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„Die Füchsin: Spur in die Vergangenheit“, ARD Er plappert, sie pariert

Mit „Die Füchsin“ entwickeln WDR und Degeto einen formidablen Serienstoff, wählen aber leider die falsche Form.

Die Füchsin - Spur in die Vergangenheit
Unter Beschuss: Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) und Youssef El Kilali (Karim Cherif). Foto: WDR/Martin Rottenkolber

Es ist eine Fortsetzungsgeschichte. Der dritte Neunzigminüter. Umgemünzt auf internationales Episodenmaß, ergäbe das eine sechsteilige Serie. Anders die deutsche Programmpolitik. Da zieht sich die Erzählung über vier Jahre. Die Auftaktepisode wurde 2015 ausgestrahlt, 2017 die erste und nun die zweite Fortsetzung. Das Publikum ist also gefordert, das Gedächtnis zu bemühen. Hilfreich bringt der Drehbuchautor Ralf Kinder, der für alle bisherigen Filme dieser WDR-Degeto-Koproduktion verantwortlich zeichnet, gleich in den ersten Minuten einiges zur Sprache, was dem Verständnis dienlich ist. Ziemlich düstere Dinge.

Anne Marie Fuchs (Lina Wendel) war Ostspionin. Als sie ausstieg, wurde sie doppelt bestraft: Im Westen stellte man sie wegen Landesverrats vor Gericht, die östliche Staatssicherheit entführte ihren damals fünfjährigen Sohn. Er soll in einem DDR-Kinderheim gestorben sein.

Mittlerweile lebt Fuchs zurückgezogen und in bescheidenen Verhältnissen in Düsseldorf. Eigentlich meidet sie jeden Kontakt zu anderen Menschen, mochte aber ihre Hilfe nicht versagen, als in der Familie der Café-Betreiberin Simone Papst (Jasmin Schwiers) ein Kind entführt wurde. Fuchs‘ überraschende Fähigkeiten brachten Papsts Lebensgefährten Youssef El Kilali (Karim Chérif) auf die Idee, eine Detektei zu eröffnen. Vom Beruf versteht Kilali zwar wenig, aber der wortgewandte Pfiffikus kann Aufträge akquirieren. Fürs Fachliche ist Fuchs zuständig. Nicht zu vergessen Kilalis patzige Schwester Saida (Sara Fazilat). Was Anne-Sophie Mutter an der Violine, ist Saida am Computer. Eine Virtuosin.

Noch immer hofft Fuchs auf Informationen über den Verbleib ihres Sohnes. Gerade hat sie ihren Ex-Mann Konrad Gelden ausfindig gemacht, von dem sie sich Auskünfte erhofft. Doch kaum tritt sie ihm gegenüber, wird er in der eigenen Villa vor ihren Augen erschossen. Da Gelden seine Frau seinerzeit im Prozess belastet hatte, kann Kommissar Eisner (Robert Dölle) die ihm bereits wohlbekannte und ziemlich suspekte Ex-Agentin als Verdächtige nicht ausschließen.

Geschäftstüchtig hat Kilali zudem Markus Gelden (Martin Geisen), den Sohn des Toten, als Klienten gewonnen. Angeblich stammt Markus aus einer zweiten Ehe, von einer anderen Frau. Aber er ist im selben Alter wie Florian, Fuchs‘ verschwundener Sohn. Und er ist im Osten aufgewachsen. Diese Biografie wirft Fragen auf. Damit wird die aktuelle Ermittlung für Anne Marie Fuchs noch auf einer zweiten Ebene persönlich. Einmal mehr aktiviert sie alte Kontakte. Und reist für weitere Nachforschungen nach Dessau. Ein gefährliches Unterfangen. Irgend jemandem scheint daran gelegen, dass Florians Schicksal im Dunkeln bleibt.

Ralf Kinder hat das ursprüngliche Erzählkonstrukt auch im dritten Film ansprechend weiterentwickelt. Anne Marie Fuchs, Youssef El Kilali und Simone Papst sind sich nähergekommen, ohne dass Fuchs ihr tiefsitzendes Misstrauen völlig abgelegt hätte. Inzwischen zeigt sie sogar gelegentlich ein verstecktes Lächeln. Zu den Vorzügen dieser Produktion gehören weiterhin die trockenen Dialoge. Die eher einseitig verteilt sind. Kilali plappert, Fuchs pariert. Mit Sätzen wie „Sie machen mich fertig mit Ihrer Lebendigkeit.“

Auch Kommissar Eisner wird angemessen zurechtgewiesen, als er Fuchs einen „Deal“ anbietet: „Bin ich eine Dealerin?“

Insgesamt fällt diese Episode ein wenig hinter die anderen zurück. Sie wirkt, als habe man die noch offenen Handlungsfäden nun partout zum Knoten schürzen und zügig einem Ende zuführen wollen. Um den Preis, dass die Mechanik des Handlungsaufbaus kräftig durchscheint. Dennoch ein Kriminalfilm über dem Durchschnitt, schon allein, weil Autor Kinder und Sabine Derflinger, die die mittlerweile international tätige Samira Radsi im Regiestuhl abgelöst hat, trefflich Momente der Komik einzustreuen verstehen, ohne die Tragik in der Lebensgeschichte der Protagonistin aufzuweichen. Es wäre schön, wenn die Zusammenarbeit des ungleichen Duos eine Fortsetzung fände. Warum nicht vielleicht doch einmal als Serie mit dichterem Ausstrahlungsturnus?

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