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„Ein schmaler Grat“ Das Mädchen und der Mörder

Vier Jahre lang hat Daniel Harrich sein fesselndes Kammerspieldebüt mit Felicitas Woll und Heiner Lauterbach bearbeitet, nun kommt es endlich ins Fernsehen.

Heiner Lauterbach mit Regisseur Daniel Harrich. Foto: Imago

Ein Mann um die sechzig, sympathisch, höflich, vertrauenerweckend; eine junge Frau, offen, verletzlich, ein bisschen naiv: Mehr braucht es nicht für einen fesselnden Film, wie dieses Debüt beweist. Der Mann ist ein Serientäter, er hat mindestens neun Menschen auf dem Gewissen; die Frau ist Journalistin, sie will ihn verstehen, will wissen, warum er die Taten begangen hat. Der Mörder und das Mädchen: eine faszinierende Konstellation; erst recht, wenn die beiden ein düsteres Geheimnis verbindet.

„Ein schmaler Grat“ ist 2012 entstanden, es war Daniel Harrich erste Arbeit als Spielfilmregisseur. Innerhalb weniger Jahre später hat sich der Sohn des für seine Dokumentationen mehrfach ausgezeichneten Ehepaars Walter Harrich und Danuta Harrich-Zandberg seither in der ersten Fernsehliga etabliert: „Der blinde Fleck“ (2013, über das Münchener Oktoberfest-Attentat), „Meister des Todes“ (2015, über illegale deutsche Waffenexporte) oder zuletzt „Gift“ (2017, über den milliardenschweren Handel mit gefälschten Medikamenten), jeweils in Kombination mit vertiefenden Reportagen ausgestrahlt, brachten ihm den Ruf eines investigativen Filmemachers ein.

Tatsächlich versteht sich Harrich eher als Journalist denn als Filmregisseur. Das zeigt sich auch bei einigen seiner Hauptfiguren: Der Protagonist von „Der blinde Fleck“ ist Reporter und arbeitet für den Bayerischen Rundfunk, genauso wie Dana Herrendobler, die Heldin aus „Ein schmaler Grat“.

Auch wenn Felicitas Woll mittlerweile dank der Nele-Neuhaus-Verfilmungen im ZDF und vor allem ihrer beeindruckenden und mit dem Bayerischen Fernsehpreis gewürdigten Darstellung einer gepeinigten Ehefrau in „Die Ungehorsame“ (Sat.1 2015) einen noch höheren Status genießt: Sie war auch 2012 mit Anfang dreißig eine gestandene und erfahrene Schauspielerin.

Und doch wirkt sie hier viel jünger und sehr verletzlich. Das lässt sich zum Teil durch Äußerlichkeiten wie den bis über die Augen reichenden Pony und das sparsame Make-up erklären; aber der Rest ist Schauspiel. Dana ist das perfekte Gegenstück zum doppelt so alten Johannes Heintz. Heiner Lauterbach verkörpert den charmanten Mörder nicht minder eindrucksvoll: Mit sanfter Stimme, die mitunter nur ein Flüstern ist, gewinnt er nach und nach das Vertrauen der jungen Journalistin. Geschickt lässt Harrich, der auch das Drehbuch geschrieben hat, zunächst die Frage offen, warum Dana geradezu besessen davon scheint, die Motive des Mörders zu ergründen.

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