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„Es war einmal“, Kika Dunkler Zauber

Eine versteckte Perle im Silvesterprogramm: „Es war einmal… nach Roald Dahl“ ist ein Meisterwerk deutscher Animationsfilmer.

Es war einmal ... nach Roald Dahl
Der Wolf im Gouvernantenkleid (l.), mit Rotkäppchens Sohn (M.) und dessen weit skeptischerer Schwester. Foto: ZDF/Magic Light Pictures Lim

Schätze müssen gefunden werden, wenigstens im Märchen. So sieht es auch das ZDF, das bereits 2010 Jakob Schuhs später Oscar-nominierte Verfilmung des Kinderbuchs „Der Grüffelo“ im Vormittagsprogramm eines Heiligabends versteckte. Dabei hatten die britischen Co-Produzenten bei der BBC mit demselben Film zur besten Sendezeit mehr als zehn Millionen Zuschauer erreicht. Ein ähnlicher Erfolg gelang dort im vergangenen Jahr mit „Revolting Rhymes“, dem jüngsten Meisterwerk, das der Münchner Jakob Schuh gemeinsam mit einem weiteren Star des deutschen Animationsfilms, Jan Lachauer, inszenierte.

Für die millionenschwere Roald-Dahl-Verfilmung hat das ZDF nun sogar noch ein besseres Versteck gefunden, den Silvesterabend bei Kika. Wer es aber um 19.30 Uhr dort hinschafft, braucht sich um einen festlichen Jahresausklang nicht mehr zu sorgen.

„Es war einmal ... nach Roald Dahl“ hat man die kongeniale Verfilmung von fünf Märchenadaptionen genannt, die der britische Autor in sauberen Paarreimen gründlich gegen den Strich bügelte. Dahls verführerische Schwärze, seine schillernde Verbindung von Anmut und Makaberem, ist selten so gut verstanden worden: Inspiriert von den originalen Illustrationen des Zeichners Quentin Blake, haben die Filmemacher in 3D-Animation unvergessliche Figuren entworfen, allen voran Rotkäppchens Wolf, dem sie die Rolle des Erzählers zuweisen.

In 50 Minuten mehr Morde als sonst im ganzen Kika-Jahr

In einer verregneten Metropole trifft er in einer Bar auf ein Kindermädchen, das offenbar nichts von den wahren Erlebnissen des wehrhaften Rotkäppchens oder des eigentlich blonden Schneewittchens gehört hat. Im zweiten Teil übernimmt der Wolf selbst die Rolle des Babysitters und beglückt zwei Kinder mit seiner verwegenen Umdichtung von „Aschenputtel“ und „Hans und die Bohnenranke“.

Fast ohne Eingriffe in Dahls Originaltext gelang es den Filmemachern, die im Original unverbundenen Geschichten ineinander zu verweben – und dabei ein erstaunliches Spannungspotential zu entfesseln. Bedauerlich nur, dass sie die Synchronisation sehr holprig und kaum stimmungsvoll überträgt. Es ist wie im Stummfilm, als Filmpionier D. W. Griffith die Parallelmontage kultivierte – und sein Publikum bis zur Rettung in letzter Minute in Atem hielt.

Auch Dahls schwarzer Humor bietet ja nicht unbedingt Garantien für glückliche Enden. Tatsächlich geschehen in diesen fünfzig Minuten wohl mehr Morde als sonst im Kinderkanal in einem ganzen Jahr. Es rollen Köpfe, Schüsse fallen, und es wird auch jemand aufgegessen. Doch das alles in einer derart kultivierten filmischen Erzählung, wie man sie nur selten sieht.

Besonders das Design der Filmräume ist ein Fest: Ein Hauch von deutschem Expressionismus umweht die übersteigerten Perspektiven. Wie schon beim „Grüffelo“ gelingt Jakob Schuh ein derart malerischer Umgang mit dem Medium, dass der 3D-Animation alle digitale Glätte ausgetrieben ist. Was für eine Perle für jeden, der sie findet.

 

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