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„Emil Nolde - Maler und Mythos“ Ihm genügten Himmel und Erde

Mit dem Namen Emil Nolde verbinden sich ausdrucksstarke norddeutsche Landschaften. Aber auch das Berliner Nachtleben der Zwanziger und Südseemotive hat er gemalt. Anlässlich des 150. Geburtstags Noldes erinnern 3sat und NDR an den friesischen Künstler.

Emil Nolde - Maler und Mythos
Emil Nolde auf Alsen an der Bucht beim Malen. Er sitzt auf einem umgefallenen Baumstamm. (Szenenfoto aus dem Film "Träume am Meer - Der Maler Emil Nolde" von 2005). Foto: ZDF und NDR/dmfilm & TV Produktion

Eigentlich hieß er Hans Emil Hansen. Er wurde als Deutscher geboren, starb als Däne, verstand sich zeitlebens als Friese. Bekannt wurde er als Emil Nolde. Ein dem Geburtsort entlehnter Künstlername, mit dem sich der Maler von den vielen anderen Hansens abheben wollte. Am 7. August wäre Emil Nolde 150 Jahre alt geworden. 3sat und NDR würdigen den namhaften Expressionisten mit einem einstündigen Filmporträt, das im Auftrag der Nolde Stiftung Seebüll produziert wurde.

Der Film beginnt ausgesprochen weihevoll. Der Maler Emil Nolde, so heißt es in dem vom gebürtigen Kieler Axel Milberg gesprochenen Text, habe seine Heimat Nordfriesland zum Mythos gemacht. Gar „die Landschaft geprägt“. Das ist arg pompös geraten, aber glücklicherweise bleibt es nicht bei diesem schwelgerischen Tonfall.

Die nordfriesische Landschaft liefert dem Filmautor Wilfried Hauke beeindruckende Bilder. Mal besonnt, mal vom Sturm gezaust, mit hohem Firmament oder bedrohlicher Wolkenbildung. Er brauche für seine Bilder nur Himmel und Erde, soll Emil Nolde gesagt haben.

Auch Christopher Lehmpfuhl, der schon in aller Welt gemalt hat, ist in das deutsch-dänische Grenzland gekommen, um diese besondere Stimmung einzufangen. Nichts für Sonntagsmaler – mühsam kämpft sich Lehmpfuhl mit seiner großformatigen Leinwand und seinen Malutensilien durch den heftigen Wind. Er malt am liebsten, wenn die Witterung für dramatische Stimmungen sorgt.

Hinwendung zum Nationalsozialismus

Emil Nolde dürfte es ähnlich empfunden haben. Der friesische Bauernsohn musste sich gegen vielerlei Widerstände behaupten. Vom Vater autoritär erzogen und am Malen gehindert, entschied sich Nolde zunächst für eine Ausbildung als Zeichner und Schnitzer, wurde Zeichenlehrer in St. Gallen, malte putzige Miniaturen aus der Bergwelt, die sich als Postkartenmotive gut verkauften. Die angestrebte Anerkennung durch die Kunstwelt aber blieb ihm lange versagt.

Aus dem Werdegang Emil Noldes ergibt sich ein recht spannendes Zeitbild. Noldes Hauptthema war die pastos eingefangene friesische Landschaft, aber er nahm, begleitet von seiner Frau Ada, einer Varietésängerin, auch das gesellschaftliche Leben der wilden Zwanziger in Berlin wahr und brachte es auf die Leinwand. 1913 schon war er Teilnehmer einer Expedition nach Deutsch-Guinea gewesen. Auch hier entstand ein eigener Zyklus.

Nicht ausgespart werden Noldes verquaste Weltanschauung und seine Hinwendung zum Nationalsozialismus. 1934 trat er der NSDAP bei, diente sich den Nationalsozialisten regelrecht an, wenngleich sein expressionistischer Malstil dort nach anfänglichem Wohlwollen letztlich auf heftige Ablehnung stieß. Seine Werke wurden gar in den Kanon der entarteten, also verfemten, Bilder aufgenommen. Nolde betonte seine nationale Gesinnung, äußerte sich explizit antisemitisch, fand aber bei Hitler keine Gnade.

Nolde bereinigt Biografie

Nach Ende der Diktatur bereinigte Nolde seine Biografie, betonte, seiner Wesensart entsprechend, seine Opferrolle, äußerte nie ein Wort der Reue. Nachgetragen wurden ihm diese Verfehlungen nicht. In der jungen Bundesrepublik war Nolde ein hoch geschätzter Maler, dessen Arbeiten prämiert und unter anderem bei der documenta gezeigt wurden. Der Schriftsteller Siegfried Lenz, darauf geht der Filmautor nicht ein, nahm Nolde zum Vorbild für die Figur des Max Ludwig Nansen in seinem Bestseller „Deutschstunde“, der 1971 im Raum Niebüll für die ARD verfilmt wurde. Wohl auch deshalb sind heute das von Nolde in Seebüll erbaute Künstlerhaus, das er seine „Oase“ nannte, und die zugehörige Gartenanlage Besuchermagneten.

Die zweigliedrige Erzählweise, der Wechsel zwischen Noldes Biografie und der Gegenwart, verhelfen der Dokumentation bei einer insgesamt ruhigen Erzählweise zu einer angenehmen Dynamik. Gebrochen wird dieser Eindruck durch die Heranziehung zahlreicher Auskunftspersonen. Unnötig zum Beispiel, die Sachbuchautorin Kirsten Jüngling aus Noldes Schriften zitieren zu lassen, statt Zugriff aufs Originalmaterial zu nehmen.

Nicht jeder Interviewbeitrag ist inhaltlich von Belang; auch hätte man sich bei einigen Gesprächspartnern genauere Informationen gewünscht, wodurch sie sich für die Mitwirkung qualifiziert haben. Trotz dieser kleineren Einwände, als Heranführung an das Werk und die Person Noldes und dank der Präzisierungen, was das Verhältnis des Künstlers zum Nationalsozialismus betrifft – noch immer kursiert die Behauptung, er sei kein NSDAP-Mitglied gewesen –, ein lohnender Beitrag.

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