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„Ein starkes Team: Familienbande“, ZDF Eiskalte Früchtchen

Der 73. Film mit dem „Starken Team“ aus Berlin erzählt eine interessante Geschichte, ist aber innerhalb der Reihe nur Durchschnitt und nervt durch eine hektische Bildgestaltung.

Ein starkes Team
Die entführte Jette Andersen (Mette Lysdahl, l.) gibt Melanie Meiners (Michelle Barthel, r.) Informationen aus ihrer Vergangenheit preis. Foto: ZDF/Katrin Knoke

Erst wird bei einer Entführung das falsche Opfer erwischt, dann stellt sich raus, dass alles ein abgekartetes Spiel war, und schließlich tun sich noch ein paar familiäre Abgründe auf: Im Grunde ist „Familienbande“ ein viel zu harmloser Titel für die 73. Episode des ZDF-Dauerbrenners „Ein starkes Team“. Die Geschichte ist viel komplizierter, als es zunächst den Anschein hat, weil Jürgen Pomorin, der unter dem Pseudonym Leo P. Ard rund die Hälfte aller Fälle geschrieben hat, immer wieder neue Überraschungen aus dem Hut zaubert.

Dass der Film im Rahmen der Reihe dennoch nur Durchschnitt ist, liegt nicht zuletzt an der Umsetzung: Obwohl das Drehbuch fast völlig auf die komödiantische Ebene verzichtet und die Musik (Patrik M. Schmitz) für eine permanente Thriller-Atmosphäre sorgt, fehlt Martin Kinkels Inszenierung ein gewisser Biss. Außerdem nervt die Bildgestaltung (Friederike Heß), weil die Kamera mit gerissenen Schwenks und sprunghaften Zooms im Zusammenspiel mit der flotten Schnittfrequenz eine unangenehme Hektik verbreitet. Überdies schöpft die Darstellerführung das Potenzial der Mitwirkenden bei weitem nicht aus, weil viele Darbietungen im Klischee verharren.

Das gilt nicht nur für das vor allem von Zorn beseelte und von Michelle Barthel und Merlin Rose als eiskalte Früchtchen verkörperte junge Entführerpärchen, sondern vor allem für den Familienvater, den Justus von Dohnányi von aller Empathie befreit verkörpern muss, weshalb schon bei seinem ersten Auftritt klar ist: Dieser Mann hat Dreck am Stecken.

Wenn „Familienbande“ trotzdem sehenswert ist, dann vor allem wegen der regelmäßig verblüffenden Handlungswendungen, die aus der vermeintlich einfachen Geschichte einen verzwickten Krimi machen: Während sich das Ehepaar Reibert noch um seine Tochter sorgt, kommt Sarah (Luise von Finckh) quicklebendig nach Hause: Die Kidnapper haben nicht sie, sondern das dänische Au-pair-Mädchen (Mette Lysdahl) entführt; und für Jette will Uwe Reibert (von Dohnányi) keinen Cent locker machen. Später handelt er das Lösegeld runter, um den Koffer dann bei der Übergabe von einer Brücke auf ein Boot ins Wasser fallen zu lassen, wo er prompt untergeht.

Reibert ist es auch, der als Drahtzieher der Entführung seinen entlassenen Gärtner (Uwe Preuss) ins Spiel bringt. Tatsächlich steckt der Mann sogar mit drin, aber als das klar wird, hat längst Jette das Kommando übernommen, weil sie angeblich noch eine bittere Rechnung mit Reibert offen hat. Auch die Dänin ist jedoch eine Frau mit Geheimnissen, was ebenfalls für einige Überraschungen sorgt.

Sämtliche weiblichen Mitwirkenden bis hin zu Ina Weisse, die Sarahs Mutter wie ein Reh im Scheinwerferlicht verkörpert, sind auffallend blond und blauäugig; die vielversprechende junge Luise von Finckh sieht gar aus wie ein Rauschgoldengel. Umso krasser sticht naturgemäß Michelle Barthel als in jeder Hinsicht düstere Entführerin heraus.

Spaß machen auch die kleinen Scharmützel zwischen Otto Garber (Florian Martens) und dem mittlerweile nicht mehr ganz so neuen jüngeren Kollegen Sebastian (Matthi Faust); die Humoresken von Teamchef Reddemann (Arnfried Lerche), sonst ein zuverlässiger Quell für unfreiwillige Heiterkeit, verpuffen diesmal dagegen völlig und wirken eher wie Fremdkörper.

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