimizan sich zu leeren. Foto: Point du Jour/Arte

Vor einigen Jahren noch musste ein Filmemacher für solche Kamera-Perspektiven einen teuren Piloten engagieren, mit ihm in einen teuren Hubschrauber steigen und beim Filmen aufpassen, nicht ständig zu viel von der fliegenden Maschine im Bild zu haben. Heute ist die so genannte „Vogelperspektive“ eine Sache für Drohnen geworden, die mühelos komplizierte Flugbewegungen ausführen, dabei viel weniger Lärm machen, weniger Aufwand und Kosten verursachen und viel gewagtere und originellere Perspektiven ermöglichen als jeder Hubschrauber, der auf Passagiere Rücksicht nehmen muss.

Der Dokumentarfilm „Frankreich, 24 Stunden“ von Roland Théron und Elise Darblay ist ein sehr moderner Überfliegerfilm, und sein Gegenstand ist die Geografie unseres Nachbarlandes, wenn man Geografie als eine seriöse Bestandsaufnahme all dessen begreift, was sich auf der Erdoberfläche abspielt.

Roland Théron und Elise Darblay lassen kleine Flugzeuge und ständig auch Kameradrohnen aufsteigen und betrachten das Land von oben. Das ruft manchmal eine bildgestützte Stimmung von freundlicher Idylle hervor, nicht ganz unähnlich der touristisch motivierten filmischen Begleitungen bei der Tour de France (die uns unser öffentlich-rechtliches Fernsehen leider seit einigen Jahren überwiegend vorenthalten hat, als wäre Radfahrer-Doping etwas, was gegen Tourismus spricht).

Wenn sie dann aber wieder am Boden sind und den Dingen nachgehen, sind es keine Radfahrer, denen ihr Interesse gilt, sondern die Menschen, die da unten leben, wo eben noch diese freundliche Idylle zu sehen war. Und mit diesen Menschen sprechen sie über Veränderungen der Lebensumstände, wie sie innerhalb der zeitlichen Perspektive eines Menschenlebens geschehen sind.

Die Geschichten werden ergänzt durch historische Rückblicke – nicht, weil früher alles besser gewesen ist, sondern um zu beschreiben, in welchen ökonomischen Organisations- und Wirtschaftsformen und in welchen Weltbildern die Menschen da unten aufgewachsen sind, welche Veränderungen ihnen die ständige Modernisierung der vergangenen Jahrzehnte aufgenötigt hat, wie sie darauf reagieren und wie sie sich damit fühlen.

Die beherrschenden Themen des Films sind die, die sich aus der Drohnenperspektive ergeben: Stadtleben, Stadtausdehnung, Bodenversiegelung und Landschaftsverbrauch; Veränderungen in der Landwirtschaft, Flurbereinigung, Landflucht, Landschaftsveränderung; Wasserwege, Wirtschaft an den Küsten, internationaler Seehandel.

Der Film geht von der Oberfläche aus und verweilt auf ihr. Er bohrt aber nicht tief. So liefert er ein fesselndes und durchaus kritisches Porträt eines dynamischen und widerspruchsreichen Staates, der einerseits von Atomenergie, konzeptloser Flächenversiegelung und diversen Umweltsünden geprägt ist wie jedes Land in Europa, der andererseits Lebens- und Entfaltungsräume für die verschiedensten Lebensentwürfe bietet und dabei immer noch eine erstaunliche landschaftliche Schönheit zu bieten hat.

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