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„Ein starkes Team – Treibjagd“, ZDF Die Truppe schrumpft

„Ein starkes Team“ hat sich lange frisch halten können. Die aktuelle Folge aber zeigt Verschleißerscheinungen. Der Anfang vom Ende?

Ein starkes Team
Linett (Stefanie Stappenbeck, 2.v.l.), Otto (Florian Martens, l.) und ihr "starkes Team" können Carsten (Dominic Raacke, 3.v.r.) nach einer Verfolgungsjagd durch Berlin, in Anwesenheit seines Kollegen Sven (Ludger Pistor, r.), endlich fassen! Foto: ZDF/Katrin Knoke

Die strahlenden Augen sagen alles. Hände verschränken sich. Die Gesichter, gefilmt in sich überlagernden Großaufnahmen, zeugen von Glück. Das Liebespaar wechselt in eine Wohnung. In ihre. Man öffnet eine Rotweinflasche – die im nächsten Moment in einem Asservatenbeutel der Polizei landet.

Die charmant poussierende junge Frau ist tot. Ein Korkenzieher hat ihr den Garaus gemacht. Nur für eine Woche hatte sie die luxuriöse Ferienwohnung gemietet, wollte anderntags abreisen. Ein verhängnisvoller Urlaubsflirt?

So leicht wird es den Berliner Kommissaren denn doch nicht gemacht. Die Papiere des Mordopfers, die sie als Russin ausweisen, sind gefälscht. Der Mann, der die Dame in ihre Wohnung begleitet hatte, heißt Carsten Auerswald (Dominic Raacke). Jemand hat es auf ihn abgesehen, der unscheinbare, aber mutige Statiker irrt durch Berlin. Spät erst, beinahe zu spät, vertraut er sich der Polizei an. Sicherheit aber erwartet ihn auch dort nicht. Denn in einer der Dienststellen gibt es einen Verräter.

Zu viel Versatz

Es ist der 70. Fall des „starken Teams“, der sechste mit Stefanie Stappenbeck in der Rolle der Hauptkommissarin Linett Wachow – und einer der schwächsten der fast auf den Tag genau seit 23 Jahren laufenden Reihe. Das Drehbuch schrieb Leo P. Ard alias Jürgen Pomorin, eigentlich einer der originellsten deutschen Krimiautoren, der unter anderem gemeinsam mit Michael Illner die RTL-Kultserie „Balko“ in die Welt setzte. Die im Übrigen überzeugend belegt, das deutsche Produzenten auch ohne scheelen Blick ins Ausland gute Serien drehen können. Bei „Treibjagd“ aber bediente sich Leo P. Ard zu vieler Versatzstücke, setzt zu oft und bis hin zur Unglaubwürdigkeit auf denkbar dummes Verhalten der Protagonisten, als dass der Krimi als solcher überzeugen könnte.

Obwohl Ard schon zahlreiche Skripts für „Ein starkes Team“ verfasst hat, bleiben ausgerechnet die wiederkehrenden Figuren erstaunlich farblos. Statt unterhaltsamer Reibungen, amüsanter Geplänkel, dramatischer Verwicklungen attestieren sich die Helden neuerdings ständig ihre Verbundenheit.

Vielleicht sind die häufigen Personalwechsel der Reihe nicht bekommen. Nur Florian Martens als Otto Garber ist von Anfang an dabei, die Dienstältesten an seiner Seite sind Arnfried Lerche als Abteilungsleiter Reddemann und Jaecki Schwarz als Ex-Volkspolizist und geschäftstüchtiger Schlawiner Sputnik. Der erlebt in dieser Folge, sowohl als Ensemblemitglied wie auch als Filmfigur, einen traurigen Niedergang: Der ewige Unternehmer betätigt sich als Raumpfleger und ist gerade noch gut genug, einen wichtigen Hinweis aus einem der Mülleimer zu zupfen. Danach kann nur noch der Serienabschied kommen. So wie sich aktuell Ben Kolberg (Kai Lentrodt) aus dem Ermittlungsdienst zurückzieht. Aus dem „starken Team“, ursprünglich eine siebenköpfige Sondereinheit mit ganz speziellen Aufgaben, wird peu à peu „Das Duo“.

Vergessene Besonderheiten

Die Reduktion betrifft auch die Charaktere. Begonnen hatte das alles 1994 nach Büchern von Krystian Martinek und Neithardt Riedel mit dem Zusammentreffen oder besser Aufeinanderprallen von Otto Garber und Verena Berthold (Maja Maranow †), mit sorgfältig ausgearbeiteten, kontrastierenden Biografien, mit einer schrittweisen Annäherung des ruppigen Ex-DDR-Polizisten Garber und der westdeutschen Intellektuellen Berthold. Auch die übrigen Figuren waren sorgfältig ausgearbeitet. Bemerkenswert die Mitwirkung Tayfun Bademoys als Yüksel Yüsgüler, dessen türkische Herkunft nur selten ausdrücklich herausgestellt, vielmehr als Normalität aufgefasst wurde.

Von diesen biografischen Besonderheiten wissen nur noch Zuschauer, die die Reihe seit Jahren begleitet haben. Schaut man die jüngeren Folgen ohne Vorwissen, erlebt man sympathische, aber geschichtslose Figuren in routiniert, aber uninspiriert angerichteten Allerweltskrimis. Bei dieser aktuellen Folge will es fast scheinen, als hätten alle Beteiligten mit Ausnahme Stefanie Stappenbecks ein wenig die Lust verloren.

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