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„#felixfragt“ im ZDF Der Popper und die Politik

Wie das ZDF einmal eine Lektion in Demokratie für die Generation YouTube senden und dabei vor allem brav und bieder bleiben wollte.

#felixfragt - Youtubestar auf Deutschlandcheck
Felix von der Laden hat es ins ZDF geschafft. Foto: Phillip Dorset/ZDF

Ein You Tuber, der es ins öffentlich-rechtliche Fernsehen geschafft hat: Felix von der Laden stellt sich im ZDF nun  erneut vor als Betreiber eines der Netz-Kanäle und verkündet er habe inzwischen „drei Millionen Follower“. Und weil Quantität in Mainz offenbar als Qualität betrachtet wird, darf Herr von der Laden nun als „#felixfragt“ auch gleich noch eine Sendung zur bevorstehenden Wahl machen, wie er es ähnlich ja schon bei der US-Wahl getan hatte. Dabei will er einigen Fragen nachgehen, die ihm seine Anhänger gestellt haben.

Er hat sich die Themen ausgesucht, die im Wahlkampf mehr oder weniger prominent vorkamen. Das gilt auch für das weite Feld der Bildung, dessen Fehlen ja nach dem „Duell“ zwischen Angela Merkel und Martin Schulz kritisiert wurde. Felix landet bei einem Gymnasium in Pinneberg, das den oft angeprangerten maroden Zustand bundesdeutscher Bildungseinrichtungen aufs Schönste – also  Schlimmste – bestätigt.

Dass diese Anstalt seit zehn Jahren eine Baustelle sei, wie der Direktor sagt, ist schon ziemlich erschreckend. Da zeigt sich die Berechtigung der Forderung ach mehr Geld für die Bildung (und die Absurdität erhöhter Ausgaben für Rüstung). Wobei von der Laden kaum einmal vom Einzelfall aufs Allgemeine schließt – ein Versäumnis. Auch warum diese Schule ausgesucht wurde, erfährt man nicht. Überhaupt bleiben so einige Fragen zur Methode der Recherche offen wie die, woher der junge Mann seine Informationen bezieht.

Mit Blick auf sein – vermutlich – junges Publikum erklärt er vieles, und dabei rückt der 23-Jährige sich ausgiebig und oft unnötig ins Bild, etwa wenn er aus dem Auto steigt.  Dem Diktat folgend, dass es nicht langatmig werden darf, erläutert er immer wieder mal im Gehen, was er vorhat, die Handkamera auf sich selbst gerichtet. An Selbstbewusstsein mangelt es ihm sichtlich nicht – kein Wunder bei dem Erfolg.

So fährt er quer durch die Republik für seine Recherchen und befragt Polizisten auf einer Polizeischule, lässt sich sein Handy hacken von einem „Whitehead“, einem systemtreuen Hacker, und besucht eine Alten-WG, um sich von dieser Form des Lebensabends überzeugen zu lassen. Das ist alles recht brav und nicht nur kurzweilig, sondern auch kurzatmig, aber immerhin aufklärerisch für eine Zielgruppe, die womöglich eher durch einen YouTuber zu erreichen ist.

Das gilt auch für das heißeste Thema dieser Vorwahlzeit, den Umgang mit der rechtsextremen AfD. Die wird von Felix natürlich nicht so genannt. Denn vor Jahren  hatte er unter seinem Namen „Dner“ in der Bild verkündet, er wähle die AfD.  Nachdem Jan Böhmermann ihn bei Neo Magazin Royale als Anhänger der rechten Partei entlarvt hatte, sah sich Felix von der Laden zu einer Distanzierung gezwungen. So erklärte er auf Twitter im Dezember 2014, er  distanziere sich „von jeder rechten Propaganda sowie der heutigen AfD. Mir rechte Gesinnung zu unterstellen ist absurd!“

In seinem 45-minütigen Film besucht er in Pforzheim einen Stand der Partei, und die dort Stehenden antworten auf seine braven Fragen wie üblich unterkomplex. Felix  wiederspricht tapfer, fragt aber auch nicht nach den Rechtsextremen wie Björn Höcke oder Alexander Gauland. Und auch der ähnliche Ansichten vertretende Rentner, der Felix zu sich nach Hause einlud, bleibt von scharfen Nachfragen verschont, entlarvt sich aber durch Widersprüche selbst. 

So wirkt die Sendung mit dem bemüht flotten Touch, als habe es einen Popper wie aus in den achtziger Jahren in die Politik verschlagen: Allzeit auf die eigene Wirkung bedacht, stets gut frisiert und das System nicht infrage stellend – schließlich ist Felix von der Laden ein Unternehmer mit seinem Modelabel „Spielkind“ (sic!), macht auch mal für andere Marken Reklame und will vor allem eines: Geld verdienen. Da wäre ein Anecken schlecht fürs Geschäft.  Bisweilen erinnert der junge Mann an Christian Lindner in dem jetzt aufgetauchten  Video, das den 18-jährigen Freidemokraten als Möchtegern-Manager zeigt. Und das ZDF findet vielleicht doch noch andere Formate, mit denen es den Altersdurchschnitt seines Publikums senken könnte. 

 

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