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„Durch die Nacht mit … Ulrich Seidl und Josef Bierbichler“ Zwei herrliche Hallodris

Regisseur Ulrich Seidl und Schauspieler Josef Bierbichler treffen sich für die Arte-Reihe "Durch die Nacht mit..." in Kiew.

02.06.2014 06:40
Michael Tetzlaff
Ulrich Seidl und Josef Bierbichler auf einem typischen Kiewer Markt. Foto: ZDF/avanti media/Boris Fromageot/Heiko Rahnenführer

Das sind zwei herrliche Hallodris: der Regisseur Ulrich Seidl und der Schauspieler Josef Bierbichler. Für die Arte-Reihe „Durch die Nacht mit…“ haben sich die beiden in Kiew getroffen; Ulrich Seidl hatte sowohl die Stadt als auch den Gast Josef Bierbichler rausgesucht. Die Nacht beginnt recht früh, es ist wohl Nachmittag und Herr Bierbichler trinkt beim Warten auf Herrn Seidl sein erstes Bier. Ihr erstes Ziel ist ein Markt in Kiew, auf dem das zweite Bier getrunken wird, und Herr Seidl sich eine Badehose kauft.

„Wenn ich solche Märkte sehe, verliere ich immer jegliche Lust am Einkaufen“, sagt der Bierbichler, erschlagen vom Überangebot an allem und nichts. Deswegen steuern sie lieber eine Art Kneipe an und bestellen Wodka. Da es den aber nicht in Gläsern gibt, kaufen sie halt eine Flasche Nemiroff. Da sitzen die beiden großen Filmmenschen und reden über ihre Zunft, in der Hitze, warmen Wodka trinkend. Der Seidl erzählt irgendwann, warum er das Theater nicht mag. Er halte es nicht aus, permanent den Launen der Schauspieler ausgesetzt zu sein. Das versteht der Bierbichler sehr gut und sagt: „Das ist ein bösartiger Berufsstand, die Schauspieler. Darum will ich auch keiner sein und bin auch keiner.“

Bereits auf der Autofahrt zuvor, hatte sich der Bierbichler dagegen gewehrt, Schauspieler genannt zu werden. „Ich bin kein Schauspieler. Ich verdiene mein Geld mit dieser Tätigkeit, aber ich bin kein Schauspieler.“ Und genau diese Einstellung macht ihn wahrscheinlich zu einem der größten deutschen Schauspieler überhaupt. Verzeihung, Herr Bierbichler!

Und weiter geht es in ein Restaurant am Ufer des Dnepr. Dort gibt es zur Abwechslung mal Bier und Wodka, aber auch etwas zu essen. Der Seidl zieht sich seine neue Badehose an und verschwindet im Dnepr. Es ist wunderschön den beiden Männern dabei zuzusehen, wie sie sich kennenlernen. Wie sie langsam ihre Fremdwertschätzung in Direktwertschätzung umwandeln. Wie sie ordentliche Mengen an geistigen Getränken in sich hinein gießen und dabei immer „offener“ und persönlicher  werden.

Diese Folge von „Durch die Nacht mit…“ hätte auch gerne in Echtzeit laufen können. Selbst mit dem relativ traurigen Schluss in dem tristen Restaurant. Aber vom Bierbichler als Schauspieler ohne Drehbuch und Seidl vor der Kamera hat der Zuschauer selbst in geschnittener Version immer etwas. Bleibt zu hoffen, dass Arte die Folge bald in den Youtube-Kanal stellt.

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