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„Die Louvre-Saga“, Arte In der Mitte wächst ein Bauwerk

Mit 20 Hektar Gebäudefläche und 14,5 Kilometer langen Gängen vielleicht die größte und langfristigste Dauerbaustelle des Planeten: der Louvre.

09.07.2016 08:48
Hans-Jürgen Linke
Blick auf den Louvre mit der Glaspyramide im Mittelpunkt. Foto: Arte/A Prime Group

Warum „Saga“? Vielleicht, weil man mit den üblichen Absichten eines historisch informierenden Kulturfilms nicht ganz auskommt, wenn es um ein so zentrales und markantes Bauwerk wie den Louvre geht. Der originale französische Filmtitel lautet „Les Batailles du Louvre“, die Schlachten des Louvre. Darin steckt schon viel von einer Saga: Um und für den Louvre werden Schlachten geschlagen, Geschichte wird gemacht, die sich hier abbildet.

Und irgendwann scheint auch der Louvre selbst etwas wie eine eigene Kontinuität entwickelt zu haben. Sonst wäre es kaum zu erklären, warum dieses Bauwerk seit seinen Anfängen in jeder Phase der Geschichte Frankreichs eine neue Bedeutung bekam, die sich den bereits vorhandenen hinzufügte. Nicht einmal während der Großen Revolution nach 1789, die mit den Monumenten des Ancien Régime nicht gerade zimperlich umging, wurde der Louvre zum Steinbruch. Und so steht er in der Mitte der filmischen Saga: als lebendiges Bauwerk mit einer sich wandelnden und ausdehnenden nationalen Bedeutung.

Zieht man die Mythen und Mystizismen vom Louvre ab, dann ist er mit seinen 20 Hektar Gebäudefläche und 14,5 Kilometer langen Gängen vielleicht die größte und langfristigste Dauerbaustelle des Planeten. Acht Jahrhunderte, eine riesige Menschenmenge von Herrschern, Architekten, Künstlern, Arbeitern, Handwerkern und Politikern haben ihre Beiträge geliefert. Haben an und in ihm gebaut und niedergerissen, geplant und neu geplant, ausgestattet und Feuer gelegt, Räume und Gebäudetrakte genutzt, umgebaut und neu definiert. Heute ist der Louvre der Ausstellungsfläche nach das drittgrößte Museum der Welt, seiner Besucherzahl nach das größte.

Die Nutzung als Museum begann, als Louis XIV. mit dem Hof nach Versailles zog, aber der Louvre war nie nur ein Museum. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war er vor allem das zentrale Symbol und die zentrale Selbst-Abbildung der Staatlichkeit und Nationalität Frankreichs.

Das riesige Schloss von Versailles, ungefähr 20 Kilometer weiter westlich gelegen, war im Vergleich dazu stets nur ein Ort individueller Marotten einiger absolutistischer Herrscherfiguren.

Eindrucksvolle Wandelbarkeit

Der Louvre dagegen gewinnt im Laufe der Geschichte eine eindrucksvolle Wandelbarkeit und einen kulturell und geschichtlich derart aufgeladenen Symbolwert, dass klar wird: Hier materialisiert sich etwas sehr Seltenes, was schwer zu fassen ist. In Epochenbegriffen wie Mittelalter, Renaissance und Neuzeit, Feudalismus, Absolutismus oder Erste bis Fünfte Republik ist das nur unvollständig zu erfassen.

Auch politische, militärische oder urbane Funktionsbezeichnungen des Bauwerks wie Festung, Residenz, Repräsentationsbau, Sitz von Institutionen des Geisteslebens, Museum benennen lediglich einzelne Aspekte. Der Louvre hat im Laufe der langen Geschichte Frankreichs und seiner Zentralisierung all das gesehen und ist all das gewesen, nacheinander oder zugleich. Er ist etwas wie das pulsierende Herz der ihn umgebenden, mit ihm eng verbundenen und verzahnten Hauptstadt Paris.

Darin ist seine Bedeutung begründet: in der Tatsache, dass sich in ihm eine lange Geschichte und eine alte Nation materialisieren. Und dass er darum eine Baustelle geblieben ist.

Doch, „Saga“, das ist gar nicht so abwegig.

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