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„Die Protokollantin“, ZDF Dunkler Rachefeldzug

Die neue Krimiserie „Die Protokollantin“ startet im Zweiten.

Die Protokollantin
Im Fall Menken hat sich eine neue Spur ergeben, der auch Freya (Iris Berben) nachgeht. Foto: ZDF/Alexander Fischerkoesen

Dunkel ist der Weg der Rache, fast so dunkel wie die neue ZDF-Serie „Die Protokollantin“, die ab Samstag, 20. Oktober, in fünf Folgen ausgestrahlt wird. 

Die Verhörprotokollantin der Berliner Kriminalpolizei, Freya Becker, kämpft seit vielen Jahren mit dem Verlust ihrer Tochter Marie und schafft es kaum noch, Beruf und Privates zu trennen. Zu Visionen der Verschwundenen mischen sich die Stimmen der Täter und Täterinnen, der Opfer und der Zeugen und Zeuginnen in den Verhören. Als sie sich dann noch mit einem Fall konfrontiert sieht, der sie an die Ereignisse um ihre Tochter erinnert und Maries vermeintlicher Mörder aus dem Gefängnis frei kommt, will Freya endlich die Wahrheit herausfinden. 

Daneben hat auch ihr Bruder Jo, gespielt von Moritz Bleibtreu, mit seiner Vergangenheit zu kämpfen. Der Restaurantchef und ehemalige Club-Besitzer ist in die Geschichte mit Marie verwickelt, was er aber vor seiner Schwester geheim hält. Der Weg der Protokollantin ist gespickt von kaputten Beziehungen, von düsteren Geheimnissen und traumatischen Erinnerungen. Weder die eigene Familie noch die Polizei oder die Freunde scheinen Freya eine Hilfe zu sein und so muss sie zu ihren ganz eigenen Methoden greifen, um ihr Ziel zu erreichen. 

Es ist der Versuch, den amerikanischen Größen wie „House of Cards“ oder „Twin Peaks“ nachzueifern und das deutsche Fernsehprogramm konkurrenzfähig zu machen. Erste Schritte wurden schon mit den Serien „Babylon Berlin“ und „Bad Banks“ unternommen. Damit das aber funktionieren kann, braucht es einerseits eine starke Besetzung, andererseits eine beeindruckende visuelle Umsetzung. Das eine liefert die Serie von Nina Grosse tadellos, das andere will noch nicht so recht gelingen. 

Die Rolle der Freya Becker spielt Iris Berben mit einer überzeugenden Mischung aus Verschlossenheit, Skrupellosigkeit und Verletzlichkeit. An ihre Seite bekommt sie Peter Kurth als toughen, metzgergleichen Chef der Kriminalpolizei Berlin gestellt. Auch er überzeugt mit seinem ausdrucksstarken Spiel. Woran diese Serie scheitert, ist die visuelle Darstellung. Das mangelnde Licht, die dunklen Ecken am Bildrand und die tiefen Schatten auf den Gesichtern der Darstellerinnen und Darsteller schaffen zwar einen gewissen mysteriösen und bedrohlichen Eindruck, der aber durch ein Übermaß an Gelbtönen und Weichzeichner stark gemildert wird. 

Der Versuch, amerikanische Vorbilder zu imitieren

Zu künstlich wirkt diese Welt der Gewalt, zu klinisch die Kulissen. Berlin sieht aus, als könne vom Boden gegessen werden und selbst die Wohnung von Freyas verschollener Tochter wirkt wie aus dem Ikea-Katalog. Ebenso unpassend sind manche der unzähligen Nebenstränge, die der Geschichte nicht wirklich zuträglich sind und wie Lückenfüller wirken. Wahrscheinlich sollen sie die Charakterentwicklung darstellen und Verbindungen unter den einzelnen Figuren erläutern, verwirren die Zuschauer und Zuschauerinnen aber nur im Laufe der Folgen. 

Trotz allem inszeniert Grosse eine spannende Geschichte, die Lust am Weiterschauen macht. Wenn sie nicht so krampfhaft den US-amerikanischen Vorbildern nachgeeifert hätte, wäre es eine rundum gelungene Serie.

 

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