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DSDS-Finale Das traurigste Finale aller Zeiten

"Das größte Finale aller Zeiten" kündigt RTL an - und liegt knapp daneben. „DSDS“ floppt, auch für das Livepublikum ist die Show im Düsseldorfer ISS-Dome kein Vergnügen. Für manche Familien endet der Abend gar mit einem Fiasko.

Prince Damien feiert seinen Sieg bei "Deutschland sucht den Superstar" vor der RTL-Kamera. Foto: Stefan Gregorowius

„Und Applaus“, fordert Oliver Geissen im Düsseldorfer ISS-Dome. Die Zuschauer klatschen. „Da sind wir wieder beim größten Finale von Deutschland sucht den Superstar“, ruft der Moderator fröhlich in die Kamera. Dann von vorne; dreimal nur noch: „Ihr fangt an zu klatschen, bitte“, dirigiert der Moderator und spricht lächelnd im Scheinwerferlicht: „Willkommen zurück, meine Damen und Herren, bei Deutschland sucht den Superstar.“ Ein halbes Dutzend Mal geht das so in der Halle - in der Zeit, während die Zuschauer zuhause Werbung sehen. Der Grund für die seltsame Zeremonie: Die Wiederholung der Sendung wird offenbar öfter als die Liveübertragung von Reklame unterbrochen - deshalb lässt RTL zusätzliche An- und Abmoderationen aufzeichnen.

"Ihr wart fantastisch, bis gleich", ruft Geissen dem Publikum unmittelbar nach der letzten nötigen Szene im Gehen zu - und verschwindet flott in einem Seitengang. Er hat, was er braucht. Und bei den Gästen in der Halle muss nicht einmal der Verdacht aufkommen, dass sich der Moderator auch nur für einen Augenblick für sie interessiert - und sei es nur aus Dankbarkeit fürs Mitmachen.

Es ist eine Szene, die für den ganzen Abend im ISS-Dome steht. 13.000 Menschen hatten sich auf den Weg nach Düsseldorf gemacht, beachtliche 82,35 Euro für eine Standardkarte bezahlt - und wurden den kompletten Abend fast schon ignoriert. Außer, wenn es ums Klatschen ging.

Das Thema Applaus wird ausführlich schon vor der Sendung besprochen. René Travnicek steht auf der Bühne, seine Berufsbezeichnung: Warm-Upper. Vor allem erwärmt er das Publikum für den Gedanken, dass immer dann zu klatschen sei, wenn er das mit seinem Kollege an zwei gut einsichtbaren Stellen laut und heftig gestikulierend vormachen wird. So passiert es denn auch.

Wie sich dagegen echte Begeisterung ausdrückt, ist an einer nicht vorhergesehenen Stelle zu erleben: als auf der Bühne unerwartet Menderes Bagci steht - jener kaum talentierte DSDS-Kandidat, der bisher in jeder Staffel antrat, nicht weiter kam und schließlich als Dschungelkönig endete. Hier tobt die Halle richtig.

Wie wenig sich RTL um sein Livepublikum kümmert, ist auch daran zu erkennen, dass vor Ort große Teile der Sendung kaum zu sehen sind: Die Einspielfilme, die nicht unerhebliche Teile der Sendezeit einnehmen, sind nicht etwa, wie zu erwarten, auf einer Großleinwand dargestellt. Stattdessen zeigen viel zu kleine Displays zwischen den Zuschauern nur farbverzerrte Ausschnitte; die Anzeige auf dem Boden der sich drehenden Bühnenmitte ist kaum zu erkennen - letztlich erleben die meisten Gäste in Düsseldorf rätselhafte Hörspiele.

In einer der Werbepausen geht dann immerhin wieder Warm-Upper Travnicek auf die Zuschauer im ISS-Dome ein. Wer will, könne nun auf der Bühne der Jury vorsingen - und werde so vielleicht entdeckt. Die Auftritte fallen erwartungsgemäß mehr oder weniger gelungen aus, bringen aber immerhin Abwechslung. Die Jury freilich denkt gar nicht daran, eine Bewertung abzugeben. Sie dreht sich zur Seite, will nicht einmal den Eindruck erwecken, als höre sie zu.

"Das größte Finale aller Zeiten", so das offizielle Motto - für manche junge Fans wird es zum traurigsten Finale aller Zeiten. Denn nicht alle, die nach eineinhalb Stunden Wartezeit in den Eingangstüren stehen, dürfen auch rein: Jugendliche ohne Ausweis oder unter 14 Jahren werden rigoros abgewiesen, selbst wenn die Erziehungsberechtigten dabei sind. Der Veranstalter verweist auf Jugendschutz-Vorschriften und auf einen entsprechenden Hinweis auf den Karten - freilich so klein gedruckt, dass er kaum lesbar ist. Und so endet der Abend für nicht wenige Familien, die meist neben dreistelligen Beträgen für den Eintritt auch Anreise- und Übernachtungskosten in Kauf nahmen, mit einem enttäuschungs- und tränenreichen Fiasko.

Mit einer solchen Veranstaltung dürfte sich die Zahl der DSDS-Fans nicht unbedingt vergrößern. Auch als TV-Sendung schwächelt das Format. Die aktuelle Staffel versuchte mit neuem Konzept verschiedene Musikgenres aufzufangen und verlagerte die Eventshows an besondere Orte, darunter auch ein Kloster. Trotzdem blieben die Quoten mager. Das Finale sahen nur 3,6 Millionen Zuschauer (14,1 Prozent); damit kam die Castingshow lediglich auf den dritten Platz des Samstagabends - weit entfernt von den Einschaltquoten der ersten Staffel 2002/2003 mit bis zu 15 Millionen Zuschauern.

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