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„Falsche Siebziger“, ARD Wenn Grantler ins Gras beißen

In der sehenswerten schwarzen Komödie „Falsche Siebziger“ werden verstorbene Senioren durch Doppelgänger ersetzt.

Falsche Siebziger
Kein Respekt vor den Toten: Die in Leintuch gehüllten Senioren werden durch Doppelgänger ersetzt. Foto: BR/h & v entertainment GmbH/Raymond Roemke

Die Handlung beginnt schmerzhaft, zumindest für Hubertus Hochstetter (Sebastian Bezzel). Der chronisch klamme Witwer hat sich bei einer Wiener Halbweltgröße (Gerhard Greiner) Geld geliehen und ist mit der Zahlung in Verzug. Weil Hubertus auch mit dem Rücken zur Wand noch eine große Klappe hat, richtet ihn der unterbelichtete Handlanger des Ganoven ziemlich übel zu.

Als kurz drauf Hubertus’ Vater Cajethan (Fred Stillkrauth), ein typisch bayerischer Grantler, gemeinsam mit der alten Kath (Ilse Neubauer) auf skurrile Weise ins Gras beißt, will der Sohn den Tod vertuschen, um die üppige Rente des Alten zu kassieren. Enkel Daniel (Markus Krojer) soll die Leiche des Opas in einem stillgelegten Stollen deponieren, findet dort jedoch die sterblichen Überreste der gerade noch quicklebendigen Anna Schranner (Gundi Ellert).

Deren Tochter Iris (Kathrin von Steinburg) ist noch einen Schritt weiter gegangen als Hubertus: Weil die verstorbene Mutter ihr Vermögen einer Stiftung vermachen wollte, hat sie Annas Cousine Vevi gebeten, als Doppelgängerin einzuspringen und die Änderung im Testament rückgängig zu machen. Hubertus und Kaths Sohn Karl (Gerhard Wittmann) finden die Idee fabelhaft. Der eine entdeckt ein Double in einem Seniorenheim, der andere engagiert eine Schauspielerin, die er schon als Kind für seine Mutter gehalten hat, weil sich die beiden Frauen so ähnlich sahen.

Erinnerungen an „Schluss! Aus! Amen!“

Marlies betrachtet das ungewöhnliche Engagement als Rolle ihres Lebens und macht ihre Sache derart gut, dass sich Karl genauso unterdrückt fühlt wie zu Lebezeiten der echten Kath. Und dann läuft die Sache endgültig aus dem Ruder, als es zu weiteren Todesfällen kommt; irgendjemand in dem kleinen Dorf scheint ein weitaus finsterer Schurke zu sein als die drei Erben.

Die Geschichte erinnert an die Degeto-Komödie „Schluss! Aus! Amen!“ von Thomas Kronthaler (2014). Die Inszenierung von Matthias Kiefersauer, der das Drehbuch gemeinsam mit Alexander Liegl geschrieben hat, ähnelt im Tonfall und wegen des vergleichbaren Humors den Filmen von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“). Schon die durch einen Autounfall ausgelöste groteske Kettenreaktion, die schließlich zum Tod von Cajethan und Kath führt, ist eine typische Provinzposse. Aber es gibt auch Parallelen zu den „Eberhofer“-Krimis, und das nicht nur, weil hier wie dort Sebastian Bezzel und Gerhard Wittmann mitwirken. Wie der schluffige Dorfpolizist Eberhofer ist auch Hubertus keine lupenrein positive Figur: Erst beklaut er den eigenen Sohn, dann gibt er ihm die Schuld am Tod des Opas, obwohl er selbst den Unfall verursacht hat; als er den Helden in sich entdeckt, ist das Abenteuer schon fast vorbei.

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