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"Fluss des Lebens – Geliebte Loire", ZDF Wahre Liebe, reiche Landschaft

Wenn sich jemand von diesem Herz- und Kulturfilm angeregt fühlen sollte, einen Urlaub entlang der Loire zu machen, wäre das eine schöne und sehr ertragreiche Konsequenz.

Fluss des Lebens - Geliebte Loire
Romy (Anna Fischer, r.), Johanna (Lisa Kreuzer, M.) und Pierre (Mathieu Delarive, l.) haben einen Ort der Erinnerung Frau Langhoffs erreicht und stehen inmitten des Parks von Schloss Villandry. Foto: ZDF/Maxime Tschanturia

Der Reihentitel „Herzkino“ ist eine klare Ansage: Es geht darum, dass die Liebe ein seltsames Spiel ist, wie auch der deutsche Schlager seit je weiß, und dass sich dem Zuschauer beim Zuschauen der eine oder andere Empathie-Seufzer entringen möge: Enttäuschung und Erfüllung liegen in der Liebe ja so nahe beieinander!

Da ist Romy (Anna Fischer), sozial nicht ganz sattelfest und frisch aus der Justizvollzugsanstalt entlassen, und schon wird sie sehr, sehr enttäuscht: von dem verlogenen Kay (Eike Weinreich). Wenigstens hat sie den Job im Altenheim, da sind wir erleichtert.

Im Altenheim ist Johanna (Lisa Kreuzer), fast schon ein Pflegefall, die seit Jahrzehnten eine große Liebe und ebenso turmhoch verklärte Dauerenttäuschung mit sich trägt. Romy und Johanna werden im Pflegeheim ziemlich beste Freundinnen, das gehört sich heute so in sentimentalen Senioren-Filmen. Romy, die Jüngere der beiden Enttäuschten, hat allerdings nicht nur moralisch einwandfreie Motive.

Gemeinsam ziehen sie an die Loire, und da ist Pierre (Mathieu Delarive), der die Verantwortung für das Boot hat, mit dem man gemeinsam den Fluss hinunterschippert, um die Gegenwart in der Vergangenheit (oder umgekehrt) zu suchen und zu finden, und natürlich hat auch der so wunderbar französisch-lässige-lebenslustige Pierre sein Lebenspäckchen zu tragen. Aber viel mehr sollte man jetzt wirklich nicht verraten, höchstens noch so viel: Johanna und Pierre kriegen sich nicht, das wäre auch unpassend. Aber alles, na ja, fast alles wird gut, und Franziska Meyer Price führt die Regie.

Neben den Schauspielerinnen und Schauspielern spielt in diesem Herzfilm auch die Loire mit. Sie spielt sich selbst. Sie ist die wunderbare Kulisse für dieses Herzkino, weil: Sie wurde über Jahrhunderte hinweg geradezu vollgebaut mit einigen der schönsten Ortschaften, Städten und vor allem Schlössern, die dieser Planet zu bieten hat. Ohne die Loire-Schlösser hätte Walt Disney nie erfahren, wie ein richtiges Schloss auszusehen hat. Ohne die Loire wäre Neuschwanstein nicht möglich geworden. An der Loire haben etliche französischen Könige ihre Bauwut so richtig ausgelebt.

Wenn sich jemand von diesem Herz- und Kulturfilm angeregt fühlen sollte, einen Urlaub entlang der Loire zu machen, wäre das eine schöne und sehr ertragreiche Konsequenz. Die industriellen Hässlichkeiten und Atomkraftwerke, die diese wunderschöne, abwechslungsreiche, kulturgesättigte, geschichtsträchtige und sandbankige Flusslandschaft in der Realität immer etwas stören, werden im Film recht diskret behandelt. Das geht im echten Urlaub vielleicht nicht ganz so einfach, wird aber erfahrungsgemäß von der verklärenden Erinnerung nachträglich korrigiert.

Dass Herzkino nicht ganz ohne krasse Klischees auskommen kann, liegt nahe. Die Loire ist schön und alt. Der Franzose als solcher – dem Diesseits zugewandt und ein wenig leichtlebig, aber so menschlich! – ist als handelnde Maske ebenso präsent wie der Deutsche – eher schwermütig, aber ordentlich und pünktlich und letztlich doch auch sehr menschlich –, und in der Ferne gibt es immer noch eine Erinnerungsspur an die alte Erbfeindschaft der beiden Nachbarn, die seit einigen Jahrzehnten zu unserem Glück besser miteinander klarkommen.

„Glück“ ist hier das passende Stichwort: Zum Glück gibt es echtes Glück: reale Flüsse, eigene Reiseerlebnisse, und wahre Liebe gibt es vielleicht in Dortmund.

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